Nasreddin

Nasreddin
Registriert seit: 23.08.2010

Zum Verkauf 1 Eingetragen 434
Bewertungen: 102 Reviews: 69
Genres: Metal, Rock
Bewertungsverteilung von Nasreddin
0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5 5.5 6 6.5 7 7.5 8 8.5 9 9.5 10
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9.5: 25.806451612903% (8x)

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Die letzten Bewertungen
9.0 für Necros Christos: Doom Of The Occult (2011) (07.04.2018 21:40)
8.5 für Helloween: My God-Given Right (2015) (30.05.2015 11:22)
10.0 für Steven Wilson: Hand. Cannot. Erase. (2015) (27.04.2015 21:40)
9.5 für Ethereal Architect: Monolith (2012) (27.04.2015 21:28)
10.0 für Burzum: Hvis Lyset Tar Oss (1994) (22.05.2014 18:32)
9.0 für Mekong Delta: In A Mirror Darkly (2014) (30.04.2014 00:03)
10.0 für Mercyful Fate: Melissa (1983) (25.03.2014 08:21)
8.0 für Trivium: Vengeance Falls (2013) (13.11.2013 12:09)
Insgesamt 102 Bewertungen vorhanden. Alle anzeigen
Die letzten Reviews

30.05.2015 11:22 - Helloween: My God-Given Right (2015)

8.5 / 10
Jedes neue HELLOWEEN-Album ist ein Großereignis für die Metalszene, ganz gleich ob man das Schaffen einer der traditionsreichsten und produktivsten deutschen Bands im Jahr 2015 noch so spannend findet wie zu den vielbesungenen frühen Tagen der Kürbisse. Doch eines gleich vorweg: "My God-Given Right" liefert eine breite Palette an Argumenten, HELLOWEEN spannend und besser als die Konkurrenz im melodischen Heavy Metal zu finden. Zum 30-Jährigen hat sich die Band übrigens bei Nuclear Blast einquartiert, wo fast jede größere Metalband früher oder später einmal landet. Das war es auch schon mit der Chronistenpflicht, denn das Lineup ist seit etlichen Jahren konstant, was sich auch im Jahr 2015 konsequenterweise in gefestigter musikalischer Qualität, sprich dem Signature-Sound HELLOWEENs niederschlägt. Dabei macht es "My God-Given Right" dem langjährigen Fan anfangs nicht ganz leicht, ist der Mix doch dumpfer und heavier als noch auf "Straight Out Of Hell". Nach vielen Durchläufen fällt mir das nur noch im Opener 'Heroes' etwas negativ auf, Charlie Bauerfeind hat ansonsten wieder einmal für eine amtliche Kürbisproduktion gesorgt. Davon einmal abgesehen ist nicht nur der erste Eindruck von superben Hooklines, einem stimmlich toll aufgelegten Andi Deris und dem wie üblich schmerzhaft hohen Mitsing-Potential geprägt. Und zwar nicht nur bei den Hitsingles 'Heroes' oder 'My God-Given Right', sondern auch bei jedem einzelnen der "B-Seiten-Tracks", die nach den hübschen Appetitanregern für ein länger andauerndes Sättigungsgefühl sorgen. "Happy Metal" hat "My God-Given Right" natürlich auch zu bieten, was in der irgendwie schon unverschämt eingängigen Nummer 'Lost In America' oder dem humorvollen 'If God Loves Rock'n'Roll' mündet und somit garantiert für Wohlgefallen unter den Anhängern der Band sorgen wird. Auf einen experimentellen Song wie 'Wanna Be God' auf dem Vorgänger "Straight Out Of Hell" hat man verzichtet, mit 'Like Everybody Else' aber einen halbballadesken Stampfer an Bord, der für eine überaus gelungene Verschnaufpause sorgt, die man vor dem Endspurt der letzten fünf Songs definitiv benötigt. "My God-Given Right" ist genau das Album geworden, das man von einer seit 30 Jahre bestehenden Band in ihrem x-ten Frühling erwarten kann, so man sie denn nicht auf jugendliche Pioniertaten in anderer Besetzung reduziert. Ist man dem Flow des Albums dann erst einmal erlegen, gibt es kein zurück mehr und anfänglich sperrige Nummern wie 'Russian Roulé' oder 'You, Still Of War' starten richtig durch. "All killer no filler" ist die Devise, die "My God-Given Right" zu einem Pflichtkauf für alle Kürbisköpfe macht! [zuerst veröffentlicht unter: http://powermetal.de/review/review-Helloween/My_God-Given_Right,26028,26004.html ] [Review lesen]

30.05.2015 11:20 - Nightwish: Endless Forms Most Beautiful (2015)

