Ein Glück, Daß Es Dich Gibt (1984) - ein Review von kasi

Roger Whittaker: Ein Glück, Daß Es Dich Gibt - Cover
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Review
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9.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Schlager


13.09.2014 21:42

„Ein Glück, dass es Dich gibt“, welches sich im Nachhinein als das erfolgreichste Album von Roger Whittaker (RW) in Deutschland erweisen sollte, erschien im Februar oder März 1984. Neben der Langspielplatte und MusiCassette wurde dieses Album auch parallel als Compact Disc veröffentlicht und ist somit das erste Album von RW, das es als CD zu kaufen gab.

Der Veröffentlichung dieses Albums vorausgegangen war im Januar 1984 die Single „Abschied ist ein scharfes Schwert“ – eine wahre Edelschnulze, welche sich innerhalb kurzer Zeit zum Superhit entwickelte, die Zeit überdauerte und auch heute noch als Kultschlager gilt. Der Titel stieg am 27.02.1984 in die Single-Charts (damals noch Top 75) ein, wo er sich insgesamt 21 Wochen halten konnte. Als höchste Notierung erreichte „Abschied ist ein scharfes Schwert“ sogar Platz 9, was für einen klassischen deutschen Schlager im Jahr 1984 sehr ungewöhnlich und somit eine echte Sensation war. Am 31.03.1984 präsentierte RW seinen Erfolgshit in der ZDF-Hitparade, konnte sich aber nicht unter den ersten Dreien platzieren, was dem Erfolg des Titels aber keinen Abbruch tat. Somit erwies sich die Entscheidung, „Abschied ist ein scharfes Schwert“ als erste Single aus dem Album „Ein Glück, dass es Dich gibt“ auszukoppeln, als Volltreffer.

Mitten in der Erfolgswelle von „Abschied ist ein scharfes Schwert“ kam das vorliegende Album auf den Markt. „Ein Glück, dass es Dich gibt“ ist auch noch 30 Jahre nach der Veröffentlichung sowohl musikalisch als auch textlich ein sehr abwechslungsreiches Werk, das sich vom durchschnittlichen Schlager-Einheitsbrei deutlich abhebt. Neben – für die damalige Zeit - modernen und eingängigen Schlagern („Von Dover nach Calais“, „Augen wie Sterne“, „Charlie Mahón“, „Der Himmel über mir“) gibt es auf dem Album auch anspruchsvolle Balladen mit textlichem Tiefsinn („Sein Truck fährt weiter“, „Himmel vorhanden – Engel gesucht“, „Flasche und Glas“) und seichte Schnulzen („Eloisa“, „Abschied ist ein scharfes Schwert“) zu hören. Die Mischung ist m.E. sehr gut gelungen, beim Hören kommt keine Langeweile auf.

„Abschied ist ein scharfes Schwert“ und „Eloisa“ sind Evergreens, die ich schon ewig kenne und immer wieder aufs Neue gerne höre.

Hervorheben möchte ich den Titel „Charlie Mahón“, der mir auf Grund der sehr eingängigen Melodie, des treibenden Rhythmus‘ und der E-Gitarre besonders gut gefällt.

Besonders hervorheben möchte ich den Abschlusssong des Albums, „Der Himmel über mir“. Hierbei handelt es sich um einen Ohrwurm allererster Güteklasse, an dem meiner Einschätzung nach ein toller Single-Hit verloren gegangen ist. Zwar wurde „Der Himmel über mir“ auf Single veröffentlicht, allerdings nur als B-Seite von „Abschied ist ein scharfes Schwert“. Meiner Meinung nach hätte „Der Himmel über mir“ auch eine hervorragende A-Seite abgegeben.

Wenig anfangen kann ich mit „Ich denk‘ oft an Mary“ (musikalisch sehr gewöhnungsbedürftig) und noch weniger mit „Hin und her und her und hin“. „Saharaheiß – Alaskakühl“ ist zwar ein netter Versuch, die humorvolle Seite von RW zur Geltung zu bringen, allerdings reißt mich dieser Song nicht gerade vom Hocker. Für mich sind diese drei Titel die einzigen Schwachpunkte auf „Ein Glück, dass es Dich gibt“.

