Buried Alive (2006) - ein Review von Leodoom

Sentenced: Buried Alive - Cover
1
Review
4
Ratings
8.12
∅-Bewertung
Typ: Live
Genre(s): Metal Gothic Metal
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Leodoom Avatar
12.10.2011 03:06

Was für eine grauenhafte Art und Weise abzutreten - und das für eine so grandiose Band!
"Buried Alive", das sollte die letzte reguläre Veröffentlichung der legendären Sentenced werden. Eine Live-DCD mit ganzen 27 Songs, die so ziemlich das gesamte Schaffen der Band umfasst, aufgenommen beim Abschiedsgig in Finnland.
Liest sich super. Auf dem Papier.

Leider kann ich mir dieses Doppelalbum nicht am Stück anhören. Genau genommen nichtmal in mehreren Stücken. Das Problem liegt nicht in der Songauswahl, nicht in der Instrumentalfraktion und auch nicht an der Produktion. Was hier alles zerstört ist leider genau das, was Sentenced zu einer so großartigen Band werden ließ: Der Gesang.
Hat die Band (und vor allem Ville) DAS abgesegnet? Haben die sich angehört, was die Plattenfirma da in die Regale stellen ließ? Haben es denn die ganzen Reviewer, die in den Magazinen Noten im oberen Drittel vergeben, alle überhört?
Ville singt nicht. Er quält sich durch die Songs, quäkt schief und krumm rum und verhunzt ein Lied nach dem anderen. Besonders schön zu hören, da der Gesang zum einen viel zu Laut abgemischt wurde, zum anderen anscheinend überhaupt nicht nachbearbeitet. Normalweise finde ich roh belassene Aufnahmen ja sehr sympathisch, aber in diesem Fall ist es grauenhaft. Stellenweise ist das irgendwo noch am Rande des Erträglichen, wie zum Beispiel die erste Strophe des Bombensongs "Ever-Frost" - doch wenn es zum Refrain geht beginnt das Desaster; Hier wird ein Ton schief gesungen, da ein Melodiebogen vollständig verschluckt und wieder wo anders bricht einfach die Stimme ein. Ein Trauerspiel, dass sich durchs ganze Album zieht.
Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Fan von Ville. Ich habe Sentenced live gesehen, auf dem Wacken 2005. Ich habe Ville erst vor kurzem auf dem Bloodstock Festival mit seiner aktuellen Band Poisonblack gesehen. Ich weiß, er KANN singen - auch live. Ich gebe ihm nichtmal die Schuld für das was da von CD kommt - vielleicht hatte er einen schlechten Tag und/oder war betrunken. Und natürlich müssen starke Emotionen reingespielt haben, immerhin war es doch der letzte Gig seiner Band.
Ganz im Gegenteil: Man merkt ihm zu jeder Zeit an dass er genau weiß dass das der letzte Sentenced-Gig seines Lebens ist. Er gibt ALLES.

Aber dass derartiges nicht im Studio nachgearbeitet wird (und bevor ich hier ins Kreuzfeuer gerate, macht euch nichts vor - so gut wie JEDES Livealbum wird im Studio ausgebessert), halte ich für Dilletantismus und einen mehr als unwürdigen Abschluss für eine der besten Bands der Rockgeschichte.

Wer meinen Worten nicht glaubt, sollte sich selbst überzeugen und mal reinhören; vielleicht findet ja der eine oder andere von euch wirklich Gefallen an diesem Album. Vielleicht empfindet jemand diesen rohen, ungeschliffenen "Gesang" ja als sympathisch, mir ist das zu viel des Guten. Sollte ich jedoch je jemandem die Musik von Sentenced näher bringen wollen, kriegt dieser eines der Studioalben (am besten "The Cold White Light", "Frozen" oder "The Funeral Album") oder ein selbsterstelltes Mixtape. Wenn jemand zuerst diese Liveversionen hört, läuft er Gefahr, diese Band allzuschnell abzuschreiben und damit ein paar grandiose Alben zu verpassen - und ich könnte es niemandem verübeln!

KEINE Kaufempfehlung, solange euch eure Ohren etwas wert sind!

Punkte: 2.5 / 10


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