9.0 / 10
Das achte NIGHTWISH-Album ”Endless Forms Most Beautiful“ markiert den Beginn einer neuen Ära mit Floor Jansen als dritter Sängerin der finnischen Vorzeige-Band. Live funktioniert die Beziehung mit der ex-AFTER FOREVER-Sängerin schon seit knapp zwei Jahren, auch das mitgeschnittene Wacken-Konzert konnte auf ganzer Länge überzeugen. Der endgültige Lackmustest ist nach wie vor ein Studioalbum, und in diesem Fall eines, auf das Teile der Metalszene sehnsüchtig gewartet haben. Und wer schon einmal das Vergnügen mit Tuomas Holopainen hatte, wird wissen, dass der NIGHTWISH-Mastermind ganz genaue Vorstellungen von dem hat, was er tut. Im Fall von "Endless Forms Most Beautiful" ist dies ein Konzeptalbum über die Evolution, sogar den populären Biologen Richard Dawkins konnte man für textliche Konzepte und Zitate gewinnen. Ob die Band mit einem der scharfzüngigsten Religionskritiker unserer Zeit Fans verprellt, wollen wir aber den Diskussionen im Netz überlassen. Viel interessanter und weitaus weniger umstritten ist die Musik, und das sind stolze 79 Minuten. Auf die Single-Auskopplung 'Élan' darf man indes nicht allzuviel Wert legen, denn es war schon immer der poppigste und eingängigste Song, den das Label im Vorfeld als geeignet ansah, die Massen auf Stromgitarren und Flötentöne vorzubereiten. War der Vorgänger "Imginaerum" noch ein recht progressives Album mit vielen Schattierungen, wird auf "Endless Forms Most Beautiful" der Kurs in Richtung "bewährte Stärken" gesetzt. Mit viel Bombast und einem recht ansehnlichen Härtegrad deutet schon der Opener 'Shudder Before The Beautiful' die Stärke des Albums an. Wo andere Bands stets bemüht versuchen, ihren Sound um sinfonische Elemente ungewollt komisch zu verstärken, hört man bei NIGHTWISH die absolute Meisterschaft in dieser Disziplin. Echtes Orchester und Band ergänzen sich wechselseitig, nehmen aber niemals den Druck oder die Energie und lassen somit die Glücksgefühle eines jeden Fans explodieren. Floor Jansen passt außerdem so hervorragend zum Studiomaterial, dass man beinahe geneigt ist, diesen Punkt nicht weiter hervorzuheben. Doch mit ihrer kraftvollen Stimme und stets bemerkenswerten Präsenz ist sie von einem anderen Schlag als ihre Vorgängerinnen. Während Tarja Turunen in den hohen Sopranlagen sicherlich ungeschlagen bleibt, hat der beste niederländische Export seit der Frikandel eine markante Rockröhre, was man vor allem bei 'Yours Is An Empty Hope' zu spüren bekommt. Trotz der orchestralen Verzierungen sicherlich einer der härtesten NIGHTWISH-Songs überhaupt. Weiter hervorzuheben ist auch 'Edema Ruh', das mit seinen verspielten Melodien und gefühlvollem Gitarrenspiel an frühere Glanztaten NIGHTWISHs erinnert. Diese beiden Songs würden schon reichen, um den Signature-Sound schlechthin zu markieren. Hätte "Endless Forms Most Beautiful" nur zehn Songs, wäre ein wirklich gutes Album nach 55 Minuten beendet. Doch Gott sei Dank (darf man das in diesem Kontext so sagen?) folgt zum Schluss das 24-minütige Epos 'The Greatest Show On Earth'. Ja, dieser Rausschmeißer dauert tatsächlich beinahe eine halbe Stunde und es ist keine Übertreibung, dass andere Bands aus diesem Sektor aus den hier verwendeten Ideen ein komplettes Album gestrickt hätten. Ein wahrhaft epischer Song, der zu keiner Sekunde langweilig wird und als Fazit die Quintessenz der Platte darstellt. Man muss schon eine amouröse Beziehung zu einem Amboss haben, um NIGHTWISH nicht als "echte" Metalband zu bezeichnen. Dass man harte Musik mit folkigen Elementen und einem Sinfonieorchester auf Albumlänge überzeugend darbieten kann, zeigen die Finnen auf "Endless Forms Most Beautiful" abermals in Perfektion. Für mich nach "Century Child" das zweitbeste Album der Band und so weit vor der gesamten Konkurrenz, dass auch bei Verdacht auf Gefallen die sofortige Kaufempfehlung ausgesprochen wird. Ein Treppchenkandidat und im sinfonischen Metal sicherlich erst einmal unerreicht! [zuerst veröffentlicht unter: http://powermetal.de/review/review-Nightwish/Endless_Forms_Most_Beautiful,25976,25868.html ] [Review lesen]

27.04.2015 21:40 - Steven Wilson: Hand. Cannot. Erase. (2015)

