Summer Breeze 2007

Dieses Jahr war es das erste Mal soweit: das Summer Breeze im südlich gelegenen Dinkelsbühl wurde besucht. Mit Bands wie Bolt Thrower, Suffocation, Immolation, The Black Dahlia Murder und vor allem Disillusion konnte das Festival selbst einen Festivalmuffel wie mich zum Aufbruch bewegen (was immerhin gute 500 Kilometer Fahrt bedeutete).

Los ging es in Osnabrück bereits am Mittwoch Mittag, da man am Donnerstag bereits um 13:30 mit Swallow The Sun die erste Band sehen wollte, was bei einer Anreise erst am Donnerstag Morgen verdammt knapp geworden wäre. Und wie sich später herausstellen sollte, war das die weiseste Entscheidung die wir machen konnten, denn am Donnerstag standen Anreisende wegen der schlechten Campingplatz-Verhältnisse teilweise mehrere Stunden im Stau. Aber auch der Mittwoch war wegen vieler nerviger Baustellen auf der A7 nicht gerade ein angenehmer Tag zum Anreisen. Gegen 18:30 erreichten wir dann aber endlich das Summer Breeze Gelände. Während die drei Autofahrer für den Securitycheck vor den Autoschleusen warteten, machte sich der Rest bereits mit dem nötigsten Sachen auf, um einen guten Zeltplatz zu erhaschen. Auch dies war unbewußt eine weise Entscheidung, denn als wir nach ca. einer Dreiviertelstunde durch den Check durch waren, hatten die anderen bereits einen Zeltplatz auf einem der vorderen Zeltplätze, direkt neben dem VIP-Zeltplatz erwischt. Dies bedeutete nicht nur kurze Wege für uns, sondern auch relativ wenig „Durchgangsverkehr“ anderer Festivalbesucher. Die Dämmerung war bereits hereingebrochen, als wir endlich unser Lager stehen hatten und grob das Gelände erkunden konnten. Im Partyzelt spielte die Band Justice ihren Coverset (am Samstag sollten sie dann ihre eigenen Stücke auf der Main Stage präsentieren) und nachdem wir uns kulinarisch erstmal gestärkt hatten, schauten wir uns noch kurz die für uns nicht wirklich interessanten Powerwolf an, nur um danach todmüde in die Schlafsäcke zu fallen. In der Nacht fing es dann leider kräftig an zu regnen und zu stürmen, so dass am Donnerstag das ganze Gelände sehr matschig und nass wurde. Hierbei nochmals besten Dank an unsere Zeltnachbarn, deren Bulli zufälligerweise so günstig stand, dass unser Pavillon nicht komplett weggeweht wurde, sondern wieder mit viel Klebeband zusammengebaut werden konnte. Von da an sollte das Wetter aber immer besser werden und am Samstag konnte man sich wieder locker einen Sonnenbrand holen, wenn man nicht aufpasste. Aber nun zum wichtigsten: die Bands.

Donnerstag

  • Swallow the Sun: sehr intensive, wenn auch nicht unbedingt Open Air kompatible Musik. Die werde ich auf CD/LP mal genauer anchecken.
  • Immolation: musikalisch wie immer sehr geil, aber leider hatten sie einen miserablen Sound. Der Gesang ging manchmal im extrem basslastigen Brei völlig unter.
  • The Black Dahlia Murder: schnell, brachial, gut. Die Jungs machen einfach Spaß.
  • Suffocation: Auch ein sehr geiler Auftritt, zum Glück mit einem besseren Sound als bei Immolation. Gespielt wurden Sachen vom Debüt bis hin zur aktuellen Scheibe.
  • Nevermore: neben dem Aushilfsbasser boten sie auch eine etwas ungewöhnlichere Songauswahl, da auch Sachen gespielt wurden, die sie live schon lange nicht mehr gebracht haben. Dadurch hob sich der Auftritt aber auch wohltuend von der Setlist der letzten Tour ab.
  • Amon Amarth: musste ich leider aus Gruppenzwang heraus notgedrungen mit anschauen. Musikalisch belanglos wie immer, die Show riss aber einiges heraus. Auf der Bühne war ein Wikingerboot als Drumpodest aufgebaut, es gab viele Pyro-Effekte und die auf dem Festival anwesende Wikinger-Gruppe machte während einiger Songs noch ein paar Show-Einlagen auf der Bühne. Nur der Drummer lag mehr als einmal völlig neben der Spur…

