chris der a

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Registriert seit: 12.03.2010

Zum Verkauf 3 Eingetragen 675
Bewertungen: 5 Reviews: 3
Genres: Blues, Comedy, Country, Dark Wave/Gothic, Elektronische Musik, Hardcore, House, Hörspiel/Hörbuch, Jazz, Klassik, Metal, Musical, Pop, Punk, Rap/Hip Hop, Reggae, Rock, Schlager, Singer/Songwriter/Liedermacher, Ska, Sonstiges, Soul/R&B, Soundtrack, Volksmusik/Folklore, World Music
Bewertungsverteilung von chris der a
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Die letzten Reviews

01.04.2017 15:42 - Inferno: Tod Und Wahnsinn (1983)

10.0 / 10
Dieses Album sorgt immer wieder für Gesprächsbedarf innerhalb einer meiner eigenen Bands. Und zwar immer nur aus dem Grund, dass versucht wird, zu klären, ob es sich bei dem dargebotenen Material nun um deutschen Hardcore Punk oder um Deutschpunk handelt. Irgendwie trifft beides zu und irgendwie ist es eigentlich auch egal. Denn in einem Punkt sind sich alle Beteiligten einig: Dieses Album gehört mit zum Besten, was jemals von einer deutschen Punkband veröffentlicht wurde. Einerseits läuft es schon unter dem Banner Hardcore Punk und so wurde es damals sicher auch behandelt, andererseits findet diese Platte sicher auch etliche Anhänger unter Deutschpunk-Aficionados. Für beide Lager gilt aber: 1983 war dieser Sound schon einzigartig kompromisslos und besaß eine Durchschlagkraft, die Ihresgleichen suchte. Natürlich gab es zu der Zeit bereits andere deutschsprachige Punkbands (Vorkriegsjugend, Chaos Z, etc.), die in puncto Geschwindigkeit und Härte auf einem ähnlich hohen Level agierten, dennoch ist diese Platte für mich persönlich unerreicht. Warum? Zunächst einmal muss erwähnt werden, dass die Band mit dem Music Lab Studio in Berlin unter der Regie von Harris Johns eine gute Wahl getroffen hat. Harris Johns, der sich durch etliche zeitlose Produktionen im Bereich harter Gitarrenmusik einen Namen gemacht hat, hat auch im Falle Infernos einen großartigen Job gemacht. Im Vergleich zu vielen anderen Punkproduktionen aus den frühen 1980er Jahren (z.B. sämtliche Rock-O-Rama-Veröffentlichungen mit hauseigener Produktion) klingt „Tod & Wahnsinn“ auch heute noch immer druckvoll und dynamisch. Ein weiterer Pluspunkt dieses Albums ist die durchgängig hohe Geschwindigkeit und die damit verbundene durchschnittlich doch eher kurze Spieldauer der Songs. 20 Stücke werden in ca. 34 Minuten erbarmungslos runter gehackt. Lediglich die beiden Midtempo-Songs „Tod und Zerstörung“ und das „Liebeslied“ bieten kurze Verschnaufpausen, büßen aber an Aggression und Präsenz nichts ein. Und besagte präsente Aggression ist eine weitere Stärke des Albums. Der Sound bietet genau das richtige Verhältnis von Härte und rotziger Attitüde. Glattgebügelt klingt hier gar nichts. Im Gegenteil, das Album strotzt vor Ecken und Kanten. Dies wirkt allerdings zu keiner Sekunde peinlich oder unvermögend, vielmehr trägt es zur ungestümen Attitüde des Albums bei. So muss Punk klingen: roh, ungeschliffen, kompromisslos. Highlights rauszupicken ist aufgrund der hohen Hitdichte (tatsächlich befindet sich nicht ein einziger schwacher Song auf dem Album) schier unmöglich. Dennoch gehören wohl vor allem „Wodka“, „Ziel Deutschland“, „“Steinkopf“, „Linke Sau“, „Gott ist tot“ und „1983“ zu den unsterblichen Klassikern der Band. Außerdem sei der Song „Ram it up“ explizit erwähnt, da dieser für einen Samplerbeitrag