noiseagain


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Bewertungen: 539 Reviews: 72
Genres: Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music
Bewertungsverteilung von noiseagain
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Die letzten Bewertungen
8.5 für Rammstein: Mutter (2001) (26.11.2017 13:14)
7.5 für Subway To Sally: Foppt Den Dämon! (1996) (26.11.2017 09:29)
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8.5 für Mondo Drag: Mondo Drag (2014) (28.12.2015 22:39)
10.0 für Thomas Godoj: V'stärker Aus (2015) (28.12.2015 22:31)
9.0 für Yossi Sassi: Desert Butterflies (2014) (15.10.2015 22:00)
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Die letzten Reviews

28.12.2015 22:39 - Mondo Drag: Mondo Drag (2014)

8.5 / 10
Was für herrlicher Sound, was für ein herrliches Album! MONDO DRAG aus Oakland, Kalifornien zelebriert den psychedelischen Prog-Rock so gut, wie ich ihn seit den beiden ASTRA-Wunderwerken "The Weirding" und "The Black Chord" nicht mehr gehört habe. Ein warmer, molliger Decken-Kuschel-Sound, eine große Palette an Vintage-Effekten und Orgel-Klängen, der typische verhallte Gesang und - am wichtigsten - ein leidenschaftliches, Stimmungen erzeugendes Spielgefühl, das zeichnet MONDO DRAG aus. Die sieben Songs streuen sich dabei gekonnt in verschiedene Richtungen von riffigem Retro-Rock ('Zephyr') über orgelndem Proto-Doom-Prog ('Plummajilla'), HAWKWIND-Gedächtnis-Space-Rock ('Shifting Sounds') bis hin zu getrageneren, instrumentalen Winter-Stimmungs-Einheizern. Bei 'Pillars Of The Sky’ gewinne ich vielleicht sogar den Preis für die seltsamste Musik-Assoziation des Jahres. Doch die Akkordfolge ähnelt stark der von RAMMSTEINS 'Ohne Dich'. Mir gelingt es sogar, den Text darüber zu singen: "Ich werde in die Tannen gehen…". Mit solch zauberhafter Musik wie von MONDO DRAG wird der Waldspaziergang sicher ein noch schöneres Erlebnis. Review auf www.powermetal.de, 23.10.2015 [Review lesen]

28.12.2015 22:31 - Thomas Godoj: V'stärker Aus (2015)

10.0 / 10
Ich flieg in Dein Licht, es ist die Liebe zur Musik! Wann bekommt man schon mal eine Vorab-CD vom Künstler höchstpersönlich in die Hand gedrückt? So geschehen nach dem Konzert im schönen Münchner Backstage-Club mit den warnenden Worten, dass dieses Album aber "etwas anderes" sei, ein Akustik-Album, auf dem "viele verschiedene Stile abseits des Rock gemischt wurden". Und Thomas wünscht mir damit viel Spaß und hofft, es möge mir gefallen. Tja, allein schon diese Begebenheit zeigt, dass es im Umfeld des deutschen Rockmusikers THOMAS GODOJ sehr familiär und freundlich zugeht. Er ist ein bescheidener Musiker, der sich aufrichtig über jeden neuen Fan freut. Und "V’Stärker Aus" ist wirklich etwas ganz Besonderes! THOMAS GODOJ geht wie so oft in seiner bewegten Karriere nicht den einfachen Weg und schrammelt seine Rocksongs nach bewährtem "MTV-Unplugged"-Muster mit Akustik-Gitarre und Spar-Drums herunter um dies mit ein paar Cover-Versionen wieder aufzupeppen. Nein! THOMAS GODOJ und seine Band nehmen sich jeden Song - sorgfältig aus dem fünf Studio-Alben umfassenden Back-Katalog ausgewählt - vor und durchdenken ihn noch einmal völlig neu in Hinsicht auf seine Kern-Aussage. So wurden alle Lieder sorgfältig umarrangiert, ohne ihnen musikalisch und stilistisch Grenzen aufzuerlegen, ausser vielleicht, dass sie verstärkerfrei, also nur mit akustischen Instrumenten, aufgenommen werden mussten. Und was dabei heraus gekommen ist, ist so großartig geworden, dass ich es immer und immer wieder hören muss. Die CD startet mit meiner bisherigen GODOJ-Lieblings-Nummer 'Beste Entscheidung' vom aktuellen Album "V". Statt Power-Rock gibt es aber getragenes Tempo, Streicher, Piano und eine so warm und (ich hasse dieses Wort eigentlich, weil es DAS Modewort der Promofuzzis geworden ist) authentisch aufgenommen Stimme, dass man meint, GODOJ stehe im eigenen Musikzimmer. Diese Nummer ist für mich der perfekte Einstieg für den Streifzug nicht nur durch das vorliegende Album, sondern auch durch die mir unbekannte ältere Vergangenheit des Herrn. 'So gewollt' präsentiert sich darauf als fetzige Mixtur aus Reggae (wirklich guter Reggae, denn ich mag diesen Stil eigentlich gar nicht) und Rockabilly, die einfach Spaß macht, und 'Genau der Moment' strahlt mit seinen jazzigen Klavier-Tupfern auf einmal ein sehr urbanes, cool-gechilltes Cocktail-Party-Feeling aus (seltsame Assoziation, ich weiß). Und dann, wow, gibt es mit zwei melancholischen Balladen ('Vermisst Du nicht Irgendwas' und 'Dächer einer ganzen Stadt') zweimal Gänsepelle der Luxusklasse. Ich höre hier einen Musiker mit einem selten so wahrgenommenen Einfühlungs-Vermögen, einer Fähigkeit, den Hörer mit intelligenten und nachdenklichen Texten zum den großen und kleinen Themen, die uns alle täglich bewegen, zur erreichen und zum richtigen Zeitpunkt sogar tief zu berühren. Es ist kein Zufall, dass ich nach dem verhängnisvollesten Freitag den Dreizehnten der letzten Jahrzehnte, fast nur noch "V’Stärker Aus" gehört habe. Und was für ein unverschämt genialer Song ist denn bitte 'Niemandsland'? Live ist das ein Nackenbrecher, hier jedoch eine beswingte Jazz-Nummer mit ober-coolem Akusik-Klampfen-Solo und einem Text, der jeden Großstadt-Bewohner zumindest mal kurz ins Grübeln bringen sollte. Fast exakt dasselbe könnte ich über das bislang unveröffentlichte 'Liebe Zur Sonne' schreiben. Akustik-Gitarren, Streicher-Einsätze, ergreifender Gesang, Lyrics, alles ist vom Feinsten, ein Song für die Dauer-Repeat-Funktion. Warum habe ich eigentlich bislang noch nie den Wert von muttersprachlichen Texten erkannt oder erkennen wollen? Danke, Herr Godoj für diesen Dosenöffner für deutsche Mucke. Es haben noch nicht alle der vierzehn Songs bei mir gezündet, vielleicht weil für manche einfach noch nicht der richtige Moment da gewesen ist. Denn GODOJs Musik ist wahnsinnig persönlich und facettenreich, und hat scheinbar für jede Lebens-Situation (Aufbruch und Rückblick, Liebe und Verlust, Träumerei und Selbstzweifel,...) und darüber hinaus etwas zu bieten, da kann einem vielleicht gar nicht alles auf einmal gefallen. Die Tage könnte vielleicht bei 'Meine Welt ist es nicht' auch mal ein trister Schauer über den Rücken laufen oder Wasser in den Augen schwimmen. Dafür ist die Uptempo-Nummer 'Ein Tag im Leben eines Anderen' - ein Pladoyer dafür, hin wieder auch mal sich selbst zu hinterfragen - auch akustisch ein höchst positives, tanzbares Stück mit weiteren unauslöschlichen Hooks, die den Kopf nur schwer wieder verlassen. Somit ist "V’Stärker Aus" - auch aufgrund seiner unverfälschten Produktion - in seiner Gesamtheit ein Album, das nur eine Note zulässt. Zumal ich sicher bin, dass es mit jedem Tag weiter wachsen wird. Review auf www.powermetal.de 18.12.2015 [Review lesen]

