Pharao Anthology 2006-1986 (2007) - ein Review von walzenstein

Pharao: Anthology 2006-1986 - Cover
1
Review
1
Rating
8.00
∅-Bew.
Typ: Compilation/Best-Of
Genre(s): Rock Hardrock


walzenstein Avatar
06.04.2018 07:46

Ach, was waren das doch Zeiten. Jugendradio DT64 „Tendenz Hard Bis Heavy“. Den Finger stets am Aufnahmeknopf und ja nichts verpassen. Neben den internationalen Szenegrößen, hatte man dort aber auch geachtet, dass die Zonenbands nicht zu kurz kamen. Und da gab es wahrhaftig gute Bands. Ich erinnere mich da gerne an die Jungs von MCB, BIEST, HARDHOLZ, COBRA, FORMEL 1, ROCHUS oder auch PHARAO, deren Doppel-CD mir hier gerade vorliegt.

„Anthology 2006-1986“ gibt einen umfassenden Überblick über das gesamte Schaffen der Berliner Metalband. Während auf dem einen Silberling Songs enthalten sind, die hinter dem antifaschistischen Schutzwall entstanden, sind auf der anderen Scheibe die Songs, die nach der Wende geschrieben wurden. Darunter auch drei neue Stücke. Achtzehn Titel mit einer Laufzeit von über 73 Minuten bieten PHARAO dem Hörer an. Und das Angebot sollte man ruhig annehmen. Melodien, die sich im Kopf festsetzen („Seven Seas“, „Liar“), tolle Balladen („Every Night & Day“, „Wind Of Fate“) und vor allem die Vocals von Jacky Lee, die sich sehr zum Vorteil entwickelt haben. Vom puren Heavy Metal haben sich PHARAO weitestgehend verabschiedet. Eher klingen sie manchmal wie MR. BIG und Co., und das meine ich nicht abwertend. Im Gegenteil; PHARAO’s Musik ist facettenreich, klug arrangiert und mitreißend. Und das kommt von mir, wo ich doch eher auf Gegrunze und Blastbeats stehe. Ja, PHARAO können auch heute noch überzeugen und stellen mit den neueren Songs klar, dass sie nicht umsonst zur DDR-Metal-Elite gehörten. Die zweite CD ist dann auch ein Stück (N)Ostalgie. „Bad Boys Of Rock’n Roll“ macht den Anfang und das in bester Heavy Metal Manier. Ein Uptempo-Stück mit coolem Refrain. Genau, wie das folgende „Cry Of Crusader“. Überhaupt ist diese Scheibe ein feiner Querschnitt und weckt so manche Erinnerungen. Besonders bei den Live-Mitschnitten von „Metal Baby“ und „Geboren im Feuer“. Und überhaupt…, wenn man die früheren Songs, mit den neueren vergleicht, dann wird man feststellen, wie nervig doch früher die Stimme von Jacky Lee war und wie er sich gemausert hat. Schiefe Töne aus seinem Munde en masse (zumindest bei den Livesongs). Aber mal davon abgesehen; man kann die Klasse PHARAO’s in allen 32 (!!) Liedern erkennen. Diese Doppel-CD ist nicht nur was für Ex-DDR-Metaller und Heavy Metal-Puristen, sondern vor allem für Fans, die auf melodiöse Gitarren und geile Arrangements stehen. So, und ich warte jetzt auf die Scheiben von MCB, BIEST, ROCHUS, HARDHOLZ, DEFCON und ROSA ROCK!

Punkte: 8 / 10