von der amerikanischen Thrash-Band S.O.D. gecovert wurde – eine Leistung, die für eine deutsche Band aus diesem Spektrum bis heute ziemlich einzigartig ist. Der Popularität im Ausland und den damit verbundenen Kontakten zum Maximum Rocknroll-Fanzine verdankt die Band eine weitere Pionierleistung: Der renommierte amerikanische Künstler Pushead (Metallica, Misfits, etc.) zeichnet sich für das Cover der Platte verantwortlich. Inferno sind dabei die erste und einzige deutsche Band, für die besagter Künstler jemals ein Cover gestaltete. Dies belegt Infernos Stellenwert für die damalige Zeit und ihre Szene ebenso wie der Fakt, dass Inferno die erste deutsche Punkband war, die eine Split-LP mit einer ausländischen Band veröffentlichte (in diesem Fall mit den Japanern von Execute im Jahr 1986). Auch fast 35 Jahre nach Veröffentlichung des Albums hat es nichts von seinem Reiz verloren. Warum Karl-Ulrich Walterbach die Band nach dem ebenfalls grandiosen „Gott ist tot“-Demotape nicht bei seinem (ursprünglich von der Band angestrebten) Aggressive Rockproduktionen-Label unter Vertrag nehmen wollte, ist mir bis heute ein Rätsel. Mülleimer Records schafften es dadurch, einen (weiteren) Klassiker zu veröffentlichen, der von der Band – trotz weiterer starker Veröffentlichungen – nie mehr übertroffen werden sollte. Bleibt also nur zu sagen: Hardcore Punk oder Deutschpunk? Völlig zweitrangig! Dieses Album ist ein Krachmanifest und ein zu Recht weltweit abgefeierter Klassiker – ganz egal, wo man ihn einzuordnen vermag. [Review lesen]

15.08.2011 01:16 - Sacred Reich: American Way, The (1990)

10.0 / 10
Ich dürfte 13 oder 14 gewesen sein, als ich mich intensiver und ausgiebig mit der im Rock Hard erschienenen Auflistung der Top 300-Alben auseinandersetzte. Damals hielt ich vor allem Ausschau nach mir bis dahin unbekannten Thrash Bands und unentdeckten Alben. Bei meiner Recherche stieß ich auf einige interessant klingende Scheiben, die auf meiner Wunschliste landen und sich später als Klassiker erweisen sollten. Schon beim wunderbar geschriebenen Review zum 1990er Sacred Reich-Werk „The American Way“ (Boris Kaiser), übte diese Scheibe eine besondere Faszination auf mich aus und aus irgendeinem unbestimmten Grund wollte ich diese Scheibe mehr als alle anderen haben. Blöderweise erwies es sich zum damaligen Zeitpunkt als schwierig, diese Scheibe in die Finger zu bekommen, dennoch blieb sie auf Platz 1 meines Einkaufszettels. Somit wurde auf sämtlichen Metalbörsen und ähnlichem in erster Linie nach diesem Stück Musik Ausschau gehalten und ich nervte diverse Händler und Stände immer wieder mit derselben Frage – „habt ihr „The American Way“ von Sacred Reich?“. Irgendwann wurde ich dann tatsächlich fündig und zog die CD voller Vorfreude aus einem Wust von Klassikern. Die Freude in meinem Gesicht ging aber direkt über in Enttäuschung und Empörung als ich das Preisschild sah. Ich weiß nicht mehr, wie hoch dieser war, aber er überschritt mein Taschengeld als Schüler doch immens. Der Verkäufer wandte sich mir zu und erklärte ganz ruhig und sachlich, dass er sich diesen Preis locker erlauben könne, da er der einzige sei, der diese Scheibe im Sortiment habe. Aus Trotz nahm ich dann von einem anderen Stand das „Independent“-Album mit, um überhaupt etwas von der Band zu besitzen. Etwas später kam ein Kumpel auf dem Bang Your Head-Festival dann mit dem Debüt der Band ums Eck und wir