Tammaray

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Tammaray
Registriert seit: 03.01.2013

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Bewertungen: 160 Reviews: 72
Genres: Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music

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Bewertungsverteilung von Tammaray
0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5 5.5 6 6.5 7 7.5 8 8.5 9 9.5 10
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6.0: 21.212121212121% (7x)

6.5: 15.151515151515% (5x)

7.0: 33.333333333333% (11x)

7.5: 45.454545454545% (15x)

8.0: 93.939393939394% (31x)

8.5: 36.363636363636% (12x)

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Die letzten Bewertungen
8.0 für Deep Sun: Erbe Der Welt, Das (2019) (08.06.2019 16:34)
9.0 für MaYaN: Dhyana (2018) (01.05.2019 18:18)
7.0 für Burning Witches: Hexenhammer (2018) (01.03.2019 13:05)
10.0 für Kissin' Dynamite: Ecstasy (2018) (13.07.2018 20:01)
Insgesamt 160 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

08.06.2019 16:34 - Deep Sun: Erbe Der Welt, Das (2019)

8.0 / 10
Mit «Das Erbe der Welt» präsentiert die Schweizer Symphonic-Kombo Deep Sun bereits ihr drittes Studioalbum. Existieren tun sie jedoch schon eine ganze Weile länger, ihre Anfänge gehen bis ins Jahr 2005 zurück. Damit reiht sich die Band in die Riege der zweiten Generation von Symphonic-Bands ein, denen man zu weiten Teilen den Nightwish-Einfluss anhört. Das ist auch bei Deep Sun nicht anders, jedoch mischen sie das Ganze mit einer kräftigen Portion Powermetal, was stellenweise entfernt an Delain erinnert (z.B. «Vertigo») und das Songwriting Songwriting schlichtweg grossartig macht. Die gezielt gesetzten Science-Fiction-Elemente (z.B. bei «Insurrection Of Technology», «Worship The Warship») sorgen obendrauf für eine Harmonie mit den Lyrics. Das Thema «Mensch und Maschine» scheint bei diesem Album Konzept zu sein, auch wenn sich musikalisch jedes Lied unabhängig von den anderen geniessen lässt. Was die einzelnen Lieder betrifft, gibt die Band bereits mit dem Opener «Relentless Resistance» einen klaren Tarif durch: Eingängige, schnelle Melodien, geführt von ausgeklügelten Riffs und einem tighten Drumgewitter. Grosse Mitgröhl-Refrains (z.B. «Heroes») gibt es als Sahnehäubchen obendrauf. Hier liegt eindeutig die Stärke der Band, was aber nicht heisst, dass es an Abwechslung mangelt. Wie bei einem Film werden immer wieder erzählerische Elemente in Form von Soundeffekten oder Soli eingeflochten. Für Atempausen sorgen die Powerballade «Das Erbe der Welt» sowie der Longtrack «The Raven» am Ende. Letzterer wirkt stellenweise etwas sperrig und irgendwie vermisse ich den roten Faden darin. Man muss fairerweise dazu sagen, dass Longtracks zu einer der ambitioniertesten musikalischen Erzählformen gehören und selbst den Meistern ihres Genres nicht immer gelingen. Mir scheint, hier fehlt vor allem die Übung. Ein weiterer Kritikpunkt, den ich leider anbringen muss, ist der Gesang. Die Stimme ist sehr soft und leicht und könnte gut etwas mehr Power vertragen. Ab und zu ein Sprung in die tieferen Register würde dem Sound sicherlich eine noch gewaltigere Wirkung verleihen. Fazit: Wer schnellen, eingängigen Symphonic-Powermetal mit sanfter Stimme mag, ist hier goldrichtig. An einigen wenigen Stellen gibt es für die Band noch Verbesserungspotenzial, aber das selbst bei den besten so ist, sehen wir mal darüber hinweg und haben einfach Spass an der Musik. Denn der ist mit diesem Album garantiert. [Review lesen]

01.03.2019 13:05 - Burning Witches: Hexenhammer (2018)

7.0 / 10
Sachliches: Die Aargauerinnen von Burning Witches legen mit «Hexenhammer» ihr zweites Album vor. Die fünf Powerfrauen haben sie sich dem klassischen Heavy Metal verschrieben. Wer immer noch denkt, Frauen könnten das doch nicht, erhält hiermit den Gegenbeweis. Fans von Judas Priest, Grave Digger, Running Wild und Co. kommen hier voll auf ihre Kosten. Tight gespielt, eine kraftvolle Stimme, schreiende Soli: Alles vorhanden. Es ist heavy, es ist schnell, es ist roh. Ganz so wie es dem Genre entspricht. Wer die «guten alten Zeiten» vermisst und der Meinung ist, alles, was nach 1989 erschienen ist, wäre Mist, sollte hier unbedingt reinhören. Meine persönliche Meinung: Als ich zum ersten Mal von Burning Witches hörte, spielten sie irgendwo als Vorband. Ich hörte die Sängerin, bevor ich etwas sah, und dachte: Yay, eine Doro-Kopie! Man muss ihr zugutehalten, dass sie sich weit davon weg entwickelt hat. Zweifellos hat sie eine Powerstimme, die den Zuhörer mit viel Begeisterung durch die Geschichte führt. Das Thema ist ein altbekanntes. Wie der Titel (der übrigens dem gleichnamigen Regelbuch der Inquisition entnommen ist) schon sagt, handelt es vom mittelalterlichen Hexenwahn. Diesen haben die Ladies ausführlich recherchiert und sich alle Mühe gegeben, das Ganze schön und interessant zu verpacken. Man liest jetzt wahrscheinlich einen leicht negativen Unterton heraus. Ich werde nicht drumherum reden: Die Musik liefert wenig Abwechslung und wirkt auf mich insgesamt etwas eintönig. Für mich klingen die Riffs zu ähnlich, die Soli ebenso und ich kann kaum eine Melodie von der anderen unterscheiden. Der Sound ist roh, direkt und vollkommen schnörkellos. Das ist wohl auch der Witz der Sache. Wer es am liebsten unkompliziert und Hauptsache schnell und heavy hat, wird hier bestens bedient. Ich selbst neige inzwischen mehr zu progressiverem Sound und es mag vor allem daran liegen, dass ich der Scheibe nicht sonderlich viel abgewinnen kann. Auch kenne ich durch meine Vorlieben nun so einige Konzeptalben und finde die reichlichen Effekte – Frauengeschrei, Feuergeknister, Foltergeräusche und ähnliches – ein wenig plump. Ein bisschen mehr Feingefühl bei der Platzierung und Menge dieser Untermalungen hätte dem Album sicherlich nicht geschadet. Was Burning Witches aber sehr gut können, wie sie auch hier wieder einmal beweisen, sind Partykracher und Mitgröhlnummern. Ein Gassenhauer jagt den nächsten, jeder schneller und druckvoller als der andere, wie es scheint, und das von Anfang bis Ende, inklusive Ballade. Auch hier gilt wieder: Man mag das oder halt nicht. Pluspunkte gibt es ausserdem für die satte Produktion. Normalerweise gebe ich am Ende einer Rezension eine Empfehlung ab, doch bei «Hexenhammer» fällt es mir schwer. In diesem Sinne: Gehet hin und bildet euer Urteil selbst. [Review lesen]

13.07.2018 20:01 - Kissin' Dynamite: Ecstasy (2018)

10.0 / 10
Seit einer Woche ist sie da, die neue Kissin‘ Dynamite. Wenn man sich das Video zur ersten Single „I’ve Got The Fire“ anschaut, fällt etwas besonders auf: Das Outfit von Sänger (und Produzent) Hannes Braun. Wenn man dann die Promofotos zu dem Album anschaut, sieht man es auch den anderen Bandmitgliedern an. Es wirkt wie ein Statement. Schluss mit Kostümparty, jetzt machen wir ernst. Natürlich machen die fünf Jungs aus Schwaben das schon seit einer ganzen Weile, aber dieser neueste Streich stellt selbst die beeindruckende Entwicklung der Band über die letzten Jahre in Schatten. „Ecstasy“ hört sich an, als hätten sie das Beste ihrer vergangenen Alben genommen, in einen riesigien, brodelnden Hexenkessel geworfen, gut durchgegart und verfeinert. Heavy und leicht halten sich die Balance, die stilistische Spannweite ist sicher. So bekommt man neben frechem Sleaze-Rock („One More Time“, „Somebody’s Gotta Do It“) auch atemberaubende Ballden („Still Around“) sowie fetzigen Powermetal („Superhuman“). Darüber hinaus versteht die Band es wieder einmal, Grenzen zu sprengen, ohne ins Lächerliche abzurutschen. So kommt das zynische „Placebo“ in einem etwas technoiden Gewand daher, der Nachfolger „Breaking The Silence“ spielt gekonnt mit den Erwartungen des Zuhörers und die zweite Single „You’re Not Alone“ erscheint durchaus radiotauglich, ohne blutleer zu werden dabei. Besonders zu erwähnen ist an dieser Stelle das atemberaubende „Heart Of Stone“, womit sich die Band gefährlich nahe an symphonische Gefilde heran wagt – und auch diesen Sprung scheinbar mühelos schafft. Und wenn wir schon dabei sind, ist noch der Titelsong zusammen mit Exit Edens Anna Brunner zu erwähnen, der sich sehr gut als Mitsinghymne eignet. Klingt gut, denkt ihr? Es wird noch besser. Ebenfalls fällt nämlich die abgespeckte Produktion auf. Wo in der Vergangenheit schon hier und da der eine oder andere Effekt zu viel zelebriert wurde (siehe „Megalomania“), werden sie auf diesem Album gezielt eingesetzt. Natürlichkeit statt Pomp scheint die Devise, was man insbesondere am Gesang sehr gut hören kann, jedoch auch die Gitarren und alles andere kommen mit einem angenehmen Klang daher. Was jetzt nicht heisst, dass es an Spektakel und Intensität mangeln würde. Irgendwie sind Kissin‘ Dynamite einfach Meister in diesem Seiltanz zwischen wenig und viel, heavy und leicht, abgedreht und klassisch. Wer die Band noch nicht kennt: Jetzt ist der richtige Moment, um anzufangen. Wer sie kennt und irgendwo auf dem Weg ausgestiegen ist: Jetzt ist der Moment, um zurückzukommen. Ihr werdet nicht enttäuscht, versprochen. (Das weiss ich so genau, weil ich selbst erst Anfang Jahr zurückgekommen bin ;-)). Für alle, die sie immer noch nicht mögen: Hört euch das Ding an und lasst uns dann noch einmal darüber reden. [Review lesen]