15.10.2015 22:00 - Yossi Sassi: Desert Butterflies (2014)

9.0 / 10
Vielschichtig, abwechslungsreich, weltoffen und inspirierend. Eine ganz wunderbare Abwechslung vom musikalischen Alltag ist "Desert Butterflies" von YOSSI SASSI. Hinter diesem knuffigen Namen versteckt sich ein Gitarrenvirtuose, den man als Gründungsmitglied von ORPHANED LAND kennen könnte. Leider hat er die Band 2014 verlassen, doch veröffentlicht er jetzt sein zweites Soloalbum, das es mit jeder ORPHANED LAND-Veröffentlichung aufnehmen kann. Denn es ist ein wahrhafter Ohrenschmaus! Wer jetzt glaubt, ich würde mal wieder ein Instrumentalalbum eines Solo-Gniedlers hochjubeln, tja, der hat recht. Und dennoch liegt er komplett falsch. "Desert Butterflies" klingt nämlich ganz anderes als Alben anderer Fiedler, die bisweilen ja ganz bewusst einen spektakulären Technik-Show-Off bieten. Was übrigens geil ist! YOSSI SASSI indes macht seine Übungen ganz anders. Sein musikalisches Fundament baut er in seiner Heimat auf, und die ist der Nahe Osten. Dies schliesst ganz bewusst Israel und arabische Staaten mit ein. Und ganz nach seinem großen Lebensmotto, dass Musik die Völker zusammen bringt, komponiert er auch: vielschichtig, abwechslungsreich, weltoffen und immer mit einer inspirierenden, positiven Botschaft. Immer steht die Stimmung des einzelnen Songs im Vordergrund, Sassis zauberhaftes Gitarrenspiel veredelt die Arrangements nur. Aber was heisst hier "nur", das ist ja genau die große Kunst! So begrüsst uns 'Orient Sun' mit fernöstlichem Bombast im warmem, weichen, sonnigen Sound, garniert durch ein Gastsolo von Japan-Botschafter Marty Friedman (einer von mehr als einem Dutzend Gastmusikern auf "Desert Butterflies"). Man ist sofort drin in dieser fabulösen Scheibe. 'Fata Morgana' klingt, wie es der Name verspricht, man fühlt sich wie auf einem surrealen arabischen Markt, der die Wüstenlandschaft mit Leben füllt. Ebenso toll sind 'Neo Quest' und das betörende 'Azadi', falls man auf orientalische Harmonien steht. Hier kommt auch Sassis Eigenkreation auf dem Instrumentenmarkt, die Bouzoukitara (das ist ein Hybrid aus E-Gitarre und der griechischen Bouzouki) vermehrt zu Zuge. 'Believe' ist dann eine hübsche Orient-Popnummer, der TRISTANIA-Sängerin Mariangela Demurtas ihre Stimme leiht. Ganz gemäß dem weltübergreifenden Konzept von Sassi singt sie das Stück teilweise auf Italienisch. Die zweite Hälfte ist dann im Schnitt ein wenig abendländischer gestaltet. Der Titeltrack ist Sassis recht einenwilliger Beitrag zum momentanen Blues-Rock-Boom. Orient-Blues-Prog? Hört mal rein! 'Shedding Soul' ist eine Akusikgitarren-Nummer, 'Azul' hat funkige Anwandlungen und bei 'Cocoon' greift Herr Sassi auch mal selbst zum Mikro. Seine sanfte, tiefe Stimme sorgt hierbei für einen Schuss Melancholie und einen nachdenklichen Ausklang einer weiteren Topscheibe aus 2014. "Desert Butterflies" ist uneingeschränkt empfehlenswert für jeden, der mal gerne Musik aus anderen Kulturkreisen kennen lernen will. Also fast alle. www.powermetal.de, 23.07.2014 [Review lesen]

