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#1 24.05.2015 09:25:32

rascas
Mitglied
Registriert: 23.05.2015
Beiträge: 3

Original oder Fälschung?

Nachdem ich mich bei Euch angemeldet habe möchte ich direkt en Thema anstossen, was mich aktuell umtreibt:

Bei meiner Reise durch die Jazz Welt bin ich an der CD "The Complete Legendary 1938 Carnegie Hall Concert" von Benny Goodman hängen geblieben.

Klar! Irgendwann stolpert man automatisch darüber. Ist aber auch eine g... Scheibe. Das einzige, was einem natürlich negativ auffällt: Die Tonqualität ist bei Vorkriegsaufnahmen sagen wir mal nicht ganz so ausgereift.... Dieses Konzert (wie auch die Aufnahmen von Glenn Miller z.B.) werden niemals in dem Glanz erstrahlen, der Ihnen gebührt.

Also was tun?

Bei meiner weiteren Recherche bin ich auf eine CD des "Swing Dance Orchestra" gestossen, welche den ambitionierten Versuch unternimmt, genau dieses Konzert 1:1 nachzuspielen. Auf zeitgenössischen Instrumenten unter ähnlichen Bedingungen aber mit neuester Aufnahmetechnik. Kann so etwas gutgehen? Ist es das wert?

Die Kritiken zu der Platte hören sich eigentlich ganz positiv an. Allen Beteiligen ist klar, dass da weder Benny Goodman noch Count Basie noch Gene Krupa noch Lester Young usw. "in the house" sein können. Es handelt sich aber offensichtlich um eine Truppe mit Erfahrung und jede Menge Spass an der Sache.

Die kleinen Schnipsel, die man sich vorab anhören lassen sind vielversprechend. Also habe ich mir diese Platte einfach mal bestellt. Sie wird in den nächsten Tagen hier auflaufen und ich bin sehr gespannt, was das im direktem Vergleich heißt.

Im schlimmsten Fall werde ich mich mit Grausen abwenden. Im besten Fall ist das eine gute Ergänzung zum Original-Konzert. Ausreichend wäre es, wenn die neue Einspielung einfach die gute Mucke entsprechend rüberbringt und Spass macht.

Wie seht Ihr das? Frevel oder lohnenswert?

Man könnte so etwas ähnliches mit Glenn Miller auch veranstalten. Es gibt schließlich die Glenn Miller Revival Band... Dort stelle ich es mir sogar einfacher vor, weil es mehr durchkomponiert ist und weniger Improvisation gibt.

Bitte nicht falsch verstehen! Das Ganze ist für mich nur eine kleine Spielerei am Rande. Natürlich bin ich IMMER lieber bei den Originalen...

Es gibt aktuell noch ein (gut kritisiertes) Beispiel: Kind of cool von Wolfgang Haffner. Ich halte die Aufnahmequalitäten ab spätestens Mitte der 50er für so gut, dass einfaches "nachspielen" hier keinen Vorteil bringt. Da muss schon ein neuer Aspekt der Musik hinzugefügt werden, damit es Sinn ergibt. Das scheint bei dieser Aufnahme der Fall zu sein...


Gruss


Michael

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#2 24.05.2015 12:37:20

prankowski666
¡Viva la reacción!
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Registriert: 25.11.2004
Beiträge: 50.620

Re: Original oder Fälschung?

rascas schrieb:

Kann so etwas gutgehen? Wie seht Ihr das? Frevel oder lohnenswert?

Nö. Locker. Sicher nicht, vielleicht. tongue

Oder in ein paar Worten mehr: ich habe von Jazz zwar keine Ahnung, wenn ich dieses Szenario aber z. B. mal auf den Klassik-Bereich umlegen wollte, meine ich mit ziemlicher Sicherheit ausschließen zu können, daß jemand 2015 meinetwegen ein Toscanini-Dirigat in besserer Klangqualität 1:1 reproduzieren könnte. Dafür steckt dafür darin viel zu viel Künstlerpersönlichkeit und Momentanes. Und ich wette, selbst Benny Goodman selbst hat sich einen Abend später auch schon nicht mehr 100%ig so angehört wie auf besagter Aufnahme.

Eigentlich sollte sich das auch nicht auf Jazz oder Klassik beschränken, sondern auch auf jede andere Art von handgemachter Musik übertragen lassen.

Nichtsdestotrotz kann der Versuch sicher Spaß machen, und da von 'Frevel' zu sprechen hielte ich eher für albern. smile

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#3 08.06.2015 17:34:25

rascas
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Registriert: 23.05.2015
Beiträge: 3

Re: Original oder Fälschung?

So! Jetzt bin ich ein Stück weiter.

Habe mir die Glenn Miller Revival CD "Best of Live" bestellt und angehört.

Zwiespältiger Eindruck! Natürlich sind das die bekannten Stücke in guter Tonqualität. Allerdings will der Funke nicht so recht rüber springen. Wahrscheinlich ist es nicht einfach, den Glenn Miller Sound zu treffen. Es liegt meiner Meinung nach auch daran, dass Glenn Miller Stücke speziell lizensiert werden. Nur ausgesuchte Orchester dürfen diese Stücke veröffentlichen. Das Glenn Miller Orchestra directed by Will Salden darf zwar kann aber vielleicht nicht besser?

Live ist das bestimmt ein Vergnügen aber auf CD überzeugt es mich nur bedingt...

CD Nummer 2 hat mich heute erreicht:

Swing Dance Orchestra directed by Andrej Hermlin plays Benny Goodman's Carnegie Concert 1938 (Im Untertitel: The first re-recording after 65 years)

Das kann doch eigentlich nur schiefgehen, oder? Tut es meiner Meinung nach nicht!

Hier merkt man, dass sich Andrej Hermelin und die beteiligten Musiker einen Herzenswunsch erfüllen. Da kommt Spass und Können zusammen. Meiner Meinung das schwierigere Unterfangen grandios gelöst! Chapeau!

Diese CD macht (zumindest mir) richtig Spass. Es ging dem Orchester nicht um die Noten-getreue Umsetzung sondern um die Atmosphäre des Originals. Ebenso wie die obige CD live eingespielt springt hier der Funke über.

Ich werde diese CD bestimmt öfters auflegen (und vielleicht mal 1:1 mit dem Original vergleichen). Habe auch Lust mir mehr Musik von diesem mir vorher unbekannten Orchester zuzulegen. Schön, dass es noch Musiker gibt, die diese Art Musik zelebrieren. Meines Erachtens lohnt sich die "große Besetzung" in heutiger Klangqualität besonders.


Gruss


Michael

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