:Wumpscut: Evoke (2004) - ein Review von DarkForrest

:Wumpscut:: Evoke - Cover
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6.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Dark Wave / Gothic: EBM


DarkForrest
09.01.2023 20:34

Das Review zu Rudy Ratzingers 2005'er Album "Evoke" ist für mich ein ziemlich umfangreiches Projekt. Das hat zwei Gründe: einmal, weil es ziemlich viel Material um das Album herum anzuhören gab, aber vor allem auch, weil ich mit "Evoke" nie so ganz warm geworden bin. Lustigerweise war der Vorgänger "Bone Peeler" bei vielen Fans offenbar nicht so beliebt, was mich etwas verwundert hat. Klar: es war jetzt nicht super innovativ, aber für mich eine echt runde Sache. Auf der anderen Seite scheint "Evoke" deutlich beliebter zu sein, während ich mich lange Zeit wirklich schwer mit dem Album getan habe. Vieles daran hat mich regelrecht abgeschreckt und obwohl ich immer mal wieder halbherzig versucht habe, es mir am Stück anzuhören, wollte der Funke nie so recht überspringen.

Aber vielleicht habe ich mir ja auch einfach nie genug Zeit genommen, um mich mal etwas tiefer mit "Evoke" zu befassen und dem Album nie die Liebe gegeben, die es verdient. Von daher könnte das Review vielleicht die Gelegenheit sein, meine Meinung noch einmal zu überdenken. Wie immer habe ich das Album die letzten Wochen rauf und runter gehört, mir jeden Song und Remix sehr bewusst gegeben und alles immer mal wieder im Hintergrund laufen lassen und zumindest kann ich jetzt schonmal sagen, dass es sich insoweit gelohnt hat, dass ich doch ein paar interessante Aspekte von "Evoke" entdecken konnte, die mir vorher verborgen waren.

Aber vielleicht klären wir erstmal, was an dem ganzen Ding so sehr anders klingt als zum Beispiel an einem "Bone Peeler". Am stärksten sticht hier auf jeden Fall der Sound oder eher sogar schon das Genre hervor. Während "Bone Peeler" innerhalb der experimentellen Phase von :Wumpscut: wahrscheinlich das konventionellste Album war, hat "Evoke" auf jeden Fall einen sehr eigenen Stil. Ich glaube, ich habe den Sound auf "Wreath Of Barbs" als eher clean, kalt und steril bezeichnet. "Evoke" geht da nochmal drei Schritte weiter. "Wreath Of Barbs" hat sich trotz allem noch eine gewisse Härte und EBM-Nähe bewahrt, während hier alles sehr glatt wirkt und teilweise ziemlich starke Einflüsse von Popmusik eine große Rolle spielen. Wie schon auf "Wreath Of Barbs" hat Ratzinger sich reichlich weibliche Unterstützung bei den Vocals geholt, diesmal die eigenen Vocals aber drastisch zurückgefahren. Bei mehreren Songs übernimmt er lediglich die Backing Vocals, drei der 11 Songs sind komplett instrumental und wenn er dann doch mal zu Wort kommt, dann oft mit einem weniger harten Klang in der Stimme.

Für mich macht das alles "Evoke" eher schwerer zu konsumieren, wobei ich mir natürlich vorstellen kann, dass das Album für die meisten dadurch eher zugänglicher werden dürfte. Ein paar Songs wären meiner Meinung nach sogar fast schon radiotauglich gewesen, wobei wir hier natürlich insgesamt immer noch ein :Wumpscut:-Album vor uns haben und das Gesamtwerk wahrscheinlich immer noch weit davon entfernt sein dürfte, etwas für den Mainstream zu sein. Recht passend hervorgehoben wird das alles durch das sehr steril wirkende Albumcover. Auf allen Releases rund um "Evoke" finden wir ein schlecht gerendertes Monster vor leerem weißen Hintergrund, welches mit seinen nicht vorhandenen Texturen so aussieht, als würde es aus einem Videospiel aus den frühen 90'ern stammen. Fairerweise muss man sagen, dass 2005 auch nun schon wieder lange her ist, aber ich fand das Ding auch damals schon potthässlich.

Aber wichtig sind ja die inneren Werte und davon gibt es diesmal wirklich viele. Schon die Basis-Version mit ihren 11 Songs ist knapp eine Stunde lang. Die 2-CD Version mit den ganzen Remixes überschreitet die 2-Stunden-Marke dann locker. Auf Wunsch gab es mit der "Evokebox" noch eine 12'' Vinyl-Single und eine Mini-CD dazu, die beide auch separat erhältlich waren und natürlich erschien im Vorfeld auch die obligatorische "DJ Dwarf". Außerdem gab es noch eine obskure Single namens ":Blondi:". Für heute belassen wir es aber erstmal bei der Doppel-CD. Eine angenehme Überraschung ist hier übrigens die Verteilung der Remixes. Bis auf die drei Instrumentals hat jeder Song mindestens einen Remix spendiert bekommen und mehr als drei Remixes für einen Song werdet ihr hier nicht finden. Das macht die Remix-CD deutlich besser am Stück hörbar als die letzte Remix-CD mit ihren "Your Last Salute" Overkill.

Gehen wir doch mal alles Song für Song durch und vergleichen die einzelnen Versionen. "Maiden" startet direkt mit einer gewissen Jane M., welche den Großteil der Vocals des Songs übernimmt. Sie wird immer mal wieder auftauchen und Ratzinger beim Singen Gesellschaft leisten. Während sie auf dem Rest des Albums eher mal den ruhigen Gegenpol zu Ratzinger bildet, wirkt ihr Gesang bei "Maiden" fast schon auf eine aufdringliche Art fröhlich. Sie spielt hier definitiv die Hauptrolle und sowohl die Musik als auch Ratzingers Background Vocals sind eher einfach gehalten, um Jane M. mehr zur Geltung zu bringen. Als Intro wirkt das eher ungewöhnlich, aber man erkennt zumindest direkt, in welche Richtung das Album gehen soll. "Maiden" ist vielleicht sogar von allen Songs auf "Evoke" derjenige, der am unnatürlichsten klingt, da er zwar poppig, aber immer noch leicht aggressiv ausfällt. So als wollte jemand, der immer harte EBM- und Industrialmusik gemacht hat, auf Krampf einen Popsong aufnehmen. Erinnert mich fast an das Cover zu "All Cried Out" damals, nur dass dieses ironisch war, während "Maiden" ernst gemeint ist. Es klingt für mich noch nicht einmal direkt schlecht und ist auch wirklich mal was anderes, hat aber einen sehr seltsamen Vibe.

Die "Nesorton (VS :W:)" - Version vom selben Song klingt etwas weniger exzentrisch. Alles kommt etwas ruhiger daher, die weiblichen Vocals wurden leicht überarbeitet und klingen etwas weicher, die Vocals von Ratzinger fehlen fast ganz und die Musik klingt etwas gesetzter. Dadurch klingt "Maiden" in dieser Version ein wenig runder, aber auch etwas langweiliger als im Original. In der Version von Laittog wird dagegen ein komplett anderer Ansatz verfolgt. Der Song klingt deutlich aggressiver und diesmal sind lediglich die Vocals von Ratzinger zu hören. Fast so als wäre das Ziel, den Song so abzumischen, dass er möglichst wie ein klassischer :Wumpscut:-Song klingt. Das funktioniert allerdings nur bedingt und will am Ende nicht so recht passen.

Viiiel mehr Potenzial hat da schon der zweite Song "Churist Churist". Die Musik kommt angenehm leicht daher, während Ratzinger mit seinen Vocals ein ordentliches Gegengewicht schafft. Derart inbrünstig und aggressiv hören wir ihn selten auf "Evoke". Noch interessanter wird das Ganze durch ein paar gut platzierte Samples und die Tatsache, dass er den Song in einer selbst ausgedachten Fantasiesprache singt.
"Churist Churist" ist im Original für mich ein absolutes Highlight auf "Evoke" - umso beeindruckender, dass Recently Deceased mit ihrer Version locker mithalten können. Eigentlich würde ich es eher als ein Cover bezeichnen. Diesmal haben wir auf der einen Seite schwere stampfende Industrialmucke und auf der anderen Seite weibliche Vocals, die mich stark an Aleta Wellings Auftritte auf früheren :Wumpscut:-Alben erinnern. Ein absoluter Traum! Brain Leisure und Sacdar haben es da schwer, mitzuhalten, wo die Messlatte jetzt schon so hoch liegt. Beide Versionen ähneln sich recht stark und haben daraus instrumentale und gut tanzbare Remixes gemacht. Ich kann mir beides sehr gut anhören, wobei die Version von Sacdar fast schon wie eine erweiterte Version vom Brain Leisure Remix klingt. Insgesamt finde ich die Version von Sacdar aber etwas stimmiger.