10.0 / 10
Ob man sich zum Fanlager von STEVEN WILSON zählt oder nicht: Auf kaum ein Album wartet die Prog-Jüngerschaft gebannter als auf "Hand. Cannot. Erase.". Wilson, ja eigentlich der Prototyp des Sparten-Nerds, ist seit seinem letzten Soloalbum "The Raven That Refused To Sing" in aller Munde. Der Mainstream hat Gefallen gefunden am introvertierten Briten, der scheinbar nicht nur die Rolle des Musikromantikers perfekt ausfüllt, sondern mit seiner Tonkunst einen Nerv abseits seiner eigentlichen Zielgruppe trifft. Dabei war der nicht-singende Rabe eine Hommage an den Progressive Rock der 70er, ein Potpourri an Eindrücken, die Wilson während seiner zahlreichen Remix- und Remaster-Arbeiten an etlichen Klassikeralben verarbeiten musste. "Hand. Cannot. Erase" ist von einem gänzlich anderen Schlag. Es ist progressiv, aber nicht im Kontext des Genre-Selbstzwecks. Es biedert sich nicht dem Willen der Fans an, es provoziert durch seine poppige Luftigkeit. Es ist auf den ersten Blick eingängig, aber so tiefgründig, wie Musik nur sein kann. Und trotzdem ein homogenes Album, ja eine erzählte Geschichte, die für 65 Minuten alles andere aus der Wahrnehmung des Zuhörers zu verdrängen vermag. Die wahre Geschichte, auf der das Konzeptalbum textlich fußt, ist die der Joyce Vincents, die drei Jahre lang tot in ihrer Großstadtwohnung lag, ehe sie vermisst wurde. Wilson greift dieses menschliche Drama auf, um die Anonymität der modernen Gesellschaft zu besingen, die Technik- und Ego-Bezogenheit des 21. Jahrhunderts anzuprangern und letztlich dafür zu sorgen, dass man ins Grübeln gerät. Der musikalische Auftakt steht sinnbildlich für das gesamte Album. Ein sanfter Grundton wird von der pulsierenden Instrumentalfraktion durchbrochen, ehe nach knapp fünf Minuten zum ersten Mal Wilsons Gesang das Geschehen dominiert. Und wäre da nicht das hektische Zappeln der Saiten, das entspannte und doch virtuose Schlagzeugspiel, man könnte '3 Years Older' für einen Popsong halten. In eine ähnliche Kerbe schlagen auch der Titelsong und die Ballade 'Happy Returns'. Wilson wäre aber nicht Wilson, würde er sich nicht weiter aufs Glatteis wagen. Mit 'Perfect Life' und 'Routine' folgen zwei Songs, die den fragilen, proteischen Charakter des Albums auf die Spitze treiben. Mit sakraler Traurigkeit gelangt das Album so zu seinem ersten Höhepunkt, der mit Knabenchor, Spoken Words und Samples nicht hätte unkonventioneller ausfallen können. Die oft in Interviews kolportierten "Death-Metal-Riffs" sind in realiter dann doch "nur" herbe Stakkato-Riffs, besorgen am Anfang von 'Home Invasion' aber einen deftigen Kontrast zur vorangegangenen Feinfühligkeit. Die Mannschaft, erneut bestehend aus Guthrie Govan (Gitarre), Marco Minnemann (Drums), Nick Beggs (Bass, Chapman Stick), Adam Holzman (Tasteninstrumente) und Theo Travis (Blasinstrumente), darf sich dann auch mal richtig austoben und im Doppelpack 'Home Invasion' & 'Regret' die klassische Progrock-Keule herausholen. Nimmt man jetzt noch das ätherische 'Ancestral' hinzu, offenbart "Hand. Cannot. Erase." eine sowohl musikalische als auch emotionale Bandbreite, dass kaum eine andere Band sich getraut hätte, das alles auf einem Album zu verewigen. Aber genau deswegen ist "Hand. Cannot. Erase" auch noch ein Stück mehr STEVEN WILSON als es "The Raven That Refused To Sing" war. Anfangs kopfschüttelnd eingängig, gibt es die vielen Facetten eines Charakters erst nach ausgiebiger Beschäftigung preis. Wirklich selten macht Musik nach mehr als 50 - ich habe aufgehört zu zählen - Durchläufen so viel Freude, rührt einen zu Tränen und lässt den Kiefer herunterklappen wie "Hand. Cannot. Erase." Das mit Abstand beste Album im Prog-Umfeld. Seit Jahren. Und wer weiß, für wie lange. Anspieltipp: Tonträger einlegen. Genießen. Und wieder von vorne. [Zuerst veröffentlicht unter http://powermetal.de/review/review-Wilson__Steven/Hand__Cannot__Erase_,25685,25599.html ] [Review lesen]

13.11.2013 12:09 - Trivium: Vengeance Falls (2013)

8.0 / 10
Konsequente Weiterentwicklung scheint das Motto der Modern-Thrash-Recken von TRIVIUM zu sein. Anfangs noch stark im Metalcore verwurzelt, konnte bereits das letzte Album "In Waves" (2011) eine ganz andere Gruppe von Fans erschließen. Die Produktion war allerdings nicht das Gelbe vom Ei, in dieser Hinsicht gab es Handlungsbedarf. "Vengeance Falls" schickt sich also an, der nächste Schritt in der Vita des Florida-Vierers zu werden, die Fangemeinde wird das neue Album sicherlich nicht im kollektiven Jubelrausch abfeiern. Warum? Nun, die Band bemüht sich sehr, straighter zu klingen und hat dabei kaum noch etwas mit der Musik von beispielsweise "The Crusade" (2006) am Hut. Mir gefällt die Entwicklung allerdings sehr gut, denn TRIVIUM klingt anno 2013 so kohärent wie nie zuvor und das gesamte Klangbild macht einfach viel mehr Spaß als früher. Zudem merkt man bei jeder Platte, wie Matt Heafy am Gesang besser wird und die ganze Band ihrer Idealvorstellung von einem Sound näher kommt. Denn im Vergleich zur letzten Platte sind vor allem die Leads viel mehr im Vordergrund, es klingt einfach runder. An manchen Stellen betritt man hinsichtlich der Klampfenarbeit schon fast Melo-Death/Thrash-Territorium, wie man es von AMON AMARTH oder neuen KREATOR kennt, das steht der Band aber ziemlich gut. Einige Fans werden vermutlich kritisieren, dass TRIVIUM nun harmloser daherkommt und "Vengeance Falls" glattpoliert ist. Für meine Ohren sind noch genug Ecken und Kanten vorhanden, zudem muss ich bei gebührender Lautstärke keine Angst um meine Lautsprecher mehr haben. Es wird weiterhin die abwechslungsreiche Mischung aus derben Nummern, die einem sofort ins Gesicht springen, und etwas sanfteren Tönen geboten, die man bei TRIVIUM zu erwarten hat. Insofern gibt es hier wenig bis gar nichts zu beklagen. Wer auf modernen Metal mit Thrash-Schlagseite steht, macht bei den Amis nach wie vor nichts falsch. Die ganz große Nummer ist "Vengeance Falls" aber dennoch nicht geworden. Anspieltipps: At The End of This War, Through Blood & Dirt & Bone, Brave This Storm [erschienen unter: http://powermetal.de/review/review-Trivium/Vengeance_Falls,23037,22976.html ] [Review lesen]