09.10.2015 09:41 - Kamelot: Haven (2015)

8.5 / 10
Es ist ja schier unglaublich, aber ich habe KAMELOT erst mit dem letzten Album "Silverthorn" für mich entdeckt. Dafür hat es jedoch so stark eingeschlagen, dass es bis heute Dauer-Rotierer geblieben ist und für mich zu den besten Alben der bisherigen 2010er-Jahre gehört. Behutsam habe ich mich von dort nach hinten gearbeitet und großartige Werke wie "The Black Halo" kennen gelernt. Mit dieser Aufarbeitung bin ich noch lang nicht fertig - einer seit 1995 aktiven und so produktiven Band möchte man ja alle Zeit der Welt widmen. Doch nun geht es wieder nach vorne und die Vorfreude auf "Haven" ist tatsächlich noch um einiges höher als die Freude, eine weiteres altes Werk im Briefkasten liegen zu haben. Denn die Lieder von "Silverthorn" und die wunderbare Stimme von Tommy Karevik sind mir immer noch die Liebsten in meinem Kameloversum. "Haven" macht es mir aber anfangs unerwartet schwer. Bei den ersten Durchläufen macht sich neben der Entzückung für den heiss erwarteten neuen Stoff leichte Ernüchterung breit, weil die Kompositionen einfach nicht zünden wollen. Die Scheibe gleitet an mir vorbei, vermittelt zwar ein schönes Hörgefühl, verursacht aber keine Endorphin-Flut. Doch kaum dass sich eine leichte Enttäuschung eingenistet hat, explodiert "Haven" auf einmal wie aus dem Nichts. Wie eine Blume, die auf einmal aus der Knolle schießt, sobald es warm genug ist, entfaltet sich die Musik und erzeugt Hitze beim Hörer. Und sobald dies geschieht, kann man glücklich verkünden, dass KAMELOT den auf "Silverthorn" eingeschlagenen Weg erfolgreich weiter geht. Die meisten Lieder kombinieren Ohren schmeichelnde Melodien mit detailreichen, produktionstechnisch anspruchsvollen Arrangements, die, einmal in die Hirnzellen inkorporiert, mit jedem Hören weiter wachsen. So wie es eben auf "Silverthorn" auch der Fall war: dauerhaft spannend. Auch diesmal wurde wieder eine Story verarbeitet, zu deren Details jedoch wenig in Erfahrung zu bringen ist. Es geht um die bedrohliche Lage in der heutigen Welt, metaphorisch ausgedrückt um dunkle, graue Wolken, aber auch um die Silberstreife am Horizont. "Haven" soll dem Hörer einen Hafen der Sicherheit geben und erhebend wirken. Ja, das mag etwas kitschig klingen, aber es ist haargenau der Grund, weshalb mir KAMELOT in den letzten Jahren so ungemein wichtig geworden ist. Die Musik ist immer eine Quelle zu Freude und ich bin schon etliche Male mit "Silverthorn"-Prunkstücken wie 'My Confession' oder 'Falling Like Fahrenheit' im Ohr auf Wolke-Sieben-Pulverschnee-Pisten runter gewedelt und habe Bergspitzen erklommen. Und 'Song For Jolee' ist unter meinen zehn schönsten Balladen aller Zeiten. Was sind also die Höhepunkte auf "Haven"? Die Auswahl wird tatsächlich mit jedem Durchlauf größer. 'My Therapy' hat wieder einen suchterregenden Refrain, 'Insomnia' schleicht sich ebenso schlafverhindernd ins Ohr, auch der "Spieglein, Spieglein an der Wand"-Refrain von 'Liar Liar (Wasteland Monarchy)' verdutzt nur beim ersten Hör. Dagegen kann die Ballade 'Under Grey Skies' trotz schöner Passagen und Gastsängerin Charlotte Wessels (DELAIN) ob des schunkeligen Refrains nicht ganz anstinken. Ganz im Kontrast dazu stehen ungewohnt harte, modern-riffende Passagen, bei 'Revolution' sogar mit verzerrtem Growlgesang. Hier bin ich nicht sicher, ob ich das bei KAMELOT haben will. Es macht indes wenig Sinn, nun jeden Song einzeln durchzugehen und nach nur fünfzehn lächerlichen Spins final zu beurteilen. KAMELOT ist KAMELOT ist KAMELOT und immer zwischen gut und grandios. Dies trifft auch auf "Haven" zu, und es ist wie jedes KAMELOT-Album in der Ära Khan eines mit riesigem Wachstumspotential. Punkt, fertig, aus! www.powermetal.de 19.04.2015 [Review lesen]

09.10.2015 09:39 - Year Of The Goat: Unspeakable, The (2015)