hörten sie im Auto voller Spannung. Mir gefiel sowohl das Erstlingswerk als auch der „American Way“-Nachfolger, aber meine Sehnsucht nach dem gesuchten Stück konnte das nicht befriedigen. Ich meine, dass es dann 2004 war, als es endlich zur erhofften Vereinigung kam. Auf einem kleinen Festival stöberte ich in Plattenkisten und hielt die LP irgendwann in meinen Händen und starrte erst mal nur das grandiose Cover an. Dann folgte ein kurzer Blick aufs Preisschild und anständige 15 Euro ließen mein Herz höher schlagen. Als ich sie bezahlte, schaute mich der Verkäufer an, nickte mir zu und kommentierte den Kauf mit den Worten „Gute Entscheidung“. Ich fühlte mich bestätigt und wusste, dass ich in diesem Moment ein großartiges Stück Musik erworben hatte. Ich schaute mir danach die Konzerte auf dem Festival an, war geistig aber eigentlich nur noch bei der Platte und ich konnte es kaum erwarten, endlich zu hören, was so lange mein Interesse geweckt hatte. Nach dem Festival also bei meinem Bruder eingefallen und nicht lange gezögert. Ein Kumpel meines Bruders kommentierte die Errungenschaft lediglich mit einem „Ach ja, ähh…Sacred Reich…Wow“. Was wusste der schon. Die Platte also endlich auf den Teller gelegt, die Nadel aufgesetzt und ab der ersten Sekunde wurde ein feuchter Traum wahr. Die Platte beginnt mit einem superben Riff, das umgehend in einen eingängigen, aber leicht verspielten Midtempo-Thrasher übergeht. Phils einsetzende markante Stimme lässt sofort erkennen, um welche Band es sich handelt. Der Text behandelt zwischenmenschliche Beziehungen, die geprägt sind von den zwei Polen Liebe und Hass und so heißt der Song treffend „Love…Hate“. Neben dem etwas vertrackten aber sehr kreativen Drumbeat, besticht der Song vor allem durch einen wundervoll getragenen C-Teil und der kleinen Hook im Refrain. Anschließend läutet ein Gitarrenfeedback den Titeltrack ein. Auch hier bewegt man sich im Midtempo-Bereich und stellt unter Beweis, dass Thrash nicht zwangsläufig hyperschnelles auf-die-Fresse-Geballer sein muss, um cool zu sein. Der Beat ist relativ straight und (vielleicht) dadurch wird der Song so eingängig. Wie der Titel vermuten lässt, behandelt der Song die Konsumgesellschaft der USA, den Kapitalismus und zweifelt die Demokratie an. Dabei ist es typisch für Phils Lyrics, dass er sich nicht in platter Phrasendrescherei ergeht, sondern sehr ernüchternd Missstände kritisiert. Der Song besticht vor allem mit seinem tollen Mitsingteil im Refrain, in dem es heißt „lady liberty rots away – no truth, no justice – the american way“. Genial! Danach folgt das von Beat und Riff her an den ersten Song der Scheibe erinnernde „The Way It Is“, welches sich mit dem Musikbusiness auseinandersetzt. Im Text wird eine Person ganz offen angesprochen, die in Musik lediglich Geld und Ware sieht, dabei aber keinerlei Leidenschaft hegt, dies aber nach außen anders darstellt. Ein weiteres Mal bewegt man sich im mittleren Tempobereich und ein weiteres Mal tut man dies souverän. Danach folgt ein Highlight des Albums: Das perfekt arrangierte „Crimes Against Humanity“. Der Song beginnt mit einem bassdrumlastigen, erneut im Midtempo-Bereich angesiedelten Schlagzeugintro, bevor Bass und Gesang einsteigen. Dass der Bass dabei lediglich einen Ton spielt ist simpel aber effektiv, während Phil hier die ersten Zeilen eines aussagekräftigen Textes, der sich mit Umweltverschmutzung befasst, durch die