Thin Lizzy Live And Dangerous (1978) - ein Review von frankjaeger

Thin Lizzy: Live And Dangerous - Cover
1
Review
39
Ratings
9.33
∅-Bew.
Typ: Live
Genre(s): Metal: Hardrock
Rock: Folk Rock, Hardrock


frankjaeger
17.06.2019 15:57

THIN LIZZY in perfekter Live-Collage!

1978 erschien dieses Live-Dokument der großen Iren um Phil Lynott, die durch die gesamte Karriere bis zu diesem Zeitpunkt eine Art Karussell-Band für Gitarristen gewesen ist, und das sicher zu den großen Live-Alben der Rockgeschichte gezählt werden muss. Und dass, obwohl es seit Jahrzehnten unaufhörlich Diskussionen gibt, wie "live" dieses Livealbum eigentlich sei.

Doch zuerst einmal zu den Fakten. THIN LIZZY hatte mit "Bad Reputation" ein kommerziell erfolgreiches Album im Rücken, das bis Platz 4 der UK-Charts kletterte und mit 'Dancing In The Moonlight' eine ebenso erfolgreiche Single aufwies. Als es dann daran ging, das Nachfolgealbum aufzunehmen, hatte ihr Produzent Toni Visconti bereits den Job angenommen, das kommende Album für DAVID BOWIE zu produzieren und er hatte nur einen Monat Zeit. So entschied man sich, erst an dem Live-Album zu arbeiten und damit einem langjährigen Wunsch der Band nachzukommen. Visconti und seine Helfer hatte allerdings die Tapes von 40 Auftritten durchzuhören und zu einem Album zusammen zu stellen, was schlussendlich doch zwei Monate dauerte und "Live And Dangerous" in den Juni 1978 schob.

40 Tapes, das bedeutet auch, dass "Live And Dangerous" nicht ein vollständiges THIN LIZZY-Konzert abbildet, sondern ein Patchwork aus verschiedenen Shows ist und sogar innerhalb der Songs Spuren gemischt wurden. Was die Band jedoch vehement bestreitet, ist, dass man umfangreich Neuaufnahmen über die Live-Spuren gelegt hätte. Aber der Original-Release erwähnt das Studio in Paris prominent, was wurde denn da nun wirklich getan? Gitarrist Brian Robertson argumentiert, dass man einzelne Spuren gar nicht hätte rausnehmen können, da die Instrumente auch auf den Spuren der anderen Musiker zu hören waren. Ich bin geneigt, dies zu glauben, sodass ich meine, dass "Live And Dangerous" die Band THIN LIZYY live, aber in einer Art Best-Of der Touren konserviert hat. Dieses Album enthält ein Live-Dokument der Band, wie sie an einem perfekten Abend geklungen hätte.

Und tatsächlich ist das Album nahezu makellos darin, dass es die größten Songs der Karriere der Iren bis 1977 in energiegeladenen Versionen ins Wohnzimmer bringt, die keinen Fuß ungewippt lassen. Rocker wie 'Jailbreak', 'Emerald', 'Massacre' oder 'Warrior' finden sich neben der Ballade 'Still In Love With You' und den poppigen 'Southbound' und 'Dancing In The Moonlight'. Zu letzterem steuert John Early das Saxophon und zu dem Lied 'Baby Drives Me Crazy' Huey Lewis Mundharmonika bei. Moment, 'Baby Drives Me Crazy'? Ja, richtig, ein Lied, das sich auf keinem der Studio-Alben finden lässt! Nein, "Live And Dangerous" sollte in keiner Sammlung fehlen.

Die Plattenfirma war erst etwas unsicher in Bezug auf die Tatsache, dass das Doppelalbum zum vollen Preis veröffentlicht werden sollte, aber dann wurde es ein großer Erfolg und erreichte während der 63 Wochen in den UK Charts sogar Platz 2, nur getoppt durch den Soundtrack zu dem Film "Grease". Obendrein öffnete das Werk der Band die Tür zu dem wichtigen US-amerikanischen Markt, wo THIN LIZZY jetzt bei Warner unter Vertrag war. So ist "Live And Dangerous" nicht nur ein großartiges Tondokument einer ebenso großartigen Band, sondern auch noch ein wichtiger Wendepunkt in der Bandgeschichte, der die frühe Rock-Phase von der folgenden Hard Rock-Phase trennt.

(Original: https://powermetal.de/review/review-Thin_Lizzy/Live_And_Dangerous,35334,35213.html)

Punkte: 9 / 10


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