Freitag

  • Dagoba: moderner Thrash Metal aus Frankreich. Eher aus Neugierde angeschaut, entpuppten sich die Jungs als echte Überraschung. Energiegeladene Songs zum Headbangen und sie schafften es tatsächlich um kurz vor 12 Mittags einen Circle-Pit an den Start zu bringen. Die werde ich im Auge behalten!
  • Illdisposed: die habe ich nur zur Hälfte von der anderen Bühne aus betrachtet, da ich dort gerade einen günstigen Platz für Disillusion erwischt hatte. Ein typischer Auftritt von den Dänen, aber irgendwie machen sich bei denen doch mittlerweile extreme Abnutzungserscheinungen bemerkbar.
  • Disillusion: der Hauptgrund warum ich überhaupt zum Summer Breeze gefahren bin. Anfangs gab es ein paar Soundprobleme, aber dann fing sich das und bis auf einen Song wurde ausnahmslos Material von der grandiosen „Gloria“ Scheibe gespielt. Sehr geiler Gig, aber die möchte ich doch gerne mal länger in einem kleinen Club sehen.
  • Necrophobic: ich bin nicht so der große Fan der Band, aber der Auftritt war okay.
  • Volbeat: Party! Die rockten wieder mal alles weg!
  • Bolt Thrower: einfach nur unfassbar geil! Ein Mördersound, eine super eingespielte Band und fast alle Hits die man sich wünschen kann. Der absolute Hammer! Bereits nachmittags war deren Merchandise-Zelt belangert von Fans, dass man da kaum sehen konnte, was eigentlich alles angeboten wurde. Das war wahrscheinlich der beste Gig den ich je von dieser Band gesehen habe!

Samstag

  • Helrunar: die Musik von denen ist ja eigentlich nicht mein Ding, aber als Live-Band sind die sehr überzeugend. Und zu ihrer eigenen Überraschung traf sich um halb 12 Morgens schon eine imposante Menschenmenge vor der Bühne ein.
  • Secrets of the Moon: mit ihrem Material bin ich auch überhaupt nicht vertraut, war dann aber dennoch überrascht, wie gut die Musik live auf dem Open Air funktionierte. Musikalisch bestens eingespielt, interessante Songs, nur der zweite Gitarrist passt live irgendwie nicht so ganz ins Gesamtbild. Während Sänger/Gitarrist und Bassist eine Einheit bilden, könnte der zweite Klampfer mit seinem Rockstar-Posing eher zu einer Rock ’n‘ Roll Band gehören…
  • Communic: die waren leider auch nicht mit einem optimalen Sound gesegnet, aber der Auftritt war schon deutlich besser als der eher mittelmäßige Gig letztes Jahr im Osnabrück. Zumal der Sänger deutlich an Selbstbewußtsein gewonnen hat und sich nicht mehr so zurückhält, sondern die Massen auch mal richtig anfeuern kann.
  • Tankard: naja, Tankard halt. Gerre präsentierte mehrmals seine Wampe, gespielt wurden die üblichen Hits und es gab lauter dumme Sprüche. Wie man die Jungs halt so kennt und mag.
  • Dark Tranquility: zeigten sich extremst beeindruckt von der Menschenmenge vor ihnen und belohnten es mit einem feinen Auftritt. Allein schon durch den Sänger eine sehr sympathische Band.
  • Soulfly: Überraschung Nummer zwei. Auf deren CDs gab es ja immer nur 2-3 Hits und viel Füllmaterial (bis auf die letzte „Dark Ages“ Scheibe, die knallt von vorne bis hinten), aber der Auftritt hier war einfach phänomenal. Soulfly hatten den wohl besten und differenziertesten Sound am ganzen Wochenende (zumindestens von unserer Position aus) und legten einen extremst energiegeladenen Gig hin. Außerdem gab es noch die Sepultura Hits „Roots Bloody Roots“, „Refuse/Resist“ und „Inner Self“(!!!!!!!!) und spontane Jam-Einlagen weil Max nicht 100%ig bei bester Stimme war. Ich hab eigentlich nicht viel erwartet, aber danach war ich vollkommen begeistert.

Ansonsten kann man sich übers Summer Breeze nicht großartig beschweren. Die Security war manchmal heftigst verwirrt, aber immer freundlich (zumindestens die, die wir erwischt haben), das Angebot was Essen und Trinken anging sehr breit gefächert und soweit ich das mitbekommen habe, gab es auch keine großartigen Krawallen. Nur was richtige Metal-Partys angeht, müssen die da unten noch was lernen. Als wir am letzten Tag die Metal Hammer Party antesten wollten, bot sich eher folgendes Bild: ein Haufen von DJs stand auf der Bühne, vor ihnen die Festivalbesucher, die die DJs eher wie eine Band anfeuerten. Sich bewegt oder gemosht hat da aber keiner. Dat kenne ich aber anders…

Anekdoten am Rande:

  • irgendwelche Typen, die sich den Kopf und die Füße von dem Spanferkel vom Wikingerdorf geschnappt haben, das an eine Gießkanne befestigten und das dann bei Necrophobic vor die Bühne trugen.
  • eine komische Truppe, die eine besondere Festival-Sportart präsentierten: das „Kraut-Surfen“. Die hatten wirklich eine Rutschbahn und ein Planschbecken aufgebaut, das mit Sauerkraut vollgepackt und die Leute sind da drüber gerutscht (YouTube Video). Ich war selber nicht vor Ort sondern musste mir das alles erzählen lassen, aber das soll wohl eine sehr obskure und amüsante wie auch ziemlich ekelhafte Angelegenheit gewesen sein. Der Gestank war jedenfalls Stunden nach dem ganzen noch in der Luft.
  • Mein Kollege, der nach meinen Beschreibungen über die Duschen am Donnerstag morgen meinte: „Ach deswegen sind die Haare nass. Ich dachte du hättest hier im Regen gestanden…“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.