13.11.2013 12:08 - Thränenkind: Elk, The (2013)

9.0 / 10
"The Elk" erzählt die Geschichte zweier Geschwister, die auf dem Weg zur Beerdigung ihres Vaters sind. 13 Songs beschreiben diese Reise, die mehr als eine geografische Abhandlung eine Reise zu Grundfragen menschlicher Existenz ist. Doch etwas der Reihe nach. Wer die Demo oder die Split-CD mit HERETOIR kennt, wird das THRÄNENKIND im (Post-) Black-Metal-Sektor verorten. Das wäre beim Full-Length-Debüt viel zu kurz gegriffen, um das Spektrum der Musik und die Inszenierung des Konzepts angemessen zu beschreiben. Wie würden wohl die Wölfe im Thronsaal heulen, gäbe man ihnen einige Wochen lang anderes Futter? Vermutlich wie unser THRÄNENKIND anno 2013. Sicherlich gibt es hier und da Stilmittel der beschriebenen Schubladen, die Vocals kommen aber eher aus dem Hardcore/Crust-Bereich und progrockige Orientierungshilfen finden sich ebenfalls. Doch darum soll es in dieser Besprechung weniger gehen. "The Elk" ist ein Album, das seine volle Kraft nicht durch Spieltechniken, Genre-Referenzen oder eine besonders mutige Vermischung seiner Einflüsse entfaltet (obwohl ich die Musik wirklich toll finde). Die Musik, in erster Linie von Matthias geschrieben, bildet hier eine fast schon zwangsneurotische Symbiose mit den Texten, ohne die man dieses Album nicht in seiner gesamten Substanz wahrnehmen kann. Während die Geschwister sich also auf den Weg zur Beisetzung machen, kehren sie in ihre Heimatstadt zurück und werden mit Kindheitserinnerungen konfrontiert, durchleben Vergangenes, das hätte nicht aufgewühlt werden sollen. Wenn ich Zeilen wie "You can't imagine how loud we had to turn it / to drown out the fathers yelling / not to hear the mothers weeping / to be save from the noise" verfolge, erscheint mir diese Selbstreflexion gleichermaßen erschütternd wahrhaft als auch ironisch, denn ich selbst habe in diesem Augenblick die Anlage bis zum Anschlag aufgedreht und werde von "The Elk" in einen Strudel musikalischer Hermeneutik gesogen. Mit jedem Song mehr, den ich höre und jeder Rotation, die die LP erfährt, verändert sich mein Blick auf das Aufgenommene, und plötzlich denke ich über mich selbst nach. An diesem Punkt scheitert der Großteil der Musik, den man zur Begutachtung erhalten kann. Auch ich gebe mich oft damit zufrieden, auf hohem Niveau unterhalten zu werden. Doch das THRÄNENKIND verfolgt einen anderen Anspruch und liefert mit dieser Platte genau die Seelennahrung, die sich auf der fortwährenden Suche nach sich selbst befindliche Köpfe brauchen. Bis zum Zeitpunkt des Hörens war ich nicht davon ausgegangen, mich derart in einem Geäst kaleidoskopischer Betrachtungen zu verstricken. Widerstand ist aber zwecklos. Würde ich mich wehren, schnitten sich die aufkeimenden Gedanken und Erinnerungen bloß tiefer in die klaffenden Wunden, die die Musik THRÄNENKINDs aufgerissen hat. Die Texte weisen in ihrer Verbindung mit der traurig elegischen Musik keine Antworten auf, und das wollen sie auch nicht. "The Elk" möchte zum Nachdenken anregen, und zwar über den Kosmos der subjektiven Entität hinaus. Es lassen sich so viele Fragen anhand der verarbeiteten Motive reflektieren, dass es meiner Meinung nach auch keine zu beanspruchende Deutungshoheit geben kann. Nach einem Gespräch mit dem Schöpfer dieser Musik sehe ich mich allerdings in vielen Aspekten bestätigt, die mir teils affektiv, teils grübelnd zu Gemüte gestiegen sind. Sie haben alle eines gemeinsam: den sich beinahe selbst verzehrenden Hunger nach Sinnhaftigkeit und Erfüllung. Ganz gleich, ob im gesellschaftlichen Kontext oder rein auf sich selbst bezogen. Wenn man es zulässt, führt einen diese Musik auf verschiedenen Wegen immer wieder zu sich selbst. Und man fragt sich, welche Bedeutung das Selbst im sozialen Kontext wohl spielen mag. Gespielt hat, spielen wird. Nach dem Verfassen dieser Zeilen erscheint es mir beinahe grotesk, Punkte zu vergeben oder "The Elk" neben vielen anderen Veröffentlichungen aufgrund musikalischer Gemeinsamkeiten zu positionieren. Eines ist hoffentlich klar geworden: Die erste LP des THRÄNENKINDs ist keine Gute-Laune-Musik für das sommerliche Grillen oder eine Fahrt im Cabrio. Da aber viele Menschen immer noch das Bedürfnis verspüren, aus Musik mehr herauszuziehen als kurzlebige Unterhaltung, bin ich hoffentlich nicht der Einzige, der diese Eindrücke von "The Elk" gewonnen hat. Das ist vertonte Hoffnungslosigkeit, die sich letztlich nicht einfach beiseiteschieben lässt, sondern verarbeitet werden muss und irgendwann so unscheinbar aufblüht wie die Pflanze auf der verlassenen Wiese des Plattencovers. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass ich dieses Review nur für mich selbst geschrieben habe. [erschienen unter: http://powermetal.de/review/review-Thraenenkind/The_Elk,22535,22436.html ] [Review lesen]