9.0 / 10
Freiheit, Ohwurm-Seeligkeit und Seventies-Flair. Hach, diese Band komponiert mir aus dem Herzen. Das Intro zum fast dreizehnminütigen Opener (mutig!) 'All He Has Read' ist zwar ein wenig langatmig, doch nachdem die Band nach knapp dreieinhalb Minuten ein zackiges Metal-Riff loslässt und mit seiner unnachahmlichen Melodik los rockt, bin ich wieder ganz Feuer und Flamme. "Angel’s Necropolis", der Vorgänger, war für mich schon ein Riesen-Album mit Songs, die mich von der kompositorischen Großartigkeit an Siebziger-Evergreens à la 'Child In Time' oder 'Stairway To Heaven' erinnerten. Sie hatten dieses herrlich warme Seventies-Feeling, eskapistische Melodien, Freiheitsgefühl, Wohlbefinden bis die Sonne am Horizont untergeht und das Abendrot langsam verglimmt. Letztens gab es ja ein paar Studien, dass Hard Rock/Metal-Musik glücklich macht, und wenn Sänger Thomas Sabbathi seine langgezogen-schmachtenden Vocals ausbreitet und die Gitarren zweistimmige IRON-MAIDEN-Gedächtnis-Leads anstimmen, steht das Wasser der Freude in den Augen. YEAR OF THE GOAT hat die Plattenfirma gewechselt und vor ein paar Monaten mit "The Key And The Gate" schon ein Lebenszeichen gegeben. Wochenlang bin ich mit dem Ohrwurm im Kopf herum gelaufen: "La chiave, la chaive è la portaaaaaa", in Endlos-Schleife, immer mit Grinsen auf dem Gesicht. Und in diese Richtung weisen auch die Schilder vieler der neuen Songs. Eingängigkeit, Ohrwurm-Seeligkeit, effektive Simplizität. Böse Menschen mögen den Vorwurf erheben, die Songs seien alle ziemlich ähnlich, was zum Teil sogar stimmt. Gute Menschen hingegen hören mitunter Parallelen zu DAVID BOWIEs unsterblichem "Ziggy Stardust" mitsamt Mars-Spinnen. Einmal auf diesen Trichter gebracht, braut sich in meinem Kopf eine der coolsten Coverversionen der Welt zusammen: YEAR OF THE GOAT muss einfach irgendwann mal 'Starman' covern, dies wird der "perfect match" sein, vielleicht ja der kommerzielle Durchbruch. Ich sollte Karriere-Berater werden. Doch zurück ins Ist und Jetzt. 'The Emma', 'The Wind', 'Black Sunlight', so heissen einige der Sommerhits 2015, die den Rockfan über die Hitze retten werden. Die ganz großen Epen indes gibt es auf "The Unspeakable" mit Ausnahme der flankierenden Songs nicht mehr, die Gänsehaut jedoch bleibt erhalten. Und niemand hindert einen daran, nach diesem Genuss die "Angel’s Necropolis" nachzulegen. Ein Prosit mit Maßkrug auf die Ziege, die drauf und dran ist, ein Alltime-Lieblingstier von mir zu werden! www.powermetal.de 18.07.2015 [Review lesen]

05.09.2015 12:26 - The Machine: Offblast! (2015)

8.0 / 10
Fast wie ein Perpetuum Mobile! Hier ist ein Beispiel, wo der Bandname wunderbar zur Musik passt: THE MACHINE. Obwohl es keinen einzigen mechanischen oder elektronischen Ton gibt. Und dennoch finden sich jede Menge Merkmale in der Spielart, die auch eine Maschine auszeichnen: Die Band hat ein Getriebe, bestehend aus einem kontinuierlich nach vorne treibenden Schlagzeug und einem Bass, der wie ein Zahnrad mit den Schlag-Beats verankert ist und für maximale Kraftübertragung sorgt. Weil sie perfekt konstruiert wurde, kann diese Maschine extrem dynamisch arbeiten, innerhalb weniger Sekunden beschleunigen, Fahrt aufnehmen und sich kraftvoll zu Höchstleistungen steigern. Doch sie zeigt auch bei niedrigen Wattzahlen, dass jede Menge potentieller Energie in ihr steckt, die sie nur allzu gerne wieder in kinetische Einergie umwandeln möchte. Sinn und Zweck einer Maschine ist es jedoch, dem Menschen bei der Ausführung einer produktiven Arbeit zu helfen, und Steuermann dieser Maschine hier ist der Mann an der Gitarre. Dieser geht mit seinem Instrument dabei deutlich über das hinaus, was man im herkömmlichen Sinne von einer Gitarre erwarten würde. Sie ist für ihn ein Vehikel zur Generierung unterschiedlichster Klänge, nur limitiert durch die (weit offenen) Grenzen des psychedelischen Rocks. Mit verschiedensten Wah-Wah-, Flanger-, Hall- und Delay-Effekten steuert er seine Maschine, die bei allen Pferdestärken hochsensitiv auf jede Form von stimulativem Gitarrenreiz reagiert. Verändert er die Lautstärke, dreht sich auch der Motor schneller und besonders Spaß macht es ihm, ihre Mechanik an ihre Leistungsgrenzen zu bewegen, was eine höchst geräuschvolle Kulisse erzeugt. Es ist eine Wonne, hier zuzuhören und zu analysieren, wie dieses System funktioniert! www.powermetal.de 17.08.2015 [Review lesen]

05.09.2015 12:24 - Dunst: Archimedes Waffen (2011)

8.0 / 10
Old-School-Prog für angenehme Schwebstunden vor dem Plattenspieler. DUNST ist eine durch Schwebteilchen verursachte Trübung der Erdatmosphäre und irgendwie ein cooler Name für eine Psychedelic-Rock-Band. Aber so dunstig klingt die Musik auf "Archimedes Waffen" gar nicht. Gut, wenn man einen Siebzigerjahre-Sound generell als verstaubt ansieht, vielleicht schon, aber de facto ist dieser Sound das Echteste und Unverfälschteste, was man als Rockband anbieten kann. Bei so einem Klang muss man nämlich spielen können, sonst klingt's nicht. Hieran habe ich bei DUNST aber keine Zweifel. DUNST aus Templin in der Uckermark klingt, als hätte man LONG DISTANCE CALLING vierzig Jahre in die Vergangenheit versetzt. "Archimedes Waffen" ist nämlich eine instrumentale Progressive-Rock-Scheibe, die sehr viel Spaß beim Zuhören macht. Die sechs langen Stücke sind nahezu über die volle Distanz spannend arrangiert. Der Psych-Anteil ist auch deutlich geringer als man aufgrund des Covers vermuten könnte, ausschweifendes Gewaber ist höchst selten, stattdessen gibt es jede Menge cool gezockter Soloparts, die aber nie im technischen Gefrickel enden. Nein, die Band spielt richtig miteinander und legt sehr viel Wert auf Dynamik,einen sehr natürlichen Klang und detailliert ausstaffierte Songsteigerungen. Die Gitarren können hier mitunter auch gehörig braten. Also fast mehr Stoner als Psych, mehr Wüste als Weltraum. Allerdings mit vielen fruchtbaren Oasen. Das sieht wohl auch die Band so, denn sie sieht sich nach eigenen Angaben durch verschiedene Obstsorten beeinflusst. Seine Bananen, Mangos und Guaven kann man hier auch vorzugsweise vor dem Plattenspieler essen, denn "Archimedes Waffen" hat schon drei Jahre auf dem Buckel, wurde aber speziell für die Vinyl-Ausgabe remastert und ist ab sofort auch via Electric Magic Records (u.a Heimat für SAMSARA BLUES EXPERIMENT) erhältlich. www.powermetal.de 03.09.2014 [Review lesen]