12.03.2018 12:22 - Visions Of Atlantis: Deep & The Dark, The (2018)

8.0 / 10
Auf einen Satz heruntergebrochen, kann man zum neuen Visions Of Atlantis-Album "The Deep And The Dark" sagen: Die Scheibe ist gut, aber nicht heavy. Diese Zusammenfassung ist hier zugleich Prämisse. Die neue Konstellation mit dem vor einigen Jahren etablierten Sängerduo Clementine Delauney und Siegfried Samer sowie den anderen Mitgliedern aus der ebenso jungen Live-Konstellation scheint der Band gut zu tun. Gründungsmitglied und Drummer Thomas Caser garantiert dabei, dass der typische Stil der Band erhalten bleibt. Einige Leute, wie ich, dachten ja immer, Visions Of Atlantis wäre sozusagen die weisse Flagge des Symphonic-Metal, eine Wischiwaschi-Band, die der Genre-Bezeichnung nicht würdig ist. Entsprechend habe ich erst angefangen, die Band zu verfolgen, als Clementine Delauney zu ihnen stiess. Ich muss zugeben, dass ich mehr Clementine-Fan als VOA-Fan bin. Doch insbesondere unter diesen Umständen hat mich „The Deep And The Dark“ positiv überrascht. Den Zuhörer erwarten hier zehn starke, eingängige Hymnen mit reichlich Ohrwurm-Potenzial. Visions Of Atlantis zeigen alle ihre Facetten, angetrieben von dem kreativen Einfluss der beiden Sänger (hauptsächlich Lyrics) und einer neuen Banddynamik. Bereits der Opener und Titelsong kommt mit einem Druck, der für die Band untypisch erscheint, und wirkt wie ein regelrechter Schlachtruf: Wir sind stärker als zuvor, so hört gefälligst zu! Und das lohnt sich. Das Album bietet eine gute Mischung aus etwas dunkleren Klängen wie z.B: „Ritual Night“ oder „Dead Reckoning“ und fröhlicheren Mitsingnummern wie „Return To Lemuria“ und „Book Of Nature“. Zwei überaus emotionale Balladen, „The Last Home“ und „Prayer To The Lost“, die fast gänzlich aus der Feder von Delauney stammen, runden das Ganze ab. Gemeinsam haben die Songs alle Clementine Delauneys kraftvollen, einnehmenden Gesang. Die Sängerin hat sich ausprobiert, experimentiert und so teilweise ungewohnte Klänge aus ihrer Stimme herausgeholt. Ihr Kollege Siegfried Samer gibt sein Bestes, geht dahinter leider jedoch oft ein wenig unter. Nichtsdestoweniger muss man ihm seine Rolle zugestehen, ohne die das Konzept wohl nur halb so effektvoll wäre. Überdies hat er den Lyrics eine schöne, runde Sprache verpasst. Der Rest ist wie gewohnt: Viele helle Instrumente, ausschweifende Begleitmelodien und abenteuerliche Tempowechsel. Symphonic halt, wobei ich das „Metal“ dahinter nach wie vor etwas vermisse. Das Album hätte mehr Druck und Intensität vertragen können, aber diese beiden Dinge waren noch nie die Stärke der Band, deshalb sei ihnen verziehen. Immerhin haben die Österreicher mit der französischen Sängerin hier eine solide Scheibe abgeliefert, die zum Mitjodeln und Tanzen (ja, richtig, Tanzen!) einlädt. Fazit: Wem Nightwish und Co. nicht heavy genug ist, sollte auch von dieser Visions Of Atlantis-Scheibe die Finger lassen. Wer aber das Symphonic-Genre mag, wird sicherlich positiv überrascht werden. Wer die Band schon immer oder irgendwann im Verlauf der Zeit einmal mochte, sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen. [Review lesen]

12.03.2018 12:17 - Kissin' Dynamite: Generation Goodbye (2016)