Wirklich poppig wird es dann mit "Don't Go". Jane M. und Ratzinger liefern sich hier ein Duett und auch wenn die Idee sicherlich ganz süß ist, langweilt mich die Umsetzung sehr. Musikalisch klingt alles sehr flach und eintönig und die Tatsache, dass der Song fast eine Minute Intro benötigt, bis er so richtig loslegt, macht die Sache nicht besser. Die Vocals von Jane M. haben mir zu viel Hall in der Abmischung, aber wenigstens macht sie einen besseren Job als Ratzinger, der hier beim Singen weniger so klingt, als wollte er sein Gegenüber davon überzeugen zu bleiben, sondern eher als wäre er ähnlich gelangweilt wie ich. Die eher kurz gehaltenen Lyrics setzen auch eher auf sich ständig wiederholende Hooks, die sich zwar schnell im Kopf als Ohrwurm festsetzen, aber in dieser Form schnell nerven.
Immerhin findet sich auf der Remix-CD eine Version direkt von :Wumpscut:, mit der Rudy ein paar seiner Fehler selbst beheben konnte. Musikalisch gibt es jetzt ein etwas passenderes Fundament, die Vocals von Jane M. sind deutlich besser abgemischt und die von Ratzinger fehlen ganz. Immer noch kein wirklich guter Song, für mich aber auf jeden Fall die bessere Version. Ich würde sogar sagen, dass man insgesamt besser gefahren wäre, wenn man einfach diese Version auf CD 1 gepackt und die andere ganz weggelassen hätte.

Ein Song, der bei mir nach ein paar Mal hören wirklich besser geworden ist, ist der Titeltrack. Beim oberflächlichen Drüberhören ist der mir früher nicht so sehr im Gedächtnis geblieben, aber mittlerweile konnte er seine Wirkung bei mir voll und ganz entfalten und ich bin sehr angetan. Ein eher ruhiger Song, der mich irgendwie hypnotisiert hat. Die Naked Beat Version gefällt mir dagegen nicht ganz so gut. Normalerweise kenne ich es so, dass die Remixes von Naked Beat den Song eher stark vereinfachen, wie der Name schon sagt, die Beats in den Vordergrund rücken und damit minimalistische Unterhaltung versprechen. Bei "Evoke" würde der Song stattdessen eher mal mit Effekten und sonstigen Zeugs zubombardiert, sodass mir das Gesamtergebnis einfach zu überladen wirkt.

Mit "Tomb" haben wir unser erstes Instrumental - ein melancholisches Zusammenspiel aus Violine und elektronischen Klängen und wer meine Reviews kennt, weiß, dass ich das liebe. Das einzige, was ich "Tomb" anlasten könnte, wäre die Tatsache, dass es sehr ähnlich klingt wie damals "Draussen" auf "Boeses Junges Fleisch" - vielleicht insgesamt etwas cleaner und harmonischer. Im direkten Vergleich mag ich "Draussen" mit seinen Ecken und Kanten mehr, aber insgesamt kann ich "Tomb" eine Menge abgewinnen.

