Thrust Of The Vile (1991) - ein Review von Lord

The Waltons: Thrust Of The Vile - Cover
1
Review
3
Ratings
8.67
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Punk Cowpunk


Lord Avatar
11.09.2011 17:19

Das hier ist ein eher persönliches Review - wer also eine objektive Rezession lesen will; please skip!

Für mich wohl DIE Scheibe des Frühlings/Sommers 1991; ich habe die CD (meine erste oder zweite CD - davor NUR Vinyl) 1991 beim "Hard'n'Heavy" auf DRS 3 (Schweizer Radiosender) gewonnen - damals waren mir THE WALTONS total unbekannt und ich dachte "Scheisse, da gewinnt man mal was und dann so'n Scheiss.."; nun, ich habe meine Meinung umgehend geändert, als die CD zum ersten mal in meinem Player rotierte!

Die Berliner spielen eine verschärfte Variante des Heavy Metal, angereichert mit Punkrock und Countryelementen - die Mischung macht es aus. Reizvoll, exotisch - wunderbar!!
Über 1 Jahr spielte ich ab da die CD (oder das Tape) täglich fast tot, brachte sie in die Schule mit als Soundtrack zur damaligen 700-Jahre-Schweiz-Feier (ein bisschen Geschichte am Rande; die Eidgenossenschaft wurde 1291 gegründet), während wir irgendwelche dämlichen Kulissen bemalt und gebastelt haben und heimlich raus gingen um schlecht verstecktes Bier zu trinken...
ALLE meine auf härtere Musik stehenden Kumpels fanden's geil und wollten die CD haben, so dass ich sie im Endeffekt lange Zeit nicht mehr selber abspielen konnte (hatte sie aber natürlich auf Tape, wie damals alles - noch heute stapeln sich unzählige Kisten mit Tapes auf meinem Dachboden)). Im Endeffekt landete die CD sogar bei Leuten die ich vorher nicht mal kannte, sie dann jedoch mich - und bei Älteren Metal-Fans (2 Klassen höher), die mich ab da spätestens respektierten... Schon komisch. Die CD ist also mit unendlich vielen Erinnerungen, mit persönlicher Weiterentwicklung in Siebenmeilenstiefeln, einem wunderbaren Sommer der Liebe, des Abenteuers und Spass verbunden - ich war 14, fast 15 und fucking glücklich, alles lief wie am Schnürchen! Perfekter Soundtrack für diese Zeit!

Doch auch heute noch liebe ich allein die Musik (das Gefühl das sie mir gibt ist unbezahlbar, diese Erinnerung an die Jugend und wenn ich zB "Rain" höre, bin ich wieder 15) total - das Album ist einfach gut gemacht, gut gespielt und interessant!

Kommen wir zu den Highlights:
Allen voran sicher die Semiballade "Rain"! Ein wunderbar melancholisches Stück Musik, das viel Gefühl, Sehnsucht und Atmosphäre in sich birgt - dazu der desillusionierte Text; perfekt! Bei genannter 700-Jahrfeier verknallte/verliebte ich mich unsterblich für ca. 1 Jahr in ein Mädchen namnes "Irina" und ich sah es als Zeichen, dass die Buchstaben ihres Namens im Songtitel "Rain" enthalten sind (was da ab sofort in grossen Lettern jedes Schulheft von mir zierte) - ja, die Logik eines Teenagers. "A girl like you could halp me out.." - so sah ich das auch!
Auch "The eagle flies (like a bomber again)" ist ein Weltklassesong; eine fucking Granate mit geilen Riffs, roh und knüppelnd - vertont vieles, was ich damals an Zorn gegen Langweiler gespürt habe!
In die Album-Top-3 gehört logischerweise das brillante "Long haired country boy", das alles hat, was ich geil finde; Powerriff, Höllentempo und dazu eine sensationelle Melodie - und natürlich ein cooler Hang'n'Loose-Text. Auch der Song erinnert mich an jenen Frühling/Sommer 1991, den Urlaub am Gardasee (auch da fand ich wieder ein Girl super - war ja weg von zu Hause.. War ne schöne Holländerin) und auch an das Zeltlager 1992 in dem ich von Irina langsam Abstand nahm. Our time is running out - wenn man jung ist, geht das ja leider ziemlich schnell! Und eine Woche später war schon 'ne Andere in... Naja! Mit Irina war ich übrigens nie zusammen - sie wollte mich nicht. Erst Jahre später fand sie raus, dass ich eigentlich doch ganz lässig bin und wollte mich haben... Too late, Girl.
Erwähnung muss auch "Time of love" finden, das ich auf vielen Mixtapes verwendet habe, oft nach "Broken heart" von White Lion (irgendwie vollkommen unpassend). Und "The cry of the wild Goose" - eine Granate from hell!!

Diese Scheibe ist 100% Soundtrack eines Jahres für mich (habe sie natürlich auch später oft gehört, doch die Erinnerungen waren gemacht und in Stein gemeiselt für eine Ewigkeit: Frühling 1991 bis Sommer 1992), deswegen eine emotionale Achterbahnfahrt des totalen Glücks, der Kuriosität, der Verwirrtheit, des Aufbruchs, vom Gewinnen und Verlieren, doch auch eine Unsicherheit und Zerbrechlichkeit - einfach das, was ein 15 Jähriger so empfinden kann. Verdiente, satte 10 für diese Scheibe!

Punkte: 10 / 10


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