9.0 / 10
Es ist faszinierend und zugleich ein wenig erstaunlich, wie sich Kissin' Dynamite in ihrer inzwischen rund 10-jährigen Bandgeschichte entwickelt haben. Von ein wenig generischem, aber sehr gutem Heavy Metal, zu überladenem Sleaze über irgendetwas Undefinierbares dazwischen zu dem hier. Mit diesem fünften Studioalbum scheint die Band ihren Stil gefunden zu haben. Man bekommt hier eine ausgewogene Mischung aus klassischem Heavy Metal und sleazigem Hardrock. Die Tracklist ist kontrastreich gewählt, so ist der Opener und Titelsong "Generation Goodbye" ein gutes Beispiel für ersteres, die darauf folgende Single-Auskopplung "Hashtag Your Life" für Letzteres. Die beiden Songs geben zugleich den Ton für das ganze Album an, wenn auch der aufmerksame Zuhörer noch so einige Facetten mehr entdecken kann. Seien es gesangliche Experimente wie etwa die Mitgrölnummer "She Came She Saw", Ausflüge in ungewohntere Bahnen wie "Highlight Zone" oder etwa ein Sprung direkt zurück in die 80er-Jahre mit "Under Friendly Fire". Wie es so ist mit guten Rock-Alben, dürfen aber natürlich die Balladen nicht fehlen. Da wäre zum einen das leicht kitschige, aber emotionale "If Clocks Were Running Backwards" und das dramatische "Masterpiece" (ein Duet mit Beyond The Black-Sängerin Jennifer Haben, man ignoriere sie einfach, denn man hört sie sowieso kaum). Diese Klammerbemerkung mag gemein klingen, doch sie führt mich zum nächsten Punkt. Im Gegensatz zu der guten Jennifer scheint Sänger Hannes Braun einfach immer nur besser zu werden. Er besitzt eine kraftvolle, angenehme Stimme, gepaart mit der ihm eigenen nie versiegenden Power. Man unterschätzt ihn gerne mal, insbesondere, wenn man die älteren Alben der Band kennt (namentlich die ersten drei). Leute, irret nicht, was der Mann hier bietet, kann gut und gerne auf eine Stufe mit manch älteren Semestern gestellt werden und manch andere Frontsirene des Sleaze-Genres kann sich hier einiges abschauen. Erwähnt seien auch die bis anhin eher ungewohnt ausgiebigen Gitarrensoli und die tighte Spielweise der ganzen Band, die aber auf Live-Aufnahmen noch besser zur Geltung kommen. Alles in allem haben wir hier ein fein geschliffenes Handwerkstück vor uns, das so authentisch und einheitlich klingt wie kein anderes Kissin' Dynamite-Album davor. Offensichtlich hat es der Band gut getan, die Produktion selbst in die Hand zu nehmen. Die Tage teeniehafter Partyhits, übermässig gestylter Haare und abstruser Ausflüge in "Fremdgenres" (wie etwa auf dem Vorgänger-Album) scheinen gezählt und das Rock'n'Roll-Herz freut es. Diese Scheibe enthält nicht nur starke Statements in den Lyrics (Anspieltipp: "Flying Colours"), sie ist ein Statement. Die niedlichen Jungs, die sich vor über zehn Jahren vorgenommen haben, die Welt zu erobern, sind erwachsen geworden und schreien das selbstbewusst in die Welt hinaus. Fazit: Diese Scheibe macht süchtig und das gilt bestimmt nicht nur für mich, als jemand, der die Band gefunden, verloren, wieder gefunden und wieder verloren und wieder gefunden hat. Man darf sie auch neuentdecken, immer noch lieb haben oder einfach für die Gute-Laune-Garantie zwischendurch ins Regal stellen. Lohnen tut es sich auf jeden Fall. [Review lesen]

18.02.2018 12:16 - Vuur: In This Moment We Are Free - Cities (2017)

9.0 / 10
Anneke Van Giersbergen ist eine Institution im Metal. Sie gehörte zu den Vorreiterinnen des melodiösen, powerlastigen, weiblichen Gesangsstils, der heute typisch für das Symphonic-Metal-Genre ist. Mit "The Gathering" hat sie in den 90er-Jahren die Verbindung von Gothic und Metal mitgeprägt, ist ein immer wiederkehrender Teil des Prog-Projektes Ayreon, das sowohl bei Kritikern als auch Fans grosses Ansehen geniesst. Zwischendurch führte sie diverse Soloprojekte. Wenn Anneke also sagt: "Schaut her, ich habe eine neue Band", bietet es sich an, hinzuschauen. Und vor allem hinzuhören. Denn es kommt mit Sicherheit etwas Interessantes dabei heraus. Weitere Mitglieder der Band sind Ed Warby am Schlagzeug, Ferry Duijsens und Jord Otto an den Gitarren sowie Johan van Stratum am Bass. Allesamt erfahrene, gestandene Musiker und wie es scheint, allesamt genau die richtigen Leute für Anneke und dieses Wahnsinnsprojekt. Wahnsinn, weil es progressiv, kompliziert und anspruchsvoll ist. Man muss sich schon darauf einlassen. Es braucht ein wenig Geduld. Doch wer das möchte, wird die Band genau dafür lieben. Hier haben wir es nicht mit schnellebigen Partyhits zu tun, die nach ein paar Wochen wieder vergessen sind. Diese Musik ist etwas, das man voll und ganz in sich aufnimmt, geniesst und wirken lässt. Aber nun zum Inhalt. Der Opener "My Champion - Berlin" ist noch recht leicht zugänglich. Wir haben es mit einem schnellen Song mit prägnantem Mitsing-Refrain zu tun. Annekes dunkle Stimme dringt durch alle Gehirnwindungen und gibt bereits jetzt den Ton für das ganze Album an. Diesen dunklen Touch behält auch "Time - Rotterdam" bei. Eine kraftvolle Prognummer mit einem eingängigen Riff, die das Tempo etwas drosselt. Wenn man sich die Zeit dafür nimmt, mausert sich dieser Song zu einem der besten des Albums. Es folgt "Martyr And The Saint - Beirut", das wiederum das zu Beginn vorgelegte Tempo aufnimmt und mit einem treibenden Hintergrundsound auftrumpft. Mit "The Fire - San Francisco" kommt eine Art heimlicher Titeltrack zum Zug, denn der Bandname Vuur ist das niederländische Wort für "Feuer". Dieser Song wirkt wie ein Backflash zu Annekes "The Gathering"-Zeit mit seinem deutlichen Gothic-Einschlag und dem heulenden Geistergesang. Die Fast-Hälfte des Albums markiert die entspannte Ballade "Freedom - Rio", mit der wir etwas zur Ruhe kommen und das bisher Gehörte sacken lassen können. Doch das ist nicht die Stärke der Band, wie das wiederum schnelle, heavy "Days Go By - London" beweist. Dieses Lied besticht auf ganzer Linie, insbesondere mit dem gesanglich anspruchsvollen Refrain. Weiter geht es ebenfalls druckvoll mit dem stampfenden "Sail Away - Santiago", das etwas simpler daherkommt als der Rest und somit wiederum für ein wenig Lockerung sorgt. Mit "Valley Of Diamonds - Mexico City" haut uns die Band ein intensives Abenteuer mit häufigen Tempowechseln um die Ohren, das tief ins Herz trifft. Hierauf folgt "Your Glorious Light Will Shine - Helsinki", das ebenfalls mit viel Druck und starken Riffs begeistert. Letztere hebeln auch den etwas sperrigen Aufbau des Songs aus. Kurz vor dem Ende geben die Niederländer mit dem ausschweifenden, brutalen "Save Me - Istanbul" noch einmal alles und zeigen sich von ihrer bisher wildesten Seite. Die Nummer ist so progressiv wie schwer und ungelogen als Spätzünder zu bezeichnen. Zum Schluss können wir mit der Ballade "Reunite - Paris" doch noch etwas aufatmen. Anneke zeigt beim Gesang viel Gefühl, während er sich im Verlauf immer mehr steigert und schliesslich in einem mitreissenden Ende seinen Höhepunkt findet. Nicht zu vergessen sind die einfallsreichen Melodieführungen, die atemberaubenden Solos und die starken Texte. All dies verleiht diesem Album neben Annekes Gesang eine besondere Intensität und viel Tiefgang. Das i-Pünktchen legt die Band mit einem textlichen Clou drauf: Die Titelzeile wird in jedem Song aufgegriffen, jeweils mit passenden Variationen. Diese Musik hat es in sich, und wer sich darauf einlässt, stellt eine wahre Perle in seine Sammlung. Es ist unmöglich, diese Band in eine Kategorie zu quetschen. "In This Moment We Are Free - Cities" ist ein Album, das ebenso facettenreich ist wie Rädelsführerin Anneke van Giersbergen selbst. Es besticht mit vielen Details und Feinheiten, bleibt dabei jedoch durchgehend heavy und schnörkellos. [Review lesen]