13.11.2013 12:07 - Blackfield: IV (2013)

8.0 / 10
Beständiger Wandel ist kein neues Konzept für Aviv Geffen und Steven Wilson, die beiden Köpfe hinter BLACKFIELD. Nach "Welcome To My DNA" wird die Nummerierung fortgesetzt und mit "IV" der nächste Streich präsentiert. Um es vorweg zu nehmen: mit Progressive Rock hat BLACKFIELD immer weniger zu tun, was allerdings nichts an der Klasse des neuen Albums ändert. "IV" ist ein richtig gutes Artpop-Album geworden, bei dem jeder Song eine eigene Identität hat und durch intelligente Texte besticht. Die handeln mal von der Betäubung, mit der wir uns durch den hektischen Zivilisationsalltag kämpfen ('Pills'), manchmal von der Orientierungslosigkeit der Menschen, die wie Glühwürmchen nicht wissen, in welche Richtung sie müssen ('Firefly'). Hauptsächlich verantwortlich für die Songs ist ohnehin Aviv Geffen, der schon seit jeher den größeren kreativen Anteil an BLICKFELD hat. Steven Wilson kommt vor allem dann ins Spiel, wenn Gitarren-Arrangements gefragt sind, um den Songs mehr Tiefe zu geben als seichten Pop-Nummern. Wenngleich ich "IV" nicht für das stärkste Album des interkulturellen Duos halte, versprüht es doch sowohl in seiner Gesamtheit als auch durch die elf einzelnen Songs einen einnehmenden Charme. Außerdem regt BLACKFIELD zum Denken an und man merkt, dass die verantwortlichen Musiker eine Botschaft haben. Das ist mehr, als viele Bands mit spektakulärer Musik zu bieten haben. Fans des Projekts können hier blind zugreifen, das Album sollte aber auch ein breiteres Publikum ansprechen können. Denn gegen "schöne" Musik gibt es ja wirklich nichts einzuwenden. Anspieltipps: Pills, Jupiter, Firefly [erschienen unter: http://powermetal.de/review/review-Blackfield/IV,22746,22634.html ] [Review lesen]

13.11.2013 12:06 - The Ruins Of Beverast: Blood Vaults (The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer) (2013)