Kanäle jagt. Höhepunkte des über sechs Minuten langen Songs sind die großartige Hookline im Refrain, sowie das Solo im Mittelteil, welcher sich in den Uptempo-Bereich steigert und mich persönlich etwas an „…And Justice For All“ (die Platte genrell, nicht der Song) erinnert. Ein Song für die Ewigkeit. Soweit zur A-Seite. Nachdem die Platte gewendet wurde, haut es einem das straight nach vorne peitschende „State Of Emergency“ um die Ohren. Der Song ist der Beweis, dass man diverse Songfragmente mit etwas Dynamik auch oft widerholen kann, ohne dass es langweilig wird. Textlich werden politische Gefangene, die der Apartheid zum Opfer fielen und die Vorherrschaft des weißen Mannes thematisiert und kritisiert. Auch dieser Song geht etwas über sechs Minuten und wartet mit einem Uptempo-Mittelteil auf. Danach folgt mit dem balladesk beginnenden „Who’s To Blame“ ein weiteres Highlight. Aus einer ruhigen von Akustikgitarren getragenen Harmonie geht man über in eine bedrohliche Soundwand aus tiefen Toms und gedämpften Gitarren, ehe man in einen von Doublebassdrum und fetten Gitarren dominierten Refrain ausartet. Die Lyrics behandeln unter anderem die gerichtlichen Prozesse gegen Ozzy und Judas Priest, da deren Songs laut diversen Eltern Jugendliche mithilfe unterschwelliger Textzeilen zum Suizid drängen würden. Phil dreht den Spieß um und besingt die Schuld von zu hart fordernden Eltern und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die einem Teenager den Willen zu Leben nehmen. Sehr gelungene Umsetzung einer Achterbahnfahrt zwischen Halbballade und Uptempo-Thrasher. „I Don’t Know“ ist dann eine kurze und fast durchgängige Uptempo-Abrissbirne, die ein weiteres Mal durch clever akzentuierte Doublebassdrum-Salven und einen gemäßigten C-Teil besticht. Der Text beschreibt, dass man sich von anderen Menschen nicht vorschreiben lassen sollte, wie man zu sein habe, sich nicht in Schubladen oder Etikettierungen stecken lassen und stattdessen lieber selbstsicher als eigene Person auftreten sollte. Der letzte Song des Albums überrascht dann mit funkigen Klängen und einer Bläser-Section. Ein Blick ins Textblatt macht die Gründe dafür transparent. Der Song appelliert an Metalheads, die Intoleranz gegenüber anderer Musikrichtungen abzubauen und zu hören, was einem gefällt. Phil erwähnt, dass neben Metallica und Black Sabbath auch Bands wie NWA oder Prince zu seinen Favoriten zählen. Neben der mutigen lyrischen Message beweisen Sacred Reich nicht nur, dass Humor und Metal sich nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen, sondern auch, dass sie auf anderem musikalischen Terrain eine gute Figur machen. Wie lässt sich das alles unterm Strich also zusammenfassen? In erster Linie liegt mit diesem Tonträger tatsächlich ein Beweis vor, dass eine Thrash-Platte, die überwiegend im Midtempo-Bereich verankert ist genauso killen kann, wie ein voll-auf-die-Fresse-Album der Marke Sadus. Die Scheibe ist durch und durch innovativ und präsentiert Sacred Reich viel eigenständiger als noch zu „Ignorance“-Zeiten (ein ebenfalls beachtliches Album), als die Jungs in erster Linie als Slayer-Kopisten gehandelt wurden. Dennoch gibt es eben auch hier weiterhin gewisse Trademarks, die Sacred Reich so einzigartig machen. Allen voran sei Phils Gesang zu nennen, aber ebenso die Gitarrenarbeit von Wiley Arnett, dessen unverkennbarer Stil auf allen Alben besonders in den Soli prägnant