14.02.2018 19:36 - Kissin' Dynamite: Generation Goodbye - Dynamite Nights (2017)

8.0 / 10
Um es gleich vorwegzunehmen: Diese Anschaffung lohnt sich. Mittlerweile auch schon wieder ein gutes Jahr alt, war eine solche Veröffentlichung nach 11 Jahren Bandexistenz und 5 Alben nicht nur angebracht, sondern auch fällig. Ich selbst habe in den letzten Jahren nur noch mit einem Auge auf die Band geschielt, was vermutlich auch daran lag, dass meine Sleaze-Phase nicht von Dauer geblieben ist. Auch habe ich ein wenig den Enthusiasmus verloren, weil mir das 2012er-Album "Money, Sex And Power" damals etwas aufgesetzt und gekünstelt vorkam. Es scheint, als hätte die Band mittlerweile einen definitiven Stil gefunden. Wer sie selbst erlebt hat, kann bestätigen, dass die Band auf der Bühne eine enorme Energie ausstrahlt, die einen unweigerlich mitreisst. Die meisten ihrer Songs sind schnell und actionreich, also nichts, was man mit Kopfhörern auf dem Sofa geniesst. Die Aufnahmen auf dieser DVD mit Doppel-CD nehmen diese Energie auf. Das Konzert vom 3. Dezember 2016 in Stuttgart wurde professionell und passend in Szene gesetzt. Der Spruch "Das Auge hört mit" ist ja bei allen Bands des Genres zutreffend, hier jedoch wie bei kaum einer anderen. Bei den fünf jungen Schwaben muss eben alles stimmen, auch das Drumherum. Wer nun aber denkt, dass man hier musikalisch nichts Anständiges geboten bekäme, irrt sich gewaltig. Hier geht etwas, von den eingängigen, druckvollen Gitarren, über das menschliche Uhrwerk am Schlagzeug bis hin zum kernigen Gesang. Die Setlist zieht einen gut durchdachten Querschnitt durch die ganze Diskographie. Begonnen wird mit den Krachern "Generation Goodbye" und "Money, Sex And Power" (jeweils die Titeltracks der gleichnamigen Alben). Das Publikum wird damit von Anfang an von den Füssen gerissen und man spürt selbst vor dem Bildschirm noch, wie die Temperatur in der Halle ansteigt. Wie bereits erwähnt, bieten Kissin' Dynamite auch optisch etwas. Nicht nur ihr genregetreues Äusseres besticht, sondern auch die enthusiastische Performance aller Musiker. Hier wird mit Herzblut gespielt und nicht an Showeinlagen gespart. Die Jungs sind ein eingespieltes Team, was angesichts der Tatsache, dass sie schon seit ihrer Schulzeit zusammen Musik machen, auch kein Wunder ist. Einzig die Backgroundsängerinnen, die gelegentlich auf der Bühne erscheinen, wirken etwas verloren,um nicht zu sagen, deplatziert. Doch weiter im Set; Schlag auf Schlag haut die Band uns eine kraftvolle Hymne nach der anderen um die Ohren. Der Titel "Highlight Zone" sagt, was Programm ist. Einen ersten ruhigen Moment bietet die Superschnulze "If Clocks Were Running Backwards", dicht gefolgt von weiteren Krachern, wie z.B. "She's A Killer" und "She Came She Saw". Die zweite Hälfte geht es etwas ruhiger an, mit einem atemberaubenden Balladendoppel aus "Only The Good Die Young" und "Out In The Rain". Sänger Hannes bringt hier Abwechslung in die Show und zeigt sein Können am Piano. Wo anderen allmählich die Luft ausgehen und der Ausklang beginnen würde, begnügen sich Kissin' Dynamite mit diesen wenigen langsamen Liedern und sorgen sogleich wieder für Action. Das Energiebündel an der Front lässt sich nicht lange bitten, aufzustehen und auch die anderen Bandmitglieder finden ihre Freude daran, wieder Vollgas geben. Wer sie mag, bekommt noch ein Duett mit Beyond The Black-Sängerin Jennifer Haben ("Masterpiece") gratis obendrauf, wer sie nicht mag, konzentriert sich einfach auf Hannes' Stimme und den Augenschmaus an den Gitarren. ;-) Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss und so lässt uns die Band fast bis zum Ende auf den Publikumsliebling "Six Feet Under" warten, gekrönt von einer bodenständigen Umsetzung von "I Will Be King" und einem letzten Feuerwerk aus "Flying Colours". Fazit: Diese CD/DVD ist eine Bereicherung für jede Sammlung. Wer kernigen, bodenständigen Heavy Metal, Sleaze oder klassischen Hardrock mag, kommt hier vollständig auf seine Kosten. Alle anderen werden mit Gewissheit bekehrt. Wer die Band ausserdem noch nicht selbst live erlebt hat, sollte dies bei Gelegenheit nachholen. [Review lesen]