9.0 / 10
Wo an einem Ende des Black-Metal-Spektrums WATAINs "The Wild Hunt" jüngst für Furore, Superlative und gute Kritiken gesorgt hat, steht am anderen Ende der vierte Streich der RUINS OF BEVERAST auf dem Programm. Die Band Alexander von Meilenwands hat es bislang geschafft, drei grundverschiedene Langrillen aufzunehmen, ohne dabei an Identität zu verlieren. Dementsprechend groß sind auch die Erwartungen, die im Vorfeld der Veröffentlichung von "Blood Vaults" kursieren. Um einen Teil des Fazits vorwegzunehmen: Diesen Anspruch kann auch das vierte Album befriedigen, da es wie die Vorgänger die Qualitäten der RUINS OF BEVERAST auf den Punkt bringt. Der vollständige Titel lautet übrigens "Blood Vaults - The Blazing Gospel of Heinrich Kramer", oder auf lateinisch: "Cryptae Sanguinum - Evangelium Flagrans Henrici Institoris". Der Schriftsteller Wolfgang Hohlbein schrieb einst im Vorwort zu einem von ihm zusammengestellten Sammelband mit Lovecraft-Erzählungen, dass der tiefe Reiz im Werk Lovecrafts sich nicht durch krasse Effekthascherei, einen spektakulären Erzählstil oder gänzlich neuartige Inhalte offenbart. Trotzdem gilt Lovecraft als Meister seines Fachs und seine Rezeption in Literatur, Musik und Film ist ohnegleichen. Einen ähnlichen Zugang habe ich zur Musik von THE RUINS OF BEVERAST. Die Klangkörper dieser Band in Schubladen einzusortieren ist zunächst eine schwierige Aufgabe. Klar, Black Metal ist ein sehr weiter Begriff, unter den sich letztendlich auch "Blood Vaults" subsumieren lässt. Dabei zieht insbesondere auch das neue Werk allerlei Genre-Fremdlinge an, die den furchteinflössenden Zauber des Albums so faszinierend finden wie bei kaum einer anderen Black-Metal-Band. Mit einem gehörigen Schlag Death Doom gepaart, offenbart sich auch Langeisen Nummer vier als der Inbegriff des finsteren Abgrunds. Wie eine siechende Krankheit überkommt einen die Musik auf "Blood Vaults" - nicht plötzlich und mit dem Vorschlaghammer, sondern subtil und unter dem Mikroskop fürchterlich grausam. Man sollte nicht den Fehler machen und sich dem intonierten Schrecken bei Tageslicht offenbaren. Abends unter den Kopfhörern - das ist die perfekte Umgebung für Gänsehaut und Abscheu. Sobald mit 'Apologia' das lyrische Konzept des Albums eröffnet wird, fesselt die Stimmung mich ohne Ablass. Zu Grunde liegt "Blood Vaults" die Person des Heinrich Kramer - bekannt als Autor des "Hexenhammers" im 15. Jahrhundert. Wie die Faust aufs Auge passend wird der Sound der Scheibe immer wieder von sakral anmutenden Chören im Hintergrund angereichert, was eine kontrastreiche Spannung in der Stimmung der Musik bewirkt. Die Nerven des Zuhörers werden mit dieser Auswahl an Stilmitteln oft bis zur Anspannung gereizt, Entspannung findet hingegen nur selten statt. Und wenn, dann in Form der ultrazähen Doom-Parts, die aber schnell von atmosphärischen Zwischenspielen unterbrochen werden, in denen die Instrumentierung noch spärlicher und die Atmosphäre gleich wieder bedrohlich wird. Man mag in den ersten Durchläufen meinen, dass es hier gar kein Durchkommen gibt, so tief verschlucken einen die "Blood Vaults". Dazu kommt die Länge, die mit 80 Minuten auch gestandene Freunde der Finsternis an ihre Grenzen bringt. Eine kurze Pause einzulegen, ist hier wahrlich keine Schande. Ist die Phrase "schwer verdaulich" oft etwas übertrieben und nicht sonderlich originell, zwingt mich an dieser Stelle "Blood Vaults" dazu, doch auf sie zurückzukommen. Mit langsamem Black Metal, der auf Blastbeats und Hochgeschwindigkeit größtenteils verzichtet und durch die Orgel genau so bestimmt wird, wie durch seine meisterhaft orchestrierte Schlagzeugarbeit, lassen sich immerhin die Grundmuster der hier vorliegenden Musik aufzählen. Die oben bereits erwähnten (Oldschool) Death-Metal-Anteile sorgen indes dafür, dass wir es mit einer zusätzlichen Dimension des Abstoßenden zu tun haben. Hier klingen die Ausbrüche noch wie Ausbrüche und nicht wie durchkomponiert, manchmal muss sich anscheinend die Musik selbst mit der rostigen Machete durch den hausgemachten Urwald schlagen. Dass das nicht mit dem ersten Streich gelingt, sollte niemanden verwundern. Mit welcher Nachhaltigkeit hier aber gerodet wird, das ist beeindruckend. Gerade im Black Metal wird seitens der Plattenfirmen etwas hoch gepokert, was das Düsterimage ihrer Kapellen anbelangt. Wenn aber im Onlineshop von Ván Records THE RUINS OF BEVERAST mit "sinister Black Metal" angepriesen wird, dann ist es nichts anderes als eine ziemlich treffsichere Beschreibung. So musikalisch unterschiedliche die verschiedenen Genre-Highlights dieses Jahr auch bisher waren, an "Blood Vaults" kommt in seiner abartig boshaften und vereinnahmenden Atmosphäre für mich keine Platte heran. Es mag daran liegen, dass ich die unheilvollen Elemente dieser Scheibe nicht direkt auf den Punkt bringen kann. Vielleicht aber auch ein Segen, wie H.P. Lovecraft wusste: "Das älteste und stärkste Gefühl ist Angst, die älteste und stärkste Form der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten." [erschienen unter: http://powermetal.de/review/review-Ruins_Of_Beverast__The/Blood_Vaults,22836,22742.html ] [Review lesen]

13.11.2013 12:05 - Twilight Of The Gods: Fire On The Mountain (2013)