ist. Daneben muss auch Drummer Greg Hall erwähnt werden, der auf dieser Platte ein weiteres Mal (und vorübergehend zum letzten Mal) zeigt, wie versiert, virtuos und kreativ er an seinem Instrument agiert. Nicht umsonst wurde er eine Zeitlang als Dave Lombardo-Nachfolger bei Slayer gehandelt. Und mit den durchgehend cleveren sozialkritischen Lyrics Phil Rinds zementieren Sacred Reich ihren Ruf als „Thinking-men“ des Thrash Metal. Zur Ergänzung sei hierzu das Promo-Tape „Uncensored Material“ erwähnt, auf dem Phil zu den Songs bzw. den Texten des Albums Erklärungen, Erläuterungen und Beweggründe abgibt. Alles in allem ist dies mein persönlicher Favorit in einer Diskografie, die durch ihren Abwechslungsreichtum besonders positiv auffällt. Im direkten Vergleich stellt man fest, dass Sacred Reich nie stagnierten und sich stetig weiterentwickelt haben, dabei aber immer Alben in höchster Qualität abliefern konnten. Mit „The American Way“ haben sie aber definitiv ihr Meisterstück abgeliefert. Dieses Album wird ums Verrecken nicht langweilig. [Review lesen]

13.07.2011 00:24 - The Verbal Abuse, Scheisse Minnelli, Shining: Speed Kills...But Who's Dying (2011)

10.0 / 10
Zugegeben, die CD habe ich in erster Linie wegen des Beitrags von Scheisse Minnelli gekauft, war aber auch gespannt auf das neue Material von Verbal Abuse. Und was soll ich dazu sagen? Die Amis von Verbal Abuse eröffnen den Silberling mit einem Hardcore-Riff der alten Schule, welches prompt in eine mitreißende Uptempo-Nummer übergeht. Die erste Scheibe „Just an american Band“ aus dem Jahr 1983 war mir bisher als einzige wirklich geläufig und weiß auch fast 30 Jahre später immer noch zu begeistern. Bereits der 86er Nachfolger „Verbal Abuse rocks your Liver“ konnte dieses Level nicht ganz halten und ging gerade auch aufgrund des Sängerwechsels bislang etwas in meiner Sammlung unter. Umso erfrischender, dass Ursänger Nicki Sicki wieder ausgegraben wurde und auf den hier vorhandenen fünf Songs mehr als nur eine gute Figur macht. Wem die erste Platte geläufig ist, ist sofort mit der räudigen Stimme vertraut, die von ihrem Rotzfaktor nichts eingebüßt hat. Ebenfalls kann als Pluspunkt verbucht werden, dass die Stücke schön old-schoolig, aber dennoch druckvoll produziert wurden und wenn sich meine Ohren nicht täuschen, auch live eingespielt wurden (bei gewissen Introriffs meine ich, den Snareteppich im Hintergrund mitscheppern zu hören). In Zeiten von überproduziertem Hardcoregeboller eine sehr angenehme Abwechslung. Dabei setzen Verbal Abuse durchgängig auf klassische schnörkellose Powerchord-Hardcorepunk-Riffs, ein paar tolle Double-Bass-Attacken, einen geilen Snare-Sound und einen konstanten Rumpelfaktor im positivsten Sinne, da (wohl ebenfalls durch das Live-Einspielen) nicht alles ultratight daherkommt, aber eben doch so, wie es soll, da es zu keinem Zeitpunkt peinlich wirkt, was da zelebriert wird. Es wird dabei nicht durchgehend aufs Gaspedal getreten, was zwar dem Titel nicht gerecht wird, aufgrund der qualitativ geilen Songs aber völlig egal ist. Und Textzeilen wie „Destroy the human race“ (in „3 Seconds“) oder „I hate motherfuckin‘ Cops“ (in „My Disease“) machen einfach Spaß. Danach kommen die bereits erwähnten Deutschamis Scheisse Minnelli, die keine Experimente machen und da anknüpfen, wo sie mit den letzten Releases aufgehört haben – und das ist auch gut so, denn die Band steht seit ihrer Gründung