25.11.2017 17:05 - Serenity: Lionheart (2017)

10.0 / 10
Kraftvoller, epischer Powermetal mit Symphonic-Einschlag; Dafür stehen Serenity. Das neue Album "Lionheart" hatte keinen leichten Stand: Auf der einen Seite sehnsüchtig erwartet nach dem grossen Erfolg des Vorgängers "Codex Atlanticus", der jedoch zugleich von unzähligen Rezensenten und Fans in der Luft zerrissen wurde. Lahm und einfallslos lautete der nicht ganz unberechtigte Vorwurf und die Österreicher spannten alle auf die Folter: Was würde "Lionheart" bringen? Den endgültigen Schritt in den glattgebügelten Einheitsbrei der Massentauglichkeit? Oder war "Codex Atlanticus" nur eine schlechte Phase und es liess sich auf Besserung hoffen? Glücklicherweise ist Letzteres eingetreten. "Lionheart" fesselt ab dem ersten Moment mit Tempo, eingängigen Riffs, starken Melodien und atmosphärischen Elementen wie Kampfgeschrei, die Stimme eines Priesters, wohlklingende Burgfrauen und so weiter. Serenity wie wir sie kennen und lieben. Back to the roots scheint das Motto, Power wird gross geschrieben und der Kitsch, der dem Vorgänger so abträglich war, hält sich in Grenzen. Es wird Wert auf Direktheit gelegt und nicht gezaudert. Klotzen statt Kleckern heisst es hier. In diesem Sinne ist es wahrscheinlich das bislang lauteste und schnellste Serenity-Album. Sänger Georg Neuhauser zeigt sein ganzes Können (wie z.B. bei "Hero" oder "My Fantasy"), doch auch Fabio D'Amore bekommt seine gesanglichen Glanzmomente (in "Stand And Fight") und überhaupt ist die Band in Bestform. Das Album hält, was die beiden Singles "Lionheart" und "United" versprochen haben. Die Gitarren unterstreichen mit viel Druck und Kraft die Lyrics, die sich titelgetreu um König Richard I und den dritten Kreuzzung drehen. Ritter, Könige, grosse Schlachten - da darf natürlich die Liebe nicht fehlen! Tatsächlich hat die Band es geschafft, in diesem actionreichen Feuerwerk noch zwei wunderbare, romantische Balladen unterzubringen ("Heaven", "The Final Crusade"). Hier kommen nun auch die Frauen zum Zug (Katja Moslehner, ex-Faun und Federica Lanna, Sleeping Romance), die jedoch beide nur noch als reine Gastsängerinnen fungieren. Auch wenn ich Frauen im Metal sehr befürworte, scheint dies der Band doch gutzutun. Wer nun aber denkt, die ganze Sache mündet in einem Revival der Anfangstage, irrt sich. Im Gegenteil: Die Band scheint endlich ihren Stil gefunden haben. Die rohe Unbeholfenheit von "Words Untold And Dreams Unlived" ist verschwunden, jedoch wirken sie auch nicht mehr, als versuchten sie, Kamelot zu kopieren. "Lionheart" liegt irgendwo dazwischen und damit verdient sich die Band endgültig einen Platz im Symphonic/Powermetal-Olymp. Wer diese beiden Genres mag, hat gute Chancen, mit diesem Album und Serenity eine neue Perle für die Sammlung zu finden. [Review lesen]

19.08.2017 16:11 - Exit Eden: Rhapsodies In Black (2017)

8.0 / 10
Exit Eden sind vier mehr oder weniger etablierte Metal-Sängerinnen, die Covers von Popsongs machen. Klingt merkwürdig? Fand ich auch, als ich davon gelesen habe. Die vier Sängerinnen sind allesamt über jeden Zweifel erhaben. Da wäre die amerikanische Amanda Sommerville, die sich, neben diversen Gastauftritten bei bekannten Genrebands, bei Avantasia und Trillium einen Namen gemacht hat. Unterstützt wird sie von der französischen Clémentine Delauney, die sich sowohl während ihrer Zeit mit Serenity sowie auch als neue Stimme von Visions Of Atlantis und mit diversen weiteren Projekten grosse Beliebtheit im Symponic-Metal-Genre erkämpft hat. Die brasilianische Marina La Torraca, ebenfalls aktiv bei Avantasia und ihrer eigenen Band Phantom Elite und die deutsche, bisher weniger bekannte Anna Brunner ergänzen das Ensemble perfekt. Vier Sängerinnen, vier Nationen, etwas, dass ihr noch nie zuvor gehört habt. So zumindest die Werbe-Botschaft vom Label Napalm Records. Doch was ist dran? Als die Tracklist bekanntgegeben wurde, war ich erst einmal skeptisch. Warum sollten diese grossartigen Frauen es nötig haben, Songs von Poppüppchen wie Rihanna, Adele oder Lady Gaga zu covern? Die Idee ist verrückt und für viele war es unvorstellbar. So auch für mich. Dann habe ich das erste Video gesehen. Das Original: Rihannas "Unfaithful", ein Lied, das ich gehasst habe, seit es 2006 erschienen war. Und unsere Metal-Frauen machen daraus ein bombastisches, genial gesungenes Symphonic-Metal-Feuerwerk. Dasselbe tun sie mit allen anderen Songs auf dem Album. Sei es das mäjestätische "Question Of Time" (Original: Depeche Mode), das dramatische "Impossible" (Original: Shontelle) oder der cineastische Bondsong "Skyfall" (Original: Adele). Oh, "Skyfall", endlich singt das jemand anständig! Was hatte ich Freude, als ich das hörte! Auch den balladigen Liedern wie "Incomplete" (Original: Backstreet Boys) oder "Heaven" (Original: Bryan Adams) geben die vier und ihr Produzent Hardy Krech einen neuen, intensiveren und vor allem interessanten Anstrich. Ich möchte mal nicht so sein, schliesslich höre ich ab und zu auch Pop. Umso erstaunlicher sind jene Songs, die bereits im Original gut waren, wie etwa das kühle, atmosphärische "Frozen" (Original: Madonna), übrigens einer meiner Lieblinge auf dem Album. Madonnas Version hatte schon Power für einen Radiosong, stellt euch das schneller und hoch zehn vor. Bei diesem Lied sowie auch "Skyfall" wurde ausserdem Epica-Fronterin Simone Simons hinzugeholt. Ja, auch das machte mich erst einmal skeptsich. Falls jemand bei Napalm befürchtete, das ganze würde sonst zu wenig Beliebtheit gewinnen, war das offensichtlich ein Irrtum und es ist trotzdem geil. Falls es darum ging, Simones hauchige Einleitungen und ihr "Power-Humming" (ihre Fähigkeit, selbst mit einem simplem "Mmmm" vollkommen kraftvoll zu klingen) für zusätzlichen Wert einzusetzen: Gelungen. Ein Song, der ebenfalls bereits vorher grossartig war, ist Jim Steinmanns Superballade "Total Eclipse Of The Heart" (Original: Bonnie Tyler & Meat Loaf), hier hauptsächlich gesungen von Sommerville mit ihrem glasklaren, punktgenauen Mezzosopran und einem Gastsänger, der selbst die eingeschworensten Raubein-Stimmen-Fanatiker von den Socken haut, nämlich At Vance's Rick Altzi. Glücklicherweise wurde an diesem Meisterwerk im Vergleich zum Original nicht allzu viel verändert, so dass man es ohne Bedenken hören kann, ohne sich die ursprüngliche Version zu verderben. Schwachpunkte sind meiner Ansicht nach lediglich der Party-Hit "Fireworks" (Original: Katy Perry), bei dem die Sängerinnen zwar mit grosser Bandbreite und tieferen Tönen beeindrucken, der jedoch insgesamt etwas Innovation vermissen lässt. Ebenso die Disconummer "Paparazzi" (Original: Lady Gaga), der zwar ein unheimlicher Touch verliehen wird, aber leider nicht unheimlich genug. Der Song mag sich auch nicht recht ins Gesamtbild einfügen. Zuletzt verabschieden Delauney und Brunner uns mit dem ursprünglichen 80er-Hit "Fade To Grey" (Original: Visage), der mit seiner Gothic-Atmosphäre und seinem kryptischen Inhalt den Vorlieben des Metal-Fans wohl am nächsten kommt. Ja, Delauney kann einem sogar die französische Sprache schmackhaft machen! Fazit: Für Fans von Symphonic-Metal und melodiösem female fronted Metal ist dieses Album ein Fest der Sinne. Wer sich im Alltag gerne Epica, Nightwish, Within Temptation oder auch Avantasia um die Ohren haut und/oder auch ab und zu mal einen Popsong geniessen kann, ist hier mit grosser Wahrscheinlichkeit richtig. Für wen das alles aber "kein richtiger Metal" ist und der sich lieber mit den wirklich schweren Jungs und Mädels aus Thrash, Death, Black und ähnlichen Genres befasst, ist es wohl eher nichts. [Review lesen]

