Straftanz Forward Ever (2008) - ein Review von DarkForrest

Straftanz: Forward Ever - Cover
1
Review
1
Rating
8.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Dark Wave/Gothic EBM, Industrial


DarkForrest Avatar
28.05.2017 11:15

“Forward Ever” ist das erste von 2 Alben des Industrial-Projektes Straftanz, nachdem sie vorher mit den Singles “Straftanz” und “Tanzt Kaputt, Was Euch Kaputt Macht” ziemliche Überraschungserfolge feiern konnten. Bis heute sind das wohl auch mit die Songs, mit denen man Straftanz heute verbindet. Wenn man sich aber mal so ein ganzes Album gibt, merkt man schnell, dass das “Proletariat des Industrial” eine ziemlich große Bandbreite an Genres zu bieten hat. Gerade “Forward Ever” hat ein paar nette verträumte Darkwave Nummern am Start, die ich dem Projekt so nicht zugetraut hätte.
Los geht es mit dem “Gassenhauer” “Tanzt Kaputt, Was Euch Kaputt Macht”. Tja, was soll ich dazu sagen: Prollig, tanzbar, macht gute Laune, sehr klassischer Straftanz Song und ein guter Einstieg, um in Fahrt zu kommen. “Out Of Time” ist dagegen ziemlich abwechslungsreich, wenn man nett ist. Überladen und sperrig, wenn man nicht so nett ist. Ich kann das Ding nichtmal klar einem Gerne zuordnen. Industrial? Darkwave? Gothic? Deutsche Härte? Wir hören ziemlich harte Beats, den Sänger “Lack - Leder” rufen, zahlreiche Samples, dann wieder einen sehr ruhigen Refrain, hmm… Für sich genommen klingt das alles gar nicht so übel, aber manches beisst sich hier wirklich. Insgesamt aber noch gut hörbar.

“Finale Vollendung” ist mir trotz wirklich treibender Beats und Unterstützung von Config.Sys zu “Speziell”. Ich wüsste jetzt noch nichtmal wie ich das ganze beschreiben sollte, geht so in die Noise-Richtung. Hat mich als jemand, der mit dem Genre eh schon nicht viel anfangen kann, ziemlich kalt gelassen. Dagegen ist “Praise The Panic” mit Mille Petrozza ein absolutes Highlight für mich. Obwohl ich mit Metal deutlich mehr anfangen kann und ich auch Kreator absolut knorke finde, fallen mir viele Möglichkeiten ein, wie diese Mischung aus Straftanz-Darkwave und Metal-Anleihen mit Milles Vocals in die Hose gehen könnte. Aber alle Beteiligten ziehen das Ding konsequent und souverän durch und holen hier wirklich das beste aus beiden Genres raus.

“Burn Down Heaven” (schon wieder mit Guest Vocals, diesmal Myk Jung). fährt dann wieder eher die klassische Straftanz-Darkwave Schiene, macht auch ganz okay Laune, wikt aber neben mehreren Songs, die in eine ähnliche Richtung gehen (Vor allem das tolle “Doubt”) etwas unspektakulär. “Die Säge” ist als etwas stranger Filler für knapp 1 ½ Minuten okay, mehr aber auch nicht, bevor es dann mit “Gummimann” wieder ordentlich tanzbar zur Sache geht. Vom ganzen Thema und dem Video aus dem die Samples stammen (warum habe ich das überhaupt nachgegooglet) her ziemlich WTF, aber da das Teil einfach nur Spaß macht: Why not?

“Doubt” ist dann eine wunderbar verträumte darkwave Nummer, bei der alles passt. Erinnert ein bisschen an “Forward Ever” aus dem späteren “Mainstream! Sellout! Overground!” Album. Von den 6.25 Minuten wird hier von Beginn bis zum schönen Ausklang keine Sekunde verschwendet und ich bin mal wieder überrascht, was Straftanz neben ihren Party Songs alles zu bieten haben. “Industrieschnee (Ode An Die Heimat)” ist wahrscheinlich etwas lustiger, wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt, aber das Konzept und die Atmosphäre von Kohle, Industrie und Maloche kommt bei mir trotzdem an.

Richtig geil finde ich dann noch “DZE”, welches das Video “Bundeswehr Motherfucker” (falls das keiner mehr kennt - einfach mal googlen). Klingt bescheuert, ich finde das Ergebnis aber großartig. “Blood In Blood Out” lässt nochmal die etwas langsameren Töne sprechen. Geht im Vergleich zur “Tanz Kaputt Was Euch Kaputt Macht”, wo es mehr hervorgestochen ist, ein bisschen unter, tut aber auch niemandem weh. Zum Schluss darf natürlich “Straftanz” nicht fehlen und natürlich könnte man damit auch heute noch Stimmung auf der Tanzfläche machen, auch wenn für mich beim “Straftanz Ost” Remix von Agonoize mittlerweile mehr abgeht.

Und wie finde ich “Forward Ever” jetzt? Auf jeden Fall absolut solide. Es macht über die 12 Songs Spaß mit ein paar Höhen und Tiefen ohne je wirklich scheiße zu klingen und hat dabei die gleichen Vor- und Nachteile, wie der Nachfolger. Durch den sehr heterogenen Stil ist für jeden was dabei und Abwechslung garantiert, gleichzeitig kommt es dadurch natürlich auch vor, dass nicht jedes Genre immer in den eigenen persönlichen Geschmack fällt. Auf “Forward Ever” ist das etwas weniger stark ausgeprägt. Hier gibt es noch etwas weniger polarisierende Songs wie etwa “Die Neue F-Klasse” oder “Biftek De Licorn”, die man wirklich mögen muss. Dafür aber mehr”Filler”, die nie wirklich nerven, aber eben auch wenig hervorstechen. Am meisten vom Hocker gerissen haben mich “Praise The Panic”, “DZE” und “Doubt”. Im Endergebnis ist das weder besser noch schlechter als “Mainstream! Sellout! Overground!” und mir daher auch 8 Punkte wert.

Punkte: 8 / 10