The Second Coming (2011) - ein Review von Sgt. Kuntz

Militia: Second Coming, The - Cover
1
Review
2
Ratings
8.25
∅-Bewertung
Typ: Compilation/Best-Of
Genre(s): Metal Power Metal, Speed Metal, Progressive Metal


Sgt. Kuntz Avatar
24.05.2011 11:17

Die 100 Exemplare von “The Sybling“ der texanischen Band MILITIA werden wahrscheinlich auf immer und ewig die begehrtesten und damit wertvollsten Heavy Metal-Raritäten bleiben, auch wenn in der Zwischenzeit noch seltenere Alben aufgetaucht sind. Aber lange bevor Bands wie PARADOXX oder WARZWOLF überhaupt vom Namen her bekannt waren, wusste man von der MILITIA-EP, und das schon seit Ende der 80er Jahre. Mehr als genug Zeit also zur Legendenbildung. Und wie fast alle der extrem hochpreisigen Alben ist auch dieses hier musikalisch umstritten, von totaler Verehrung bis zur feindseligen Ablehnung reicht die Palette der Reaktionen. Zugängig gemacht wurden die Songs zunächst durch eine Bootleg-CD und 2008 durch eine offizielle Compilation-CD, und das sogar begleitet durch den ersten Auftritt in Deutschland auf dem Keep It True-Festival. Letztere wird nun in leicht abgeänderter Form auf Vinyl gepresst, neu abgemixt und in ein neues, äußerst stimmiges Coverartwork gepackt. Wie überhaupt die Ausstattung sofort positiv auffällt, nicht nur durch die schöne Hochglanz-Optik, sondern auch dank des wirklich toll gemachten Poster, das sich aus alten Tourplakaten zusammensetzt.

Wer die Band hier das erste Mal hört, könnte meinen, der Plattenspieler läuft aus Versehen mit 45rpm. Doch an die leicht hektische Spielart und den teils extrem hohen Gesang gewöhnt man sich schnell und die ersten beiden Tracks geben sich zwar progressiv/verspielt, aber zum Glück auch mit einer mehr als ordentlichen Heavyness und vielen markanten Passagen. Vor allem “Salem Square“ ist ein Kracher mit hohem Wiedererkennungswert. Auf einer Progressivitäts-Skala könnte man die Truppe circa in der Mitte zwischen ihren texanischen Kollegen von WATCHTOWER auf der einen und S.A. SLAYER auf der anderen Seite einordnen. Ein Maß also, mit dem ich gut leben kann. Und solchermaßen ausgerüstet kann man das packende Instrumental und gleichzeitig Titelsong der EP in vollen Zügen genießen. Spätestens hier wird es langsam unverständlich, wie man angesichts der perfekt sitzenden Riffs und des aufreibenden Songaufbaus der Band die spielerische Klasse aberkennen kann. Mit “Thrash To Destroy“ und “Onslaught“ geht die A-Seite den Titeln entsprechend ruppig zu Ende. Hier handelt es sich um Songs vom “Regiments Of Death“-Demo, mit denen auch die B-Seite beginnt. Der Sound ist zwar etwas blechern und ein Song wie “Onslaught“ arg wild und hektisch, jedoch auch nicht ohne Reiz. Die Rückseite hält mit dem herrlichen “Metal Axe“ und dem technisch-kühlen, aber dennoch mitreißenden “No Submission” weitere Highlights in petto. Wie Sänger Mike Soliz hier agiert, ist irre und lässt nur einen Vergleich zu, nämlich den mit dem legendären Ski von DEADLY BLESSING.

Der große Vorteil gegenüber einigen anderen Compilations ist hier, dass man nicht auf Live-Songs oder Rehearsal-Tracks von zweifelhaftem Wert zurückgreifen musste, um das Material auf LP-Länge zu strecken. Denn auch wenn der teils extreme Stil von MILITIA weiterhin nicht jedem gefallen wird, so muss man der Band doch mindestens attestieren, dass sie ihr Ding konsequent durchziehen und absolut kompromisslos zur Sache gehen. Wer also die bereits erwähnten Bands sowie weitere Texas-Underground-Acts wie SYRUS, OBLIVION KNIGHT oder ASSAILANT in Ehren hält, der hat diese LP natürlich längst vorbestellt oder sollte es schleunigst tun.

Sgt. Kuntz

Punkte: 8 / 10


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