18.06.2017 15:08 - Jorn: Life On Death Road (2017)

10.0 / 10
Als ich zum ersten Mal von Jorn Lande hörte, war ich sechzehn. Ich verdanke es einer Lauschangriff-CD aus dem RockHard-Magazin, auf der ein Song («End Of Time») aus dem damaligen Album «The Duke» drauf war. Dieses Lied war wie eine Offenbarung für mich. Noch nie zuvor hatte ich so etwas gehört. Eine kernige, solide Mischung aus Heavy Metal und klassischem Hardrock, mit einem unbändigen Drive, gekrönt von einer glasklaren und dennoch rauen Powerstimme. Nein, ich übertreibe nicht, das ist es, was Jorn für mich bedeutete. Natürlich musste ich «The Duke» sowie auch alle Folge- und alle vorherigen Alben unbedingt haben. Die vorherigen bestätigten meinen Eindruck, der direkte Nachfolger «Lonely Are The Brave» ebenso – danach ging es abwärts, zumindest vorerst. Ein schwaches Album kann schon einmal vorkommen, dachte ich. Es folgten auch wieder plusminus gute. Doch als das erste Avantasia-Album angekündigt wurde, war das nicht nur den damaligen Edguy-Fans suspekt, sondern auch mir. Man hörte es sich erst einmal an. Die meisten fanden es okay, ich fand von Anfang an, dass ein gewisser Herr Sammet nun wohl endgültig der Geldgier verfallen war. Das wäre alles egal gewesen, aber als Jorn Lande auch noch bei weiteren Avantasia-Alben mitmachte und überdies auch einige, nun ja, fragwürdige Solo-Alben auf den Markt losliess, kamen mir doch ernsthafte Zweifel. Besonders in den letzten paar Jahren drängte sich die Frage auf: Ist nun auch Jorn der Erfolgssucht verfallen? Hat er die Grossartigkeit seiner Musik an bessere Verkaufszahlen verfüttert? Mein Standardspruch war: «Ich kaufe es trotzdem, solange Jorn draufsteht.» So ging ich auch an das neue Album, «Life On Death Road», heran. Skepsis war angebracht, denn schliesslich hatte Lande dieses Mal nicht nur seine halbe, sondern gleich die ganze Band ausgetauscht und das noch mit diversen Mitgliedern von Primal Fear. Böse Zungen bezeichneten die Songs der ersten Videos schon als «Jorn mit Primal Fear als Backingband.» Lasst mich eins vorweg klarstellen: «Primal Fear» ist eine verdammt gute Backingband für Jorn! Das Album beginnt mit dem Titelsong sehr gewagt. Es ist ein Longtrack, was für Jorn sehr ungewöhnlich ist. Das soll kein falsches Bild erzeugen: Der Song ist grossartig, er geht ab wie schon lange nichts mehr und die ausführlichen Solos sind angesichts der Gesamtlänge durchaus gerechtfertigt. Tatsächlich gibt dieser Song den Ton des ganzen Albums an. Es folgt ein Feger am nächsten, nur zwischenzeitlich unterbrochen durch sanftere Klänge, wie etwa bei der Powerballade «Dreamwalker» oder dem freundlichen «The Optimist» weiter hinten. Jorn kehrt ganz zu seiner Tradition zurück. In «Hammered To The Cross (The Business)» findet sich eine Textzeile, (die ich aus rechtlichen Gründen leider nicht zitieren darf), in der der Erzähler sagt, er lasse sich vom Business nicht den Rock’n’Roll töten. Ob das autobiographisch ist oder nicht, wissen wir nicht, aber das Album klingt definitiv danach. Als hätte jemand zur Besinnung und damit zu seinem Herzblut zurückgefunden. So bietet Jorn zum Beispiel mit «I Walked Away» eine grandiose Mischung aus den Stilen von Whitesnake und Dio, zwei seiner viel genannten Einflüsse. Ja, selbst das poppige «Man Of The 80’s» besitzt diesen Drive, von dem ich weiter oben gesprochen habe und der in den letzten Jahren fehlte. Die Texte kommen, wie auch Jorns Stimme wesentlich positiver und selbstbewusster daher als auch schon. Das Album klingt, als habe Lande zu seine alte Stärke endlich wiedererlangt und erinnert zur Freude aller mehr an die frühen Werke wie etwa «Out To Every Nation», als an Party-Metal. Fazit: «Life On Death Road» ist nicht nur ein rundum gelungenes Album, sondern das wohl beste seit dem «Duke». Ein Must-Have für alle Fans des gepflegten Heavy Rock und das reinste Fest für alle Fans des Sängers. [Review lesen]

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