Wake Up Call (2009) - ein Review von Amixor33

Silent Overdrive: Wake Up Call - Cover
1
Review
1
Rating
5.00
∅-Bewertung
Typ: Single/EP
Genre(s): Metal Thrash Metal


Amixor33 Avatar
04.12.2013 16:39

Die Sinsheimer um Silent Overdrive dürften wieder deutlich weniger Menschen kennen und auch bei mir ist es reiner Zufall, dass die kurze EP mit einer Spielzeit von gerade mal 25 Minuten den Weg zu mir fand. Ein typischer Fall von Beifang beim Abgrasen von ganzen Sammlungen für wenig Geld. Sonderlich ansprechend wirken sie rein optisch auf dem ersten Blick nämlich nicht. Ob ehrliches Understatement oder nicht, die Musik wird es zeigen…

„Reality Bites“ so der erste sozialkritische Titel welcher mit anschwellenden Gitarren aus den Startlöchern gekrochen kommt. Zusammen mit den Drums gewinnt er schön an Fahrt bis die Vocals einsetzen und sich eine Mixtur diverser Stilrichtungen abbildet. Neben der überwiegend thrashischen Schlagseite funkelt da hin und wieder ein klein wenig Hardcore durch den Refrain. Das Lied ist recht melodiös gehalten, griffig und direkt und erfüllt seinen Soll ohne aber gleich Häuser abzureißen. 6,5 Punkte

Vielleicht wird es ja mit dem „Wake Up Call“ besser und man legt noch eine Schippe drauf? Der direkte Einstieg lässt dies auf jeden Fall vermuten, die Geschwindigkeit wird leicht angezogen ohne allerdings Schallmauern zu durchbrechen. Man findet sich im flotten Midtempo wieder und spielt munter so vor sich hin. Der Refrain ist etwas ruhiger gehalten und hie und da wird auch versucht dem Ganzen stimmlich etwas Variabilität zu geben. Richtig clean wird dabei nichts, höchstens in Nuancen „klarer“ beziehungsweise „tiefer“ gegrowlt oder geshoutet. Der Gesang ist insgesamt leicht rau, was nicht schlecht aber auch nicht sonderlich hervorstechend ist. Aber immerhin wird hier ein wenig versucht zumindest ein weiteres Spektrum zu erzeugen. Das gelingt nicht ganz, aber beim zweiten Song hat man noch Geduld. 6,5 Punkte

„My Decision“ werde ich nach diesem Hörgang sicherlich auch treffen müssen, im speziellen fällt mir hier aber schon nicht sonderlich viel anderes mehr ein. Auch dieser Song ist fraglos flott nach vorne gespielt und besitzt seinen Groove, ließe sich live sicherlich hervorragend spielen und zum mitbangen animieren; aber ich käme nie auf die Idee zu sagen – „Hey, ich höre mir jetzt mal My Decision an weil…?“ - weil es dafür weder Gründe für und wieder gäbe. Nicht schlecht, aber beliebig. 6 Punkte

Es scheint mir fast, als wäre die Tracklist meiner Meinung angepasst? „Ready To Fall“ schimpft sich der nächste Song und selbiges passiert auch mit dem Hörgenuss. Das Lied ist nicht schlechter als die vorherigen und könnte auch beliebig in der Tracklist verschoben werden, aber so mittig auf der EP platziert erwarte ich langsam irgendwie einen Knackpunkt oder einen Schuss Abwechslung. Die paar Sirenen in der Mitte reichen da bei weitem nicht aus. Klar ein netter Gimmick, passend auch zu Cover und Stimmung, musikalisch trägt dies aber kaum etwas bei. So sind meine Liedbewertungen auch immer auf das Gesamtalbum zu beziehen, der aktuellen Entwicklung und Stimmung. Wichtig ist es nämlich nicht nur gute Songs zu schreiben, sondern sie auch zu platzieren um sie ihre Wirkung entfalten zu lassen – denn auch dort kann man einiges schief machen. Wenn ebenbürtige Lieder gefühlt wahllos verteilt sind, beziehungsweise sie sich nicht gegenseitig zu stützen oder zu ergänzen wissen, oder aber auch ihre Verteilung sowieso egal ist – wird es immer wieder Lieder geben, welche dafür im Vergleich mehr leiden als die Anfangsstücke, denen noch eine Euphorie oder Unbefangenheit gegenüber steht. Das ist auch hier so ziemlich der einzige Grund, warum es diesmal nur noch 5,5 Punkte sind.

