Doch was darf man von einer Band erwarten, deren Name man später nur noch mit einer Videospielreihe in Verbindung bringen würde? Vermutlich zeitgleich oder etwas eher als die Kollegen von TRANCE veröffentlichten STREET FIGHTER ihr Erstlingswerk mit dem vielversprechenden Titel "Feel The Noise" irgendwann in der ersten Hälfte des Jahres 1982. Nicht so vielversprechend fiel das ultra langweilige Artwork aus, welches seiner Zeit vermutlich vermutlich für wenig Kaufanreiz gesorgt haben dürfte. Die Aufnahmen zum Album fanden jedoch bereits ab der zweiten Hälfte des Jahres 1980 statt, also als gerade einmal der ACCEPT Klassiker "I'm A Rebel" erschien. Und da ACCEPT bekanntermaßen Maßstäbe in Sachen Härtegrad in Deutschland setzten und der noch größere Klassiker "Breaker" immerhin schon ein halbes Jahr später, aber eben erst im Frühjar 1981 erschien und STREET FIGHTER in dieser Zeit ihre Aufnamen zum Debüt scheinbar erst abgeschlossen hatten, orientierte man sich beim Songwriting also zunächst am Hard Rock der späten 70er Jahre. Und so mögen wohl Bands wie JUDAS PRIEST, KROKUS, AC/DC, sicher auch KISS und MONTROSE Pate gestanden haben, zumindest was die Instrumentalfraktion angeht. Denn dank des eigenständigen Gesangs von Rohland Michaeli, den ich eher mit der New Wave of Britisch Heavy Metal in Verbindung bringe und der sich auch eher im mittleren Spektrum (ähnlich Eero Hämäläinen von OZ auf "The Oz" aka "Heavy Metal Heroes") aufhält, denkt man eben nicht sofort an die vermeintlichen Einflüsse.
Das Album beginnt mit einem bärenstarken Opener und zugleich Titelsong, also "Feel The Noise", an dessen Klasse und vor allem Härte man leider nicht noch einmal anknüpfen kann. Denn in der Folge wird's meist etwas bluesiger aber nicht zu sehr, den wir befinden uns stilistisch auf der gesamten Platte komplett im Hard Rock bis Heavy Metal Bereich. Und die komplette A-Seite ist wirklich durchgängig sehr gut. Und so würde ich neben dem Opