Rotten Roma Casino (2010) - ein Review von vegetariancannibal

Spiritual Front: Rotten Roma Casino - Cover
1
Review
3
Ratings
9.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Dark Wave/Gothic


vegetariancannibal Avatar
20.10.2012 22:55

O.k., dann erstmal der Grund, wieso ich auch diesm Album mal wieder keine 10 gebe...es ist teils schon etwas schmalzig. Doch. Muss ja nicht negativ sein, aber teilweise erinnert der, von Spiritual Front selbst als "Nihilistic Suicide Pop" bezeichnete Stil an das Gegenteil, nämlich an Gute-Laune-Pop. Gottseidank fehlt die Melancholie dabei nicht ganz, und interessant ist die Band allemal. Wer hier das übliche an Neofolk, Apocalyptic Folk oder eben Dark Wave erwartet, wird sicherlich sehr enttäuscht, hört sich das Album doch eher wie eine Mischung aus Folklore und Western-Musik mit einem Touch Rockabilly an. Kein Wunder, wenn man denn Musiker von Ennio Morricone's Orchester (!) arrangiert - und wer Morricone's Musik noch nie ausstehen konnte, der sollte "Rotten Roma Casino" auch im Regal stehen lassen. Überdeutlich hört man dessen Einflüsse z.B. bei "The days of Anger", hier eine mexikanische Trompete, da eine spanische Gitarre, Geigen, und Kirchenglocken im Hintergrund. Ganz ehrlich, das ist ja mal was Neues in der oft drögen Landschaft der immer wiederkehrenden Dark Folk-Themen. Natürlich kommt auch diese Band nicht zum Ende, ohne nicht zumindest einmal das Wort "Uniform" in einem Song-Refrain erwähnt zu haben-dies aber mit einem Augenzwinkern. ("German Boys", charmant!) Textlich geht es um Erotik statt Politik, und das auch das ganze Album lang-woher diverse an den Haaren herbeigezogenen Anfeindungen kommen, die man im Internet finden kann, erschließt sich einem, nachdem man die Scheibe gehört hat, dann auch so garnicht mehr. Eine tolle Platte, die mir als Freundin der musikalischen Düsterness nur streckenweise zu gut gelaunt daherkam. Da ist es schön, dass es am Ende mit "Cold Love (in a cold coffin)" noch einen melancholischen Gothic-Tango (!) gibt, und "Overkilled Heart" (grandios!) einen ohnehin wieder wunderbar herunterzieht nach den ganzen netten Melodien. 8 Punkte mit Luft nach oben und eine dringende Kaufempfehlung an alle aufgeschlossenen Hörer, die sich mal wieder nach einer neuen Stilrichtung sehnen.

Punkte: 8 / 10


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