29.05.2015 21:50 - Cryptex: Madeleine Effect (2015)

8.0 / 10
Von Marcel Proust, seltsamen Gerüchen und Disneytieren. Man lernt ja nie aus, schon gar nicht, wenn man regelmäßig Plattenreviews schreibt. Ist es euch nicht auch schon einmal passiert, dass ihr irgendetwas riecht oder schmeckt, was eine spontane Erinnerung an ein oft weit zurückliegendes Ereignis auslöst? Diese Begebenheit wird auch als "Madeleine-Effekt "bezeichnet. Der französischen Romancier Marcel Proust hat diesen Effekt als Erster literarisch in "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" verarbeitet. Dort beschreibt er, wie der Duft von in Lindenblütentee aufgelösten Madeleines (das sind diese kleinen, muschelförmigen Küchlein) Kindheits-Assoziationen bei ihm auslöst. Ziel der deutschen Prog-Band CRYPTEX ist es nun, einen solchen Effekt bei den Hörern mit Hilfe der Musik zu triggern. Eine spannende Frage ist, so finde ich, ob dies gezielt funktionieren kann und wie man Musik arrangieren muss, um solche "Proust’schen Ereignisse" quasi auf Knopfdruck möglich zu machen. Klar, mir ging es schon öfter so, dass das Hören bestimmter Musik Erinnerungen auslöst, aber meistens passiert dies eben, weil man genau diese Musik zum damaligen Zeitpunkt auch schon gehört hat. Das ist aber kein "Madeleine-Effekt". Die Frage, um dies es hier geht, ist jedoch: Kann CRYPTEX' Musik so etwas erzeugen? Und wer sind diese Leute eigentlich? Es scheint, die Bühne sei die Welt des Vierers aus dem beschaulichen Salzgitter. Hunderte von Konzerten hat man schon gespielt, und den Prog-Fans könnte die Band z.B. schon einmal im Vorprogramm von PAIN OF SALVATION und THRESHOLD aufgefallen sein. Sogar eine Live-DVD gibt es schon (" Live At De Bosuil"). Musikalisch, so scheint es mir beim Hören von "Madeleine Effect", will man hautsächlich die wohligen, positiven Gefühle des Hörers stimulieren. Die Lieder sind allesamt hochmelodisch, angenehm klingend. Mich erinnert die Kompositionsweise ein wenig an BIGELF, jedoch abzüglich aller spaciger Spielerein. Und allzu komplex ist die Musik von CRYPTEX auch nicht. Statt Prog würde ich es eher als leicht theatralisch arrangierten Rock bezeichnen, der ganz gerne Elemente großer alter Bands aufgreift. Sowohl der folkige Einschlag von JETHRO TULL als auch der Bombast von QUEEN spielt eine Rolle. Allerdings darf man die bunte, farbenfrohe und sehr melodienfokussierte Kompositionsweise von Bandkopf Simon Moskon durchaus als eigenständig bezeichnen. Gerade seine weiche, berückende Stimme hat großes erzählerisches Potential. Aber was ist jetzt mit dem "Madeleine-Effekt"? Nun, zumindest bei mir funktioniert er nicht so richtig, wie ich es erhofft hatte. Ich hatte also keine spontanen Eingebungen oder Erinnerungen. Aber das ist nicht schlimm. Denn ich sehe durchaus Bilder. Die Musik hat des öfteren einen leichten Disney-Film-Charakter und die Chöre von 'Ribbon Tied Swing' könnten auch Dschungel-Tiere singen. Die Band musiziert mit viel Spaß in den Backen, deutlich hörber z.B. bei 'New York Foxy' oder 'Romper Stomper', welches mir jedoch fast schon zuviel Klamauk bietet. Andersherum finde ich die Band immer dann am stärksten, wenn sie ernsthafter und nachdenklicher wird, so wie im wunderschönen 'A Quarter Dozen In Ounces'. Gerade aber im Hinblick auf das hochinteressante Konzept finde ich "Madeleine Effect" insgesamt doch etwas zu zahm und zu brav, vor allem wenn die Band in der Selbsteinschätzung lebt, eine enorme stilistische Bandbreite abzudecken. Dann dürfte es meines Erachtens auch öfter mal anecken. Doch vielleicht entsteht dieser Eindruck auch nur im Vergleich mit dem ganzen durchgepfiffenen Avantgarde-Kram, der momentan sonst so in meinem Schacht rotiert. Denn doch trotz der Kritik ist "Madeleine Effect" ein feines, anmutiges (Prog-Folk-)Rock-Album geworden, und das dicke Booklet ist zudem reich und stimmungvoll bebildert. Man merkt, dass die Band etwas von Wert erschaffen möchte und dass für sie die Nachhaltigkeit noch etwas zählt. www.powermetal.de 2.05.2015 [Review lesen]