8.5 / 10
Der Name TWILIGHT OF THE GODS tauchte Anfang 2010 auf, als sich namhafte Musiker der Metal-Szene für eine BATHORY-Tribute-Band zusammengetan hatten. In der illustren Runde finden sich die Herren Alan Averill (voc., PRIMORDIAL), Blasphemer (git., AURA NOIR, ex-MAYHEM), Patrik Lindgren (git., THYRFING), Frode Glesnes (b., EINHERJER) und Nick Barker (dr., ex-DIMMU BORGIR, ex-CRADLE OF FILTH). Da scheint der Begriff Supergroup berechtigt, vor allem da die fünf jetzt eigenes Material aufgenommen haben und sich zumindest ein Stück weit von der BATHORY-Schublade emanzipieren wollen. Aber auch das geschieht in kleinen Dosen, schließlich erinnert der Bandname immer noch an Quorthon und in fast jeder Nummer blitzt irgendwo eine kleine Referenz auf, auch auf "woohoo"-Chöre wird nicht verzichtet. Ansonsten ist "Fire On The Mountain" aber deutlich eigenständiger als ich es erwartet hatte, wir haben es nicht mit einer weiteren Ausgabe EREB ALTORs zu tun. Dazu trägt natürlich vor allem der Gesang Alan Averills bei, der - das muss man bei aller Liebe zu BATHORY zugestehen - ein genau so charismatischer und technisch viel besserer Sänger als Quorthon himself ist. Der Opener 'Forged in Blood' lässt ziemlich deutlich erkennen, dass hier der goldenen Ära unserer Musik gehuldigt wird und Kapellen wie MANOWAR und JUDAS PRIEST ihre Spuren in den Köpfen der Protagonisten hinterlassen haben. In seiner kalten Atmosphäre, musikalischen Erhabenheit und packenden Spielweise ist "Fire On The Mountain" dann doch sehr nahe an der epischen Phase BATHORYs, ohne ein wirklicher Klon zu sein. Zumindest bei mir spricht die Platte die gleichen Rezeptoren an wie "Twilight Of The Gods" oder "Hammerheart". Es soll aber auch Kollegen geben, die mehr an Hard Rock erinnert werden und TWISTED SISTER als Vergleiche anführen. Ich kann mir musikgeschichtlich dann aber doch ein weitaus größeres Übel vorstellen als Inspirationen von Dee Snider, Jay Jay und Fingers. Was dieses Album weiterhin auszeichnet, ist die Kompaktheit, die bei allen epischen Momenten stets vorhanden ist und für einen äußerst kurzweiligen Hörgenuss sorgt. Mit 42 Minuten ist "Fire On The Mountain" eine sehr stimmige Angelegenheit geworden, Füllmaterial sucht man hier vergebens. Ich bin sogar geneigt zu behaupten, dass im Prinzip Fans aller beteiligten Musiker an dem eigenen Material von TWILIGHT OF THE GODS Freude finden werden, wenngleich natürlich Black Metal hier keine Rolle spielt. Ohne wenn und aber ist diese Scheibe ein tolles Stück Heavy Metal mit einer Besetzung, die keine Wünsche übrig lässt. Anspieltipps: Forged in Blood, Fire on the Mountain, The End of History [erschienen unter: http://powermetal.de/review/review-Twilight_Of_The_Gods/Fire_On_The_Mountain,22857,22839.html ] [Review lesen]

13.11.2013 12:03 - Flying Colors: Live In Europe (2013)

10.0 / 10
Das Allstar-Ensemble FLYING COLORS setzte letztes Jahr mit dem selbstbetitelten Debüt ein großes Ausrufungszeichen, auf das eine ausgedehnte Tour mit superben Shows vor frenetischem Publikum folgte. Mit der Musik des Fünfers kann wohl jeder Fan der Akteure etwas anfangen und zusammen sind sie eine der besten Supergroups, die es in den letzten Jahren aus der Taufe gehoben hat. Falls jemand mit der Truppe noch keine Berührung hatte, sollte sich das angesichts des Personals schleunigst ändern: Mike Portnoy (TRANSATLANTIC, Ex-DREAM THEATER) drischt auf die Trommeln ein, Dave LaRue (STEVE MORSE BAND, DIXIE DREGS) besorgt einen famosen Bass, Neal Morse (TRANSATLANTIC, Solo, Ex-SPOCK'S BEARD) ist der Herr der Tasten und Gitarrengott Steve Morse (DEEP PURPLE, STEVE MORSE BAND, DIXIE DREGS) zaubert auf der Sechssaitigen. Einzig Casey McPherson (ALPHA REV, Ex-ENDOCHINE) an der Rhythmusgitarre und den Lead-Vocals ist im alten Europa bislang eher unbekannt. Das Quintett verschlug es zum Abschluss der Tour ins altbekannte 013 im niederländischen Tilburg, wo unter anderem die letzte TRANSATLANTIC-DVD gefilmt wurde. Ein guter Ort für einen Konzertfilm also. Die Herren sind auch allesamt in bester Form, wer die Tour besucht hat, wird sich an die Magie erinnern, die auf der Bühne und im Publikum omnipräsent war. Bei "Live in Europe" hat man die Atmosphäre schließlich auch so gut wie möglich einfangen können, woran so etliche Live-Scheiben auch gescheitert sind. Live funktioniert ausnahmslos jeder Song des Albums, was angesichts des musikalischen Spektrums nicht selbstverständlich ist. Bei nur einer LP hatte man ohnehin keine große Auswahlmöglichkeit. Um die Setlist für die knapp zweistündige Show zu erweitern, griff man auf Songs aller beteiligten Musiker zurück. Schließlich kann jeder bei FLYING COLORS auf ein (meistens sogar beträchtliches) Schaffen zurückblicken. Die Ballade 'Can't Find A Way' (ENDOCHINE) fügt sich ebenso nahtlos in das Programm ein wie die etwas obskure DREAM THEATER-Nummer 'Repentance' oder der SPOCK'S BEARD-Hit 'June'. Weitere Kandidaten sind 'Odyssey' (das Mike Portnoy übrigens für die Bonus-CD seines letzten Albums mit DREAM THEATER schon einmal gecovert hat) von den DIXIE DREGS und 'Spur Of The Moment' aus der Feder Dave LaRues. Selbst Jeff Buckleys Version von 'Hallelujah', das eigentlich schon zu oft gespielt wurde, ist im Programm von FLYING COLORS gut aufgehoben. Casey McPherson beherrscht die Bühne mit seiner tollen Stimme, jede Sekunde des Songs macht Gänsehaut und ehrlich gesagt habe ich diesen Song noch nie besser gehört. Ganz famos! Neben dem eigentlichen Konzerterlebnis gibt es auch die obligatorische "Behind the Scenes"-Doku, die in diesem Fall auch Schnipsel von den Proben zur Tour, Kommentare von Fans und kurze Einblicke in andere Shows der Tour gibt. Für Fans ist das immer interessant, öfter als einmal wird das Feature bei mir aber wohl nicht laufen. Einzig die Kurzinterviews mit den Bandmitgliedern sind insofern besonders interessant, dass man etwas über das Bandgefüge und sonstige Interna erfährt. Knappe zwei Stunden anspruchsvoller Rockmusik holt man sich hier also ins Haus, die es als 2-CD, DVD oder Blu-ray zu erstehen gibt. Der Klang ist superb, genau die richtige Mischung aus Perfektion und Live-Feeling. Uns lag zur Besprechung lediglich die DVD vor, deren Bildqualität ordentlich, aber nicht großartig ist. Wer im Besitz eines Blu-ray-Players ist, wird damit vermutlich besser beraten sein. Trotzdem ist "Live in Europe" ein grandioses Dokument dieser Ausnahmemusiker, die einfach fantastisch zusammen passen und mit ihrer Musik viele Musiknerds erfreuen. Und wer weiß, wann wir das live noch einmal erleben werden? [erschienen unter: http://powermetal.de/review/review-Flying_Colors/Live_in_Europe,23076,22962.html ] [Review lesen]