Drei Songs stehen noch aus, „Never Safe“ ist die nächste Chance noch was zu retten – denn selbiges ist man vor meinem Urteil nie. Die kurze und potentiell prägnante Gitarrenmelodie weckt zarte Hoffnungen, aber das dann startende Geschrubbel erzählt mir nicht mehr oder weniger als die Songs davor. Nahezu null Variation in Geschwindigkeit oder Gesang und auch wenn es sich nicht anhört, als hätte ich dies Lied gerade schon gehört, hört sich aber auch nichts wirklich neu an. 5 Punkte

Wieder ein unfreiwillig schön für sich selbstsprechender Titel: „Need To Be“. Ja es needed wirklich dringend. Ich gebe jetzt schon mal 5 Punkte, tiefer kann ich unmöglich gehen, denn die Musik ist wirklich nicht schlecht, noch sind die Songs an und für sich langweilig. Aber auch auf einer kurzen EP kann man doch nicht permanent gleich klingen?! Gibt es da keine Ambitionen oder dergleichen?
Weil mir sonst nichts Besseres einfällt: ich bin froh, dass die Lyrics nicht so deutlich gesungen oder betont sind. Diese sind zwar nicht vordergründig wertungsrelevant, da müssten schon gröbere Böcke geschossen werden – aber was alle sieben Stücke gemein haben, außer dem gleich klingenden Tenor, (was konzeptionell gut, musikalisch bedingt gut ist) sind diese Reimzwänge. Und sauber und/oder schön ist das nicht immer. Zum Glück gesanglich schön umfahren, denn das hätte man durchaus noch betonen können – aber dies wäre in meinen Augen ein Desaster gewesen. Diese Zwischennotiz und Meinung sei erlaubt.

So Schlussspurt: „Babylon Nation“ ist der letzte und kürzeste Track. Der hat zwar nicht wirklich einen großartigen Nachhall, aber es wird gefühlt deutlich melodiöser geshoutet und auch das wirklich kurze Gitarrensolo wird mal besser ins Rampenlicht gestellt. Warum nicht gleich so? Aber bevor man sich zu sehr freut ist der letzte Klang auch schon ausgefaded. Ob das ein Appetizer für zukünftige Veröffentlichungen sein soll? Fraglich ob dies Absicht gewesen sein soll, zumal mir der Sinn nicht ersichtlich ist – direkt am Ende aufblitzen zu lassen, sich eventuell doch noch ein wenig ändern zu können. Wie auch immer: 5,5 Punkte.


Cover:

Es ist ja wirklich nicht detailarm noch eine schlechte Idee ein Art Schattenzeichnung auf das Cover zu werfen, ich finde es nur leider extrem öde und nicht ansprechend. Würde ich durch eine beliebige Kiste unbekannter CDs wühlen, würde ich diese CD niemals anfassen, mir nicht mal die Mühe machen nach Details auf der Zeichnung zu suchen. Die CD selber sieht besser aus, ebenso die Booklet Gestaltung – aber so weit würde ich gar nicht erst kommen. Die Rückseite wirkt auf mich wie eine beliebige Hardcore Band, nein die Außeneindrücke sind echt sehr bescheiden.




Fazit:

Schwer zu fällen und vor allem schade. Technisch gibt sich die Band wirklich keine Blöße, auch der Sound ist ordentlich produziert und klar. Das stimmt soweit alles und auch musikalisch gefällt die Band mit ihrem modernen Thrash Metal der Einflüsse von Death Metal und Hardcore vorzuweisen hat, aber sie setzt absolut Null Akzente. Ich würde nicht mal behaupten, dass sie wie eine Allerweltsband klingt – aber sie sticht in keiner Weise hervor, steht paradoxer Weise sogar in ihrem eigenen Schatten. Ich habe nicht das Gefühl etwas Belangloses gehört zu haben, aber etwas Gesichtsloses an was ich mich aus dem Stehgreif nicht wirklich erinnern kann. Es ist und bleibt lediglich nett und die Bezeichnung „Durchschnitt“ kommt mir selbst wie eine Höchststrafe vor da doch mehr möglich wäre, aber für mehr reicht es so leider nicht. Wer Gurd und Konsarten mag, könnte mal vorsichtig vorbei schauen – lange dauert es ja sowieso nicht.


Erschienen inkl. Details und Bildern auf: http://etalusicore.blogspot.de/2013/12/silent-overdrive-wake-up-call-2009.html

Punkte: 5 / 10


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