29.05.2015 21:46 - Luciferian Light Orchestra: Luciferian Light Orchestra (2014)

9.0 / 10
Blutwein, okkulte Messen und sogar Sex mit Dämonen! Nur ein Schelm könnte Schlimmes denken, wenn er liest, dass ein weiterer prominenter Musiker, der "schon immer" eine Passion für den okkulten Doom-Sound der Siebziger hatte, nun endlich die Zeit gekommen sieht, seine Version selbiger Musik zu publizieren. So macht dies nun auch THERION-Chefbiest Christofer Johnsson mit seinem LUCIFERIAN LIGHT ORCHESTRA. Da solch verwobene Musik ja auch nach einer mysteriösen Bandgeschichte verlangt, macht Johnsson ein großes Geheimnis um seine musikalischen Mitstreiter. Zwei Drummer, fünf Gitarristen, fünf Tastenmänner und insgesamt neun Sänger/-innen wirken beim LUCIFERIAN LIGHT ORCHESTRA mit, alle selbstredend ohne Namen. Zunächst fällt die äußerst schicke Verpackung auf: Im Digibook sind jede Menge geheimnisvolle Runen und Kupferstiche mit satanischen Zeichnungen abgebildet, welche die Songtitel untermalen. Der Hörer wird hier zu französischen schwarzen Messen eingeladen, wo Altarwein mit Blutgeschmack serviert wird, um ihn in die richtige Stimmung für den Geschlechtsverkehr mit Dämonen zu versetzen. Doch bevor ich nun weitere Songtitel ins Deutsche übersetze und dabei auf die Idee kommen könnte, diese okkulten Satans-Mätzchen auf eine Landkarte mit Doofnasenhausen zu stellen, höre ich lieber die Musik. Und diese trifft voll meinen Geschmack! Knarzige Doom-Riffs im alten BLACK SABBATH-Sound, dazu klarer Frauengesang, Orgeln und ein bisserl dezente Orchestrierung, das ist manchmal alles, was es braucht, um mich in Ekstase zu versetzen. Zumal es von der ersten Minute an klar wird, wessen Geistes Kind diese Musik ist. Johnsson beherrscht die Kunst, einfache und klar strukturierte Riffs und Songs zu schreiben, die so unverkennbar nach ihm - also nach THERION - klingen, dass Verwechslung unmöglich ist. Und dennoch entpricht die Musik genau dem Zeitgeist, den momentan gerade so viele Mädels-Doom-Bands repräsentieren. Diese Kombination macht "Luciferian Light Orchestra" zu einem umwerfend guten Album, auf dem (fast) jeder Song ein Treffer ins Herz ist. Der Sound ist warm und einschmeichelnd, die Stimmen sind anregend und (über-)sinnlich, und über der ganzen Musik schwebt die dunkle Spiritualität und Eleganz, die auch vielen THERION-Kompositionen innewohnt. Nach dem vielleicht noch etwas zu harmlosen Opener 'Dr.Faust On Capri' kann gleich das herrlich eingängige, leicht folkige 'Church Of Carmel' mitreißen. Die Nummer erinnert sogar etwas an jüngere PAATOS. Und die Stimme? Das wird doch nicht Petrunella Nettermalm sein? Doch ich möchte hier nicht spekulieren und begnüge mich damit, die Stimme einfach toll zu finden. Doch auf dem Album kann man nicht nur schmachten, 'Taste The Blood Of The Altar Wine' ist einhundertprozentiger Doom Metal mit einem Lehrbuch-Riff, und auch zu den nachfolgenden Liedern kann man den Fuß auf die Monitor-Box stellen und das nicht vorhandene Langhaar schütteln. Je länger das Album läuft, desto mehr schimmert jedoch Johnssons Hang zur okkulten Theatralik durch. Das dämonische 'Moloch' gibt Raum für tiefe Blutwein-getränkte Mönchs-Chöre und andere beschwörerische Männerstimmen, und auch 'Dante And Diabulus', der letzte offizielle Track, würde jedes dunkle Ritual geschickt untermalen. Leider sind noch nicht einmal 35 Minuten vergangen, bis der letzte unbetitelte Bonustrack an der Reihe ist. Es gehört wohl auch zur geheimniskrämerischen Geschäftsidee, diesen Track nicht zu benennen, allzu witzig oder spannend finde ich diese jedoch nicht. Sei's drum, Lied nummero zehn ist noch einmal ein Höhepunkt, in dem gleich drei Dämonen auf einmal besungen und sogar frauenschreiersch luziferisiert werden. Wirklich jetzt, der Song läuft bei mir in Dauerschleife - wie das ganze Album! Deshalb möchte ich die Hobbysatanisten unter euch ein wenig um Entschuldigung bitten ob der mitunter humoristisch angehauchten Beschreibungen der okkulten Haltung des Albums. Ich finde das eben genauso albern wie die Banana Of Steel. Doch die Musik ist über jeden Zweifel erhaben. www.powermetal.de 03.05.2015 [Review lesen]

25.05.2015 09:30 - Bent Knee: Shiny Eyed Babies (2014)