für Qualität. Bei den Jungs finde ich immer wieder faszinierend, wie spielerisch die einzelnen Instrumente zu einem geilen Ganzen verschmolzen werden. Die eingängigen Gitarrenriffs werden wie gewohnt garniert mit cleveren Drumfills und verspielten Basslines, die nicht immer einfach nur konform neben der Gitarre herlaufen. Und wer einmal in den Genuss kam, die Band live zu sehen weiß, dass dies von den Instrumentalisten scheinbar ganz easy aus dem Ärmel geschüttelt wird. Trotz der vielen kleinen Spielereien bleiben die Songs ruck zuck im Ohr hängen. Über allem thront das Organ von Sänger Samuel el Action (Pluspunkt auch für dieses Pseudonym), welches das Material zu einer geilen Mischung aus Hardcore- und Skatepunk mit einem Schuss Thrash macht. Scheisse Minnelli brillieren mit vier Musikern, von denen jeder Einzelne weiß, was zu tun ist, um das Beste aus jedem Song rauszuholen und damit das Talent haben, einen Hit nach dem anderen abzufeuern. Dank der passenden Produktion von Archi Alert (ex-Inferno/ex-Terrorgruppe) passt auch hier ein weiteres Mal der Sound, der ordentlich schiebt. Die Songs befinden sich dabei während der meisten Passagen im Uptempobereich und „Can’t remember“ kann sogar mir Blastbeats aufwarten. Den Abschluss bilden die fünf Songs der Holländer The Shining (nicht zu verwechseln mit den schwedischen Spinnern von Shining). Diese Band hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm und war daher umso gespannter, was mich da wohl zum Schluss erwarten wird. Doch alle Ängste, dass es ein Scheiß sein könnte wurden mit dem ersten Riff komplett zerstört. Was hier geboten wird, ist feinster Crossover Thrash. Schon bei den ersten Tönen lassen Bands wie Municipal Waste oder Oss! grüßen. Die Musik ist dabei sehr rifforientiert und diese sind reinster Uptempo-Thrash, wie er besser nicht sein könnte. Die klugen Arrangements, der Gesang und die Spielzeiten geben dem ganzen aber den nötigen Hardcore-Touch, so dass eine coole Mischung aus Geschwindigkeit und allesvernichtender Aggression entsteht. Dabei hat man das Gefühl, dass die Jungs die geilsten Thrash-Riffs der letzten 30 Jahre einfach schneller spielen und sie zu Songs unter der 2-Minutengrenze (lediglich „And then they die“ überschreitet diese knapp) verarbeiten. Großartig sind dabei auch die geschickt eingesetzten Gangshouts, sowie der Gesang allgemein. Bemerkenswert außerdem, wie ultratight die Band scheinbar mühelos agiert. Und auch hier passt der Sound, der die Songs genau zu dem macht, was sie sein sollen, dabei aber trotzdem nicht überproduziert oder zu glatt tönt. Diese Truppe bekommt einen Bonus dafür, dass sie mich überrascht und weggeblasen hat. Man sollte die Burschen im Auge behalten. Insgesamt bleibt also festzuhalten, dass die 15 Songs mit einer Spielzeit um die 28 Minuten Lust auf bierselige Nächte und old-schoolige Moshpits machen und, dass bei keinem der Beiträge ein bestimmtes Highlight auszumachen ist, da die Qualität einfach durchgängig hoch ist. Bei der Platte stimmt einfach alles und sie läuft bei mir seit ihrer Ankunft völlig zu Recht auf Dauerrotation und noch immer keine Spur von Langeweile, einem Durchhänger oder sonst irgendwas, was nicht richtig wäre. Lediglich auf Vinyl wäre die Freude noch größer, aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben. Diese Scheibe sollte man unbedingt immer komplett am Stück auf voller Lautstärke hören! [Review lesen]