26.09.2013 15:34 - Haken: Mountain, The (2013)

9.5 / 10
Der Prog-Fraktion wird in den vermeintlichen schwachen Sommermonaten viel zugemutet. Das nächste Highlight für die Jahrescharts ist das neue Album von HAKEN. Endlich beim "state of the art"-Label InsideOut angekommen, ist "The Mountain" hoffentlich der große Durchbruch für das britische Sextett. Die Zeichen stehen gut, das dritte Album gilt weithin als das entscheidende. Und überhaupt: die Truppe um Sänger Ross Jennings ist so etwas wie ein Bindeglied zwischen zwei Welten. Dem herrlich lebendigen Retro-Prog auf der einen und modernem Prog-Metal erster Güte auf der anderen Seite. Um eine Vorstellung davon zu bekommen wie HAKEN anno 2013 klingt, ist ein Blick auf die Tour-Partner der letzten Jahre hilfreich: Unter anderem DREAM THEATER, ARENA, IQ und THERION haben ihre Shows von HAKEN eröffnen lassen. Keinem Klangbild kommt der Berg zu Nahe, hier und da wird man aber ein paar Ähnlichkeiten feststellen können. Dabei ist die gute Stunde Musik zusammen mit dem neuen STEVEN WILSON-Opus die abwechslungsreichste Klangkost, die mir in diesem Jahr bisher untergekommen ist. Völlig selbstverständlich münden Djent-Riffs in Ohrwurm-Refrains ('Falling Back To Earth'), beginnt ein Song als wunderschöner Choral ('Because It's There') oder begeistert eine Nummer mit Satzgesang á la GENTLE GIANT ('Cockroach King'). Dass der Kontext aber stets die Band selbst bleibt, spricht für die Qualität der Musik und die künstlerische Vision HAKENs. Das jüngste Album der Band ist wesentlich eigenständiger und stärker als die Vorgänger. Man sieht, "The Mountain" ist eine richtig vielschichtige Angelegenheit, die für meine Begriffe so ziemlich alle Facetten zeitgemäßen Progressive Metals nicht nur abdeckt, sondern auch meistert. Ein kleines Problem ergibt sich aber: Die Konkurrenz stinkt im direkten Vergleich ziemlich ab und ich werde mich bei den nächsten Prog-Veröffentlichungen immer fragen: Wieso ging das bei HAKEN so einfach von der Hand? Wirklich, manchmal kann man hören, wie sehr sich eine Band anstrengt, um einen bestimmten Sound zu erreichen oder Songs künstliche Komplexität zu verleihen. Auf "The Mountain" wirkt die Reise durch das Prog-Wunderland natürlich, ohne künstliche Haltepunkte. Mir bleibt ob der großen Klasse dieses Albums nichts anderes übrig, als eine richtig hohe Note zu zücken. Diese Platte hat bei mir einen Nerv getroffen und lässt mich nicht mehr los. HAKEN - "The Mountain". Diese beiden Begriffe sind vorerst das einzige, was Progger brauchen. Chapeau! Anspieltipps: Because It's There, Cockroach King, Falling Back to Earth, Pareidolia [erschienen unter: http://powermetal.de/review/review-Haken/The_Mountain,22674,22573.html ] [Review lesen]

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