Alle Titel des Albums, die ich jetzt nicht (sowohl positiv als auch negativ) hervorgehoben habe, sind sehr solide und gut gemacht und gefallen mir.

Auch beim Publikum kam das Album bestens an. Der Einstieg in die Album-Charts erfolgte am 02.04.1984. Das Album kletterte bis auf Platz 2 und hielt sich sage und schreibe 94 Wochen (!!!) in den Charts. Hinzu kommt, dass die Charts damals nur aus 75 Plätzen bestanden. Hätten die Charts zu der Zeit auch schon 100 Plätze gehabt, hätte sich das Album womöglich sogar noch länger gehalten. Jedenfalls ist „Ein Glück, dass es Dich gibt“ das kommerziell erfolgreichste Album, das RW in Deutschland veröffentlicht hat.

Im Folgenden werde ich auf die beiden Singles eingehen, die nach der Veröffentlichung des Albums noch ausgekoppelt wurden.

Bei der zweiten Single-Auskoppelung aus „Ein Glück, dass es Dich gibt“ setzte man auf Nummer Sicher. Die Wahl fiel auf „Eloisa“, einen klassischen Schlager mit starkem Ohrwurmcharakter. Auch diese Wahl erwies sich erneut als richtig, denn „Eloisa“ wurde ebenfalls ein großer Erfolg und zählt auch heute noch zu den größten Hits von RW. Der Einstieg in die Single-Charts erfolgte am 03.09.1984, als höchste Notierung wurde Platz 27 erreicht. In Anbetracht der Tatsache, dass „Eloisa“ erst ausgekoppelt wurde, nachdem der Titel bereits seit ca. einem halben Jahr auf dem Album erhältlich war (und somit viele potenzielle Käufer die Single möglicherweise gar nicht gekauft haben, weil sie den Song schon auf dem Album hatten), ist dies ein beachtlicher Erfolg. „Eloisa“ hielt sich insgesamt ganze 25 Wochen in den Single-Charts. Und auch in der ZDF-Hitparade klappte es diesmal: RW stellte „Eloisa“ in der Sendung vom 20.10.1984 vor und wurde hinter Nena und vor G.G. Anderson auf den zweiten Platz gewählt. „Eloisa“ ist auch für mich ein absoluter Klassiker und eines meiner ganz persönlichen Lieblingslieder.

Im April 1985 wurde noch ein weiterer Titel aus „Ein Glück, dass es Dich gibt“ als Single ausgekoppelt, der aber nicht an die Erfolge der beiden vorangegangenen Single-Titel anknüpfen konnte: „Ich denk‘ oft an Mary“. Möglicherweise wollte man mit dieser Auskoppelung RW auch mal von einer ruhigen und nachdenklichen Seite und nicht immer nur als „Schnulzenheini“ präsentieren. Jedenfalls erwies sich die Entscheidung, „Ich denk‘ oft an Mary“ als Single auszuwählen, als Fehlgriff. Kaum jemand nahm Notiz von diesem Titel, in den Charts tauchte die Single gar nicht erst auf und im Rundfunk wurde der gewöhnungsbedürftige Song ebenfalls kaum gespielt. Auf Grund des ausgebliebenen Erfolges war an einen Auftritt in der ZDF-Hitparade mit diesem Titel gar nicht erst zu denken. Bis heute kann ich mich nicht wirklich mit „Ich denk‘ oft an Mary“ anfreunden, weshalb ich auch nicht nachvollziehen kann, warum man gerade diesen Song als dritte Single ausgekoppelt hat, zumal das Album einige andere Titel zu bieten hat, die sich hervorragend als Single geeignet hätten (allen voran „Der Himmel über mir“).

Alles in allem ist „Ein Glück, dass es Dich gibt“ ein gelungenes Werk, in dem RW mehrere Facetten zur Geltung bringt und deshalb keine Langeweile aufkommen lässt. Ich kann dieses Album auf jeden Fall empfehlen. Auf Grund einiger weniger Songs, die mir nicht zusagen, kann ich mich nicht ganz zur Bestwertung durchringen. Aber 9 Punkte sind auf jeden Fall drin, und das ist doch auch nicht schlecht.

Punkte: 9 / 10


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