Mit "Hold" wird es dann wieder sehr poppig. Im Prinzip bietet "Hold" fast das Gleiche wie "Don't Go" inklusive aller Stärken und Schwächen. Mich konnte es leider nicht so recht überzeugen, aber ich bin ziemlich beeindruckt von dem, was andere Projekte daraus gemacht haben. Zuerst einmal hätten wir die Version von Yendri. Das Original wurde in seiner Grundstruktur nicht wahnsinnig stark verändert, allerdings wurde so einiges an Effekten hinzugefügt, was den Song ziemlich schräg und teilweise verzerrt klingen lässt. Fast ein wenig wie die F/A/V Remixes auf "Bone Peeler" nur nicht ganz so abgefuckt, aber auf jeden Fall genug, um "Hold" etwas interessanter klingen zu lassen. Wirklich schwer beeindruckt hat mich aber die Version von Kirlian Camera - ebenfalls ein Cover. Schon alleine die Musik wirkt so viel interessanter und dynamischer als beim Original. Auch die Sängerin macht aus dem Material deutlich mehr als Jane M.. Okay, vielleicht ist der Vergleich etwas unfair, zumal es wohl zum Konzept vom Original gehört hat, die Lyrics bewusst emotionslos vorzutragen (zumindest gehe ich davon aus), während die Sängerin von Kirlian Camera deutlich mehr mit ihrer Stimme transportieren kann. Abwechslungsreich ist das Ganze auch noch und mit einer kleinen orchestralen Passage als Bonus am Ende kann mich diese Version für die gesamte knapp 7.45 Minuten Laufzeit begeistern. Ganz stark! Naked Beat haben es mit ihrem Remix natürlich schwer, dagegen anzukommen, aber immerhin besinnen sie sich hier auf ihre Stärke, die Beats in den Vordergrund zu rücken und schaffen ein deutlich solideres musikalisches Grundgerüst als wir es im Original haben. Damit wäre "Hold" glaube ich der erste :Wumpscut:-Song mit drei Remixes, die alle drei deutlich besser sind, als das Original, an den ich mich erinnern kann.

Das nächste Instrumental nennt sich "Krolok" und lebt von recht minimalistischen Klängen mit gut platzierten Samples. Genretechnisch kratzt es schon fast am Ambient und wenn die Produktion nicht ganz so sauber wäre, dann würde es fast schon so wie die ganz frühen Werke von :Wumpscut: klingen. Als kleinen Einschub zwischen den Songs finde ich es wunderbar. Einzeln hat es aber keinen wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Mit "Breathe" haben wir gleich das nächste Instrumental, welches sich aber kaum stärker von "Krolok" unterscheiden könnte. Zuerst einmal: nachdem "Bone Peeler" inhaltlich nicht übermäßig kontrovers war, hätte ich nicht unbedingt damit gerechnet, ausgerechnet auf "Evoke" einen Song zu finden, der etwas heftiger ist, aber Samples aus dem Film "Betrayed" sorgen dafür, dass man ihn vielleicht lieber nicht in der Playlist haben möchte, wenn man Besuch hat. Falls ihr euch nicht daran stört, dass er in seinem Schock-Faktor sehr offensichtlich ist, bekommt ihr aber einen richtig ordentlichen tanzbaren Techno-Song und damit auch den einzigen seiner Art, der sich auf "Evoke" finden lässt.

Dann hätten wir noch "Rush". Obwohl der Song ein paar ganz nette Momente hat, wie zum Beispiel eine Sirene, die ganz gut in den Song integriert wurde oder einen sehr eingängigen Refrain, fehlt mir hier ein bisschen das Besondere. Er sticht auf "Evoke" eher mal dadurch hervor, dass er vergleichsweise hart ist und Ratzinger alleine an den Vocals beteiligt ist. Auf einem anderen Album würde es sich sicher ganz gut als Opener machen. Auch "Rush" hat die klassische Naked Beat Behandlung bekommen und das ist auch recht gut gelungen. Als Quasi-Instrumental in minimalistischer musikalischer Ausführung klingt es angenehm unheilvoll und düster. Suicide Commando haben ebenfalls auf einen instrumentalen Ansatz gesetzt, aber daraus einen fröhlich vor sich hinstampfenden Industrial-Song gemacht. Etwas simpel vielleicht, aber ein Remix, der mir gute Laune macht. Dismantled haben dagegen das Original deutlich erweitert und aufgemotzt. Diese Remix ist quasi ein "Rush" auf Steroiden - gleicher Song, aber lauter und brutaler. Warum auch nicht? Passt ganz gut zur Thematik, aber ist mir fast schon too much.

Ganz unauffällig auf vorletzter Stelle versteckt sich "Perdition" - ein Song, der sich eindeutig auf das falsche Album verirrt hat. Als wuchtiger, dunkler Song mit sehr klassischem :Wumpscut:-Sound klingt er viel mehr nach "Bone Peeler", als nach "Evoke". Von der Qualität her würde ich ihn eher als netten Filler bezeichnen, aber immerhin schafft er musikalisch ein wenig Abwechslung. Entgegen aller Erwartungen hat sogar "Perdition" einen Remix bekommen und zwar von Cerebral Apoplexy. Der klingt sogar ganz nett und hat außer der Melodie mit dem Original überhaupt nichts gemeinsam. Er wirkt deutlich elektronischer, leichter und unbeschwerter - netter Kontrast.

Den Abschluss darf mit Obsessió wie schon auf "Bone Peeler" ein Song mit Clara S. am Mikrofon machen - auch hier wieder mit katalanischen Lyrics und eher eingesprochen als gesungen und trotzdem mit erstaunlicher Intensität in der Stimme. Schade, dass wir diesmal keinen deutschen Song dabei haben, sonst wäre "Evoke" ein Album in vier Sprachen gewesen. Im Vergleich zu "Your Last Salute" wirkt das Ganze auf einem Album wie "Evoke" nicht mehr ganz so fremd, sondern fügt sich hier bestens in's Gesamtbild. Auch musikalisch wurde das Ganze wieder wunderbar vertont. Diesmal wirkt alles weniger melancholisch, dafür deutlich mehr trippy mit teilweise sehr weirden Elektrosounds und etwas, was an Kehlkopfgesänge erinnert. Der Remix von Cerebral Apoplexy macht daraus eine etwas simpler Elektronummer, die einerseits nicht unterschiedlich genug ist, um dem Original etwas Grundlegendes hinzuzufügen, aber dann doch das Original zu sehr verändert, als dass es noch super stimmig ist. Sicher kein furchtbarer Remix, aber ein etwas unnötiger.

Damit wären wir einmal durch und ich muss sagen, dass es sich für mich gelohnt hat, mich doch nochmal etwas intensiver mit "Evoke" zu befassen. Habe ich das Album am Ende doch noch lieben gelernt? Nicht wirklich. Ein paar Schwierigkeiten, die das Album hat und Songs, die wirklich nicht meinen Geschmack treffen, sind mir sogar noch bewusster geworden. Es ist zumindest eine interessante Idee von Ratzinger gewesen, seinen Sound mal etwas drastischer zu verändern und mit Elektro- und Pop zu experimentieren. Teilweise wirkt es aber auch ein wenig erzwungen oder zu trocken und blutleer. Von allen :Wumpscut:-Alben war und ist das hier für mich das erste, welches wirklich größere Probleme hat.

Auf der anderen Seite verstecken sich hier aber auch ein paar echte Perlen wie "Churist Churist", "Obsessió" oder der Titeltrack, die sich erst so richtig offenbaren, wenn man sich drauf einlässt. Wirklich positiv aufgefallen ist mir diesmal auch die Remix-CD. Obwohl ich ein paar sehr exotische Sachen wie den Haus Arafna Remix von "Rise Again" oder die krassen Sachen von F/A/V diesmal etwas vermisse, stimmt hier die Gesamtqualität. Remixes sind ja immer eine ziemlich Frage des persönlichen Geschmacks und oft endet so eine Remix-CD damit, dass ich mir die 2-3 Remixes rauspicke, die mich ansprechen und den Rest dann vergesse. Aber hier hat wirklich fast jeder einzelne Remix seinen Platz und seine Berechtigung. In einigen Fällen wird das Original sogar deutlich aufgewertet. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass mir die Remix-CD diesmal besser gefallen hat, als das eigentliche Album.

Mein Favorit wird "Evoke" wohl nicht mehr werden, aber es ist am Ende tatsächlich besser, als ich es immer in Erinnerung hatte und ich tat dem Album sicher auch Unrecht, indem ich es weitestgehend ignoriert habe. Am Ende ist es "okay" bis "gut", aber definitiv nicht großartig. Sicher kein guter Einstieg, wenn man :Wumpscut: gar nicht kennt, aber vielleicht ganz nett für jeden, dem Ratzinger sonst so laut oder hart ist oder alle, die "Wreath Of Barbs" besser fanden als "Bone Peeler".

Punkte: 6.5 / 10