Nihil Novi Sub Sole Jupiter Temple (2010) - ein Review von walzenstein

Nihil Novi Sub Sole: Jupiter Temple - Cover
1
Review
1
Rating
8.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Dark Wave/Gothic Industrial, Ambient


walzenstein Avatar
05.04.2018 14:43

‘Nicht Neues unter der Sonne’. Latein heißt das: NIHIL NOVI SUB SOLE und ist das neue Projekt von Marko Kehren aus Holland, der einigen von DEINONYCHS, den Bushido-Inspiranten DARK SANCTUARY oder BETHLEHEM bekannt sein dürfte. Doch diesmal macht er etwas ganz anderes. Zu hören ist eine Mischung aus Ambient, Neofolk und Industrial, die mit reichlich Samples ausgestattet ist, die mit dem Thema Krieg und Terror zu tun haben.

Ein ängstliches Weinen einer Frau unter militärisch anmutenden Drums, begleitet von Trauerchören und Glockengeläute reicht aus, um auszudrücken, was man bei “To Enslave & Destroy” empfinden sollte.
Bei “Avventimento Traumatico” werden Ausschnitte einer Rede von Benito Mussolini gesamplet, untermalt von Klängen a la DEAD CAN DANCE oder AND ALSO THE TREES. Ein böses Stück Zeitgeschichte in mahnender Musik, die anklagen soll.
Apropos Anklagen. Geschichtsträchtige Aufnahmen aus Gerichtsverhandlungen finden bei NIHIL NOVI SUB SOLE des Öfteren Verwendung und vermitteln so die Grausamkeit der Menschheit. Und immer passend die Musik. Nachdenklich wirkt sie; nachdenklich macht sie. Teils schon martialisch, teilweise majestätisch erhaben, als Verurteilung derer, die der Menschheit so viel Unheil brachten und bringen.

Wer Ambient, wie z.B. VOND mag, der sollte von NIHIL NOVI SUB SOLE allerdings die Finger lassen, denn Marco Kehren ist vielseitiger. Besonders die Industrialelemente kommen bei ihm nicht zu kurz und so wirkt alles intensiver, kurzweiliger und aussagekräftiger.
Die Produktion ist kraftvoll und lässt Aufnahmen von Zeitzeugen, die ein Konzentrationslager überlebt hatten, unter unheilvoller Musik mitfühlen. So bei “Obedience To None”. Der Songaufbau ist immer passend.

Wer bei NIHIL NOVI SUB SOLE allerdings Propaganda vermutet, der liegt vollkommen falsch. Marco Kehren will (und schafft es auch) hier lediglich eine Stimmung festhalten, die das Grauen darstellt.

Punkte: 8 / 10