10.0 / 10
Der legitime Nachfolger zu ROSE KEMPs “Unholy Majesty”? Der Teaser mag viele wohl ein wenig verwirren. Doch was ich damit andeuten möchte ist, dass "Shiny Eyed Babies" für mich wohl bald zu den besten Alben aller Zeiten zählen könnte, und dass es auf eine gewisse Weise eine Ähnlichkeit zur unheiligen Majestät der britischen Musikrebellin ROSE KEMP aufweist. Bei BENT KNEE singt mit Courtney Swain nämlich auch eine Sängerin der absoluten Extraklasse, die eine ähnlich markante, die Seele der Hörers aufwühlende und an den richtigen Stellen Mark und Knochen aufreibende Stimme hat, wie meine bisherige Sanges-Nummero-Uno. Und bevor diese mit "Golden Shroud" den Doom versklavte und danach gelangweilt mit der Musik aufhörte, hat sie mit "Unholy Majesty" ein Album jenseits aller Stile aufgenommen, welches klassische Songformate aufgeweicht, Elemente aus allem Verfügbaren so zusammengebogen hat, dass sie ihr und nur ihr gehorchen und auf dessen Basis sie ihre gesamte Persönlichkeit mit aufreibenden und unter die Haut gehenden Texten und Kompositionen ausbreitet. Und genau dies macht Courtney Swain bei BENT KNEE auch. Aber es klingt ganz anders. Courtney spielt nicht Gitarre, sondern sitzt am Klavier. Und obwohl der Hörer zumindest bei den ersten Kontakten mit der Musik völlig von ihr eingenommen sein wird, ist sie nicht die absolute Chefin im Ring. Es ist eine richtige Band, um die es hier geht und sie heisst BENT KNEE. Also Vorhang auf! Die Band fand sich auf dem Berklee College of Music in Boston - übrigens auch die Geburts-Stätte für DREAM THEATER. Für mich erscheint es wie eines dieser grandiosen wie seltenen Ereignisse, wenn etwas zusammen kommt, das zusammen gehört, denn jeder einzelne Musiker trägt dazu bei, dass "Shiny Eyed Babies" so mitreißend, so tiefgründig, so einzigartig klingt. Neben Courtneys einnehmenden Vocals setzt hier jeder Einzelne seine unverzichtbaren Akzente. Da wären die Farbtupfer, die Chris Baum mit seiner Violine setzt, einem Instrument, das bekanntermaßen am ausdrucksstärksten bei ruhigen Passagen wirkt, hier gerne aber auch gezupft oder aber im Stile des Solovirtuosen eingesetzt wird. Dann sei Ben Levin zu erwähnen, dessen akzentuiertes wie originäres Spiel vielleicht erst bei genauerer Betrachtung auffällt, das aber erheblichen Mehrwert zur Musik beiträgt. Ähnliches gilt für Bassistin Jessica Kion, die auch immer wieder Backing-Vocals beisteuert. Die Formel - gute Musiker gleich gute Musik - geht im Falle von BENT KNEE also voll auf, dennoch ist es so gut wie unmöglich zu schildern, was BENT KNEE so besonders macht, dass ich sie auf einen Level mit meinen absoluten Lieblingen aller Zeiten stelle. "Shiny Eyes Babies" ist - das wird mit jedem Hören deutlicher - für mich persönlich ein neues "Into The Everflow", "Images & Words", "Fastest Trip To Cybertown" oder aber "Unholy Majesty". Jeder einzelne Song erzählt ein ganzes Menschenleben, so scheint mir, jeder Song hat überraschende Wendungen und Momente, die mich innerlich zum Beben bringen. Die folgende Song-für-Song-Analyse ist deshalb zwar sehr aufwändig aber unerlässlich. Einen guten Hinweis, worum es bei BENT KNEE geht, liefert allerdings schon das Artwork. Auf dem Falt-Inlay ist auf der einen Seite das Bild eines Jungen und eines Mädchens zu sehen, die aus dem Fenster schauen. Sie sehen auf etwas, das auf den ersten Blick aussieht wie Baum, aber in Wahrheit einen Atompilz darstellt. Links und rechts davon steigen schwarze Luftballons auf. Allein schon dieses Bild macht nachdenklich, ist aber nichts anderes als ein Spiegel des musikalischen Inhaltes. Auf der anderen Seite des Inlays sind die Lyrics aufgeschrieben und man sieht Bilder von einem Teddybären mit Radioaktiv-Zeichen auf dem Bauch, einem Schuh, einer Gasmaske, und wieder den Luftballon und den Atompilz. Es sind also die kleinen Momente der Schönheit, die hier mit den großen Katastophen der Menschheit Arm in Arm gehen und bricht man es auf das Essentielle herunter, kann dieser Gegensatz bei BENT KNEE innerhalb von Sekunden allein durch Courtney Swains Stimme zum Ausdruck gebracht werden. Und damit sind wir schon mitten in der Musik. "I had a shiny eyed baby who fell out of my womb, I kissed her hello, I kissed him goodbye and that’s how we go from cradle to grave". Diese allumfassend zynischen Worte führen uns in das Album ein, jazzig anmutende Pianoklänge und eine freudliche Frauenstimme ertönen dazu, bevor die erste globale Katastrophe angeleuchtet wird. Ölverschmierte Federn, ein teerschluckender im Meer versinkender Vogel, dem sich die Haut kräuselt, während er giftige Gase einatmet, das sind die Bilder, mit denen BENT KNEE uns in die traurige Realität hinter den kindlichen Vorstellungen eines niedlichen Teddys konfrontiert. Courtney heult und schreit, als wäre sie selbst dieses Tier und unter harschen elektronischen Sounds, fiesen, verzerrten Gitarren-Akkorden, undurchdringbaren Rhythmen braut sich neben der lyrischen auch eine musikalische Schreckensvision zusammen ('Way Too Long'). Doch was kümmert uns das Elend der Tiere, wenn wir selber mental vertrocknen? Dies ist eines der zentralen Themen bei BENT KNEE und es manifestiert sich besonders gerne beim Thema Liebe. Diese kann bekanntlich zu einem der größten Unglücksfälle im Leben werden, und wenn Courtney besingt, wie die Libido einer Frau bis in das tiefste Innere vertrocknet, nachdem die