Zombie Attack (1986) - ein Review von Lord

Tankard: Zombie Attack - Cover
3
Reviews
24
Ratings
8.60
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Thrash Metal
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Lord Avatar
07.09.2010 16:20

Obwohl Tankard in einem Atemzug mit Sodom, Kreator oder Destruction genannt werden sollten, waren sie stets anders als ihre deutschen Artgenossen, welche die Führung des deutschen Thrash Metal für sich in Anspruch nahmen.
Das hat diverse Gründe; erstens waren sie an der Vinylfront einen Tick später am Start als die Kollegen, zweitens klingt ihr Debutalbum um einiges besser als die meisten Debüts genannter Bands - sowohl soundtechnisch als auch kompositorisch - das gilt besonders für Sodom, aber auch für Kreators "Endless pain". Und drittens; die Band hatte NIE auf den alten Kniff zurück gegriffen, sich Kreuze umzuhängen und den Deibel zu würdigen - nein, Tankard gingen immer humorvoll zur Sache! Das war für jene Zeit sehr mutig, weil damals ja jede Band die andere in Sachen Krassheit und oft auch Geschmacklosigkeit übertreffen wollte - nicht umsonst enstand 1985/86 definitiv der Death Metal und Slayer fechteten mit Bands wie Kreator, die mit "Pleasure to kill" rumkamen den Geschwindigkeits-Wettbewerb aus...
Tankard schien dies alles nicht zu beeindrucken; zwar spielten sie auch verdammt schnell, jedoch verzichteten sie auf den Metal-Horror wie er sonst fast überall präsentiert wurde. Sowohl textlich als auch beim Coverartwork oder Promofotos; die Band wirkt (vielleicht ähnlich wie Anthrax) witzig und nimmt sich selber nicht so grausam ernst. Dies brachte ihnen weltweit zwar nie den Status und die Aufmerksamkeit wie genannte Kollegen - Sodom, Kreator & Destruction - doch es macht sie eigenständig, interessant, mutig und vorallem kumpelig sympathisch!

Gegründet wurde die Band bereits 1982 in Frankfurt/Hessen und legte los - nach einigen Demos erschien ihr Debütalbum "Zombie attack" 1986 bei Noise, einem Label, dass neben Steamhammer in Deutschland/Schweiz viele frühe Hartwurst-Bands signte!

Klar; das Material auf der LP ist technisch nicht gerade hochstehend und an vielen Stellen durchschnittlich - Songs wie "Acid death" oder auch "Chains" sind ein bisschen sehr gewöhnlich. Allerdings gewinnen auch diese Tracks durch die für jene Zeit fette, krachende Produktion viel Substanz - geil, denn dadurch werden die Highlights des Albums zu richtigen Thrash-Granaten; "Zombie attack", "Alcohol", "(Empty) Tankard" oder "Poison" wirken wie eine gut angebrachte Bud Spencer-Kopfnuss und hauen mächtig druckvoll auf die Glocke - besonders "Poison" geht voll auf die 10! Auch das minim an Megadeth' "Rattlehead" erinnernde "Screamin' victims" ist gut gemacht - wenn auch da der Refrain etwas einfallslos erscheint!

Gerre (Andreas Geremia) singt nicht wie andere Kollegen in entweder tiefer Grunzstimme, kehligen Lauten oder hohen Screams - nein, der Typ schreit sich fast die Seele aus dem Leib und das ist einfach geil - bis heute hat er daran nicht viel verändert. Die Band ist absolut authentisch, auch wenn sich natürlich mit den Jahren auch bei Tankard einiges änderte; so wurde auf dem Debüt musikalisch noch etwas "ernsthafter" zur Sache gegangen (wenn auch weniger "viruos" als später), Songs wie die Tankard-Hymne "Space beer" sucht man vergeblich auf "Zombie attack". Dass man aber auch schon damals in diese "Alcoholic Metal" Schiene fuhr, zeigen die Tracks "Alcohol" und "(Empty) Tankard" - das ist einfach Thrash-Fun-Metal! Oder eben Beer-Metal.

Etwas negativ wurde der Band immer angehaftet, dass ihr Manager Buffo für das Rock Hard arbeitete und man der Band somit eine gewisse Vetternwirtschaft andichtete. Lächerlich, denn ihre Alben waren gut genug als dass jemand sich Artikel aus den Fingern saugen musste um die Band an den Mann zu bringen. Neider und Kleingeister gibt es leider aber immer...

"Zombie attack" ist nicht das beste Tankard-Album und sicher nicht die beste Thrashmetal Scheibe allgemein - nein, weiss Gott nicht. Wie erwähnt ist viel Material eher durchschnittlich und simpel, dennoch voller Energie und Wucht; der Hunger dieser jungen Combo kommt deutlich rüber und so wirkt die Scheibe zwar irgendwie unschuldig und naiv, aber auch äusserst charmant und macht halt vorallem eine Menge Spass! Zudem waren Tankard mit oft zitierten Kollegen die ersten Deutschen des Thrashs, somit hat dieses Debüt seine 8 Punkte sicher verdient!

Punkte: 8 / 10


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