My Cold Embrace Hausgeist (2008) - ein Review von walzenstein

My Cold Embrace: Hausgeist - Cover
1
Review
2
Ratings
8.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal Death Metal


walzenstein Avatar
05.04.2018 13:31

Zugegeben; MY COLD EMBRACE waren mir vom Namen her ein Begriff. Aber gehört hatte ich sie bis heute noch nicht; jedenfalls nicht bewusst.
Als ich “Hausgeist” in den Player legte, verdrehte ich erstmal die Augen. Der Opener “Bloodwritten” ist ein sehr moderner Death Metal-Track, der stark an die schwedischen Kollegen angelehnt ist. Die Vocals ähneln denen einer Metalcore-Combo. Ein Gähnen wurde mir von den Hessen entlockt, mehr jedoch nicht. Der zweite Song “More Or Less” beginnt mit einem Riff a la alte NAPALM DEATH, bevor die Kasseler wieder in die modernen Gefilde zurückkehren. Doch halt: nach knapp 20 Sekunden beginnt Drummer Dennis Dörfler zu blasten, was das Zeug hält und leitet somit die Wende ein.

“The Isolated Society” wird hingeknüppelt, wie nix Gutes. Begleitet von Leads und Sänger Dennis Hirth zeigt, dass er auch ordentlich grunzen kann. Fast schon groovy kommt der Titeltrack “Hausgeister” anfangs rüber. Eingängige Riffs, kraftvolles Drumming, die Breaks auf den Punkt gebracht und reichlich Tempowechsel, gespickt mit Filmsamples.
Mein Highlight des Albums ist allerdings das deutschsprachige “Das Grüne führt ins Schwarze”. Ein Track, der im Midtempo anfängt, bevor das Highspeeddrumming beginnt und Dennis den Text in einer Geschwindigkeit runterkeift, dass einem schwindelig wird. Einfach nur ein Eindruck von perfekt arrangiertem Songwriting. Klasse! Eine Art Hymne in instrumentaler Form und Kneipenatmosphäre kommt dann mit “My Surf Embrace” zum Schluss. Das könnte man eventuell mit einer Mixtur aus DIE SPUTNIKS und FEELING B vergleichen. Auf jeden Fall Death Metal-untypisch und genial.

Schrieb ich schon vom Schluss dieses Tonträgers? Nee Leute, Schluss ist erst, wenn MY COLD EMBRACE es sagen. Hier folgen nämlich noch vier Videos als Multimedia-Bonus.

Nun, wäre mir nur der erste Track von den Hessen zu Ohren gekommen, hätte ich wohl abgewinkt, aber das gesamte Album ist so dermaßen abwechslungsreich, musikalisch perfekt umgesetzt, dass man sich ernsthaft die Frage stellen muss, weshalb die Hessen noch keinen Plattendeal haben. Muss man sich doch manchmal die Grütze von irgendwelchen Major-Labels reinziehen. Da ist eine Band wie MY COLD EMBRACE doch echt mal was Feines und der Plattenvertrag dürfte nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Punkte: 8.5 / 10