Liebe aufgehört hat, ist man als Hörer vielleicht anfangs verstört ob der nackten Offenheit, hat aber bei genauerer Betrachtung einfach nur Mitleid ('Dry'). Verstörend und dramatisch wird die Musik darboten, greifbar wird die tiefe Verzweifung der Protagonistin, die wie entfesselt singt um ihr Leid, von dem man gar nicht wusste, wie groß es sein kann, mitzuteilen. Der Glaube ist das nächste Thema, dem BENT KNEE sich widmet. Auch das ist etwas, das, wie die Liebe, zum Schönsten und Wertvollsten zählt, was ein Mensch besitzen kann. Dessen ist sich die Band auch sehr bewusst und ihre Musik hält dieses Wissen stets in Ehren, doch zu jedem Luftballon gibt es in BENT KNEEs Welt - unserer Welt - auch einen Atompilz. Wie viele Menschen verkaufen ihren Körper für ihren (Irr-)Glauben an Institutionen, die von der religiösen Grundidee so weit entfernt sind wie ein Terror-Regime von einer frei denkenden Gesellschaft? Wie oft ist das Resultat dann ein Knall, der den verkauften Körper in all seine Einzelteile zerfetzt und möglichst viele andere mitreisst? Und was passiert danach mit der Seele? Doch keine Angst, BENT KNEE ist keine politische Band, die den Moralzeigefinger erhebt. Und bei 'I’m Still Here' wird es gleich auch wieder sehr viel persönlicher, denn der Track ist so etwas wie eine besondere Art der Trauerbewältigung, in dem Ben Levin die schwere Krankheit seines Großvaters, der daduch ein anderer Mensch geworden ist, verarbeitet. Dazu gibt es auch ein sehr lohnenswertes und trauriges Musikvideo. Sucht danach! 'Dead Horse' ist dann wieder ein mit reichlichen Metaphern bebilderter Beitrag zur schwindenden Liebe, die durch zu viele nicht eingehaltene Versprechungen in die Brüche geht, obwohl die ursprüngliche Intention nicht schlichter sein könnte: "I just wanted to be happy". Drama pur gibt es auch bei 'Battle Creek', in dem die Protagonistin wohl einen Kriegschauplatz besucht, an dem sie dem Tod so nahe wie nie zuvor entgegen treten muss. Sie fragt sich, woher all dieser Hass kommt und was diesen veranlasst haben könnte. Schließlich fragt sie, ob sie nicht sogar selber daran Schuld sein könnte. Dabei verliert sie ihr Herz. Glaubt mir, es bedarf einer besonderen musikalischen Begabung, so ein Gefühl auch beim Hörer hervorzurufen. BENT KNEE hören ist garantiert kein Zuckerschlecken. Ja, schwer ist es zu beschreiben, was diese Musik mit einem anstellt, aber irgendwie doch auch nicht. Sie berührt, as simple as that. Dies gilt ganz besonders für 'Sunshine', der Adaption eines alten Liebesliedes, das schon 1941 von BING CROSBY und später von JOHNNY CASH (und vielen anderen) gespielt wurde. BENT KNEE macht wohl etwas ähnliches mit dem Lied wie es wohl auch ROSE KEMP gemacht hätte. Sie dekonstruiert ihn, verdreht seine Aussage, macht daraus ein Betrugs-Drama, das wiederum nichts als emotionalen Schutt und Asche zurücklässt. Wie einst NEVERMORE mit 'Sound Of Silence', nur mit weiblichem Charme und natürlich völlig anderen klanglichen Mitteln wird hier also ein lieblicher Evergreen in ein abartiges Zerrbild seiner eigentlichen Idee verwandelt, ein Mahnmal der menschlichen Schlechtigkeit und zugleich ein Monument der unzerstörbaren Schönheit von Musik. Damit ist dieses Lied die Essenz der Kunst von BENT KNEE. Die Hauptmelodie des Originals wurde pfiffigerweise an keiner Stelle verändert, was den Song sogar für das rein analytische Hirn hochinteressant macht. Wer jetzt glaubt, das Album würde gegen Ende wie viele andere etwas schwächer werden, wird sich freuen, dass er sich täuschen darf. 'Skin', 'Being Human' und 'Toothsmile' holen noch einmal alles aber auch alles heraus, was mit Musik möglich ist und BENT KNEE wendet sich hier etwas weg von der deskriptiven Schilderung der kleinen und großen Dramen hin zu Wegen, damit umzugehen. Die Texte vermitteln, dass man wachsam durch eine Welt gehen soll, in der man Gefahr läuft, in allen Belangen "vergiftet" zu werden. Vergiftet im Großen vom unmoralischen Sytem der Mächtigen, dessen manipulative Instanzen uns bildlich gesprochen glänzende, weiße Zähne vorgaukeln ('Toothsmile'), vergiftet aber auch im Kleinen durch allerlei Chemikalien in der Nahrung, Staub und Dreck in unserer Luft, Sedativa für unsere Seele. Da ist er wieder, der radioaktiv verstrahlte Teddybär. Aber auch wenn in 'Being Human' besungen wird, dass vielleicht der Tod besser sei als unser diesseitiges Dasein ('You never liked the thought of being human anyway, death is one more option to explore'), verdeutlicht die Band immer wieder zwischen den Zeilen und vor allem durch die Strahlkraft ihrer Musik, dass die kindliche Sicht auf unsere Welt mit all ihren Schönheiten immer noch das größte Gut ist, das es zu erhalten gilt. Und wenn ihre Kunst dazu beiträgt, dies ins Bewusstsein der Menschen zurück zu bringen und es dort zu bewahren, so wäre ein großes, ein riesengroßes Ziel erreicht. Das kleine Ziel, dem Musikhörer einfach nur eine Freude zu machen, ihn zu berühen und zum Denken zu bringen, sollte BENT KNEE mit diesem Album jedoch mit Leichtigkeit erreichen. Die Musik ist einfach zu toll, um ignoriert zu werden. Also bitte gebt der Band eine Chance, Hörproben gibt es im Netz in großer Zahl und stilistische Präferenzen dürften, sollten, werden bei BENT KNEE keine Rolle spielen. Das ist Musik für jedermann! www.powermetal.de 5.05.2015 [Review lesen]

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