Meine Freiheit (1975) - ein Review von klaus1

Peter Maffay: Meine Freiheit - Cover
1
Review
1
Rating
10.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock
Schlager


11.05.2011 12:54

Peter Maffays Wechsel vom Schlager- zum Rockstar nahm 1975 schon konkrete Formen an. Wirkte der Versuch dorthin auf seinem 74er Album „Samstag abend in unserer Straße“ noch etwas gewollt und halbgar, so ist ihm 1975 mit seinem fünften Album „Meine Freiheit“ ein durchaus beachtenswertes Ergebnis gelungen. Wer jetzt Rockmusik a la Deep Purple & Co. erwartet, der wird fragen, was das, was Peter auf „Meine Freiheit“ bietet, mit Rockmusik zu tun hat. Musikalisch orientiert er sich hierbei mehr in Richtung amerikanischen Rock Marke Westcoast a la The Eagles, Poco & Co. Die Tatsache, daß in vielen Liedern seine Schlagervergangenheit nicht zu leugnen ist, lassen sich nicht von der Hand weisen. Der Name Peter Maffay hatte auch 1975 innerhalb der deutschsprachigen Unterhaltungsmusik noch einen guten Klang und seinem Produzenten Joachim Heider war daran gelegen, mit seiner Musik ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Es ist auch gar nicht verkehrt, wenn sich ein junges, nicht unbedingt auf Schlager fixiertes Publikum ebenso wie Schlagerfreunde seine Lieder anhören, ohne das beide Zielgruppen dabei ein schlechtes Gewissen bekommt. Dementsprechend handeln die 12 Lieder dieser Langspielplatte von Freundschaft, Liebe, Vertrauen und dem Wunsch eines Einzelgängers nach Freiheit und einem ungebundenen Leben. Um sich auch optisch vom Großteil deutschsprachiger Sänger abzuheben, präsentiert sich Peter auf dem Cover als Jeanstyp auf einem Motorrad (erstmals wird auf dem Cover auch sein Name in Form eines Schriftzuges präsentiert). „Meine Freiheit“ beginnt mit „Charly’s Leute“, einem kernigen Rocker amerikanischen Zuschnitts über eine Motorradgang. „Von Mann zu Mann“ handelt von einem jungen Mann, der sich in ein Mädchen verliebt hat und seiner Vergangenheit abschwört. „Meine Freiheit“ ist eine wirklich tolle Ballade, die angenehm an The Eagles oder Poco erinnert. In diesem Lied beschwört er förmlich, daß für ihn seine Freiheit, ein ungebundenes Leben das wichtigste überhaupt ist. In „Kleines Mädchen“ handelt von einem Mädchen, das gerade erwachsen wird und mit dem Erzähler ihre erste Liebeserfahrungen machen möchte. Ihm fällt es schwer, sich ihrer Reize zu entziehen, letztendlich siegt aber die Vernunft über dem durchaus verständlichen männlichen Verlangen. In dem C&W-Rocker „Keiner kann was dafür“ beschäftigt sich Peter Maffay mit der Thematik der Arbeitslosigkeit, eine Thematik von leider von zeitloser Aktualität. Seite 2 beginnt mit „Josie“, eines der schönsten Lieder im Gesamtwerk Peter Maffays. Im Original stammt dieses Lied aus dem Jahre 1971 von Dion diMucci, der Ende der 50er- und Anfang der 60er Jahre mit Stücken „Runaround Sue“, „The Wanderer, „I Wonder Why“ und „A Teenager In Love“ ein echter Topstar war. Weiß er Henker, warum das Team von Peter Maffay gerade dieses Lied ausgebuddelt haben. Aber in der deutschen Fassung mit einem Text von Christian Heilburg erwies es sich als echter Glücksgriff, bescherte es Peter im Herbst 1975, nach fast 5 Jahren, einen Top 10 Hit in Deutschland (Platz 9). Das Lied über das Erwachsenwerden eines Mädchens gehört mit Sicherheit zu den schönsten deutschsprachigen Liedern des Jahres 1975. Das vorzügliche Arrangement und Peter wundervolle Interpreten sorgen dafür, daß diese wundervolle Ballade auch 32 Jahre nach seinem Entstehen nichts von seinem fast magischen Charme verloren hat. Ebenfalls eine sehr schöne Ballade ist „Auf der Straße nach Nimes“, unterlegt mit sanften Rock. Leichten Rock bietet „Wilde Pferde“, ein Lied, das nach Abenteuer und Freiheit riecht. Eine Ballade mit leichte Rockeinlagen bietet „Wenn es falsch ist, dich zu lieben“. Das gleiche gilt auch für „Dann komm zu mir“. Als erste Singleauskopplung erreichte diese flotte Nummer im Juni 1975 Platz 45 der deutschen Hitparade. Textlich bewegt sich dieses Lied eher in Schlagergefilden, ohne dabei allerdings in seichten oder klebrigen Peinlichkeiten auszuarten. Dafür sorgen alleine schon die wirklich guten Gitarren-Hooklines, die ein klein wenig an Billy Swans Hit „I Can Help“ erinnern. „Mein Zuhause – die Straße“ bietet gemäßigten Rock, garniert mit einem Text, der Abenteuer und Freiheit suggeriert. Im Großen und Ganzen ist Peter Maffay mit „Meine Freiheit“ ein wirklich gutes Album gelungen, eine der ganz wenigen wirklich guten deutschsprachigen Produktionen des Jahres 1975. Rockfans winkten ab, war ihnen das Werk zu schlagermäßig, während es den Schlagerfreunden hingegen wieder zu rockig war und die vorsichtshalber dann doch lieber zu Chris Roberts, Rex Gildo & Co. griffen. Ein Großteil deutschsprachiger Produktionen aus jener Zeit ist (zu Recht) längst vergessen und nicht mehr erhältlich ist, bekommt man „Meine Freiheit“ immer noch auf CD. Und das völlig zu Recht, denn das Album ist wirklich gut und ein Stück wie „Josie“ ist eh schon ein ganzes Album wert. Wer den Maffay aus der Mitte der 70er Jahre einmal kennenlernen möchte, der bekommt mit „Meine Freiheit“ einen wirklich guten Einblick in sein musikalisches Schaffen jener Zeit.
Quelle: http://hitparade.ch/showitem.asp?interpret=Peter+Maffay&titel=Meine+Freiheit&cat=a

Punkte: 10 / 10


Peter Maffay: Meine Freiheit

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Tracklist:

  1. Charly's Leute
  2. Von Mann zu Mann
  3. Meine Freiheit
  4. Kleines Mädchen
  5. Keiner kann was dafür
  6. Wo steht das geschrieben
  7. Josie
  8. Auf der Straße nach Nimes
  9. Wilde Pferde
  10. Wenn es falsch ist, Dich zu lieben
  11. Dann komm zu mir
  12. Mein Zuhause - die Straße
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