Testament Titans Of Creation (2020) - ein Review von iron

Testament: Titans Of Creation - Cover
1
1 Review
12
12 Ratings
8.54
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Thrash Metal


iron
22.01.2021 10:59

Immer wieder schön wenn alteingesessene Helden mit neuen Alben glänzen können. Wobei man gerade Testament in ihrer langen Karriere wahrlich kein schlechtes Album vorwerfen kann. Immer schön variabel und abwechslungsreich unterwegs, zudem mit einem unverwechselbaren Signatursound gesegnet. Hier fällt wiedermal auf, dass im Thrash Metal nur die Veteranen mit ureigenem Sound auffallen. Ich möchte dem zahlreichen Thrash-Nachwuchs sicherlich nicht das Herzblut absprechen, doch mir fällt eigentlich kaum eine Retro-Thrash-Band ein, die wirklich mehr macht als Exodus zu worshippen. Wenn man sich hingegen die großen Alten wie Anthrax, Megadeth, Death Angel, Slayer oder eben Testament anhört fällt auf, dass alle diese Bands Elemente in ihrem Sound haben, die sie unverkennbar machen und die sich anscheinend auch nicht kopieren lassen. Man könnte an dieser Stelle auch die Frage in den Raum werfen ob der Thrash Metal inzwischen ein Problem mit seiner Kreativität hat?!

Aber zurück zu "Titans Of Creation": Seit ihrem Comeback Album "The Formation Of Damnation" (2008) agieren die Kalifornier wirklich auf einem verdammt hohen Niveau. Alle Scheiben seither glänzen mit kongenialem Songwriting, wahnsinniger Energie und Musikern die wie entfesselt aufspielen. Man sollte sich sowieso mal die Bandbesetzung auf der Zunge zergehen lassen. Solange Rhythmus-Gitarrist Eric Peterson als Hauptsongwriter und Chuck Billy am (abgesägten) Mikro(ständer) dabei sind kann eigentlich nur der ureigene Testament-Sound rauskommen, der sich grob zwischen den beiden Ausreißer-Alben "The Ritual" (1992) und dem knüppelharten "Demonic" (1997) bewegt. Technisch wird das Ganze dann von Alex Skolnick (Lead Gitarren), Steve Di Giorgio (Bass) und Gene Hoglan (Drums) auf absolutes Weltklasse-Niveau gehoben. Dreimal Championsleague in einer Band - wer kann das sonst noch von sich behaupten? Hier kann man noch nicht einmal die, alle Details gut hörbar machende, saubere, fette Produktion von Eric, Chuck und Juan Urteaga kritisieren. Wenn man sich nach dem Hören fühlt als wäre man gerade von einem Indianerstamm auf dem Kriegspfad überrannt worden, haben die Herren alles richtig gemacht.
Tragende Säule ist aber unbestritten Häuptling Billy der den knallharten Groove (ohne Sattel) reitet wie kein Zweiter und dabei immer wieder seine harten Shoutings mit kleinen, einprägsamen Melodien aufbricht. Im direkten Vergleich zu den vorhergehenden Scheiben wirkt die neue Langrille noch etwas variabler, mit noch mehr Mut zu neuen Einflüssen, so hat Eric diesmal in `The Healers`oder `Night Of The Witch` sogar ein paar Black-Metal-Einflüsse verbraten. Wahrscheinlich hatte er hier noch ein paar Ideen seines Black-Metal-Projekts Dragonlord übrig.
Ein echter Hingucker ist auch wieder das großartige Artwork von Eliran Kantor, der sich wohl inzwischen zum Hauszeichner von Testament entwickelt hat.
Schön, wenn ältere Herren (immerhin eine der ältesten Bands die es dieses Jahr bislang in meine Sammlung geschafft haben) noch mit soviel Energie und Frische überzeugen können. Skeptiker der Alten-Schule hören zuerst den zukünftigen Liveklassiker `Dream Deceiver` und klicken dann auf "kaufen".

geschrieben für DARK STEEL ZINE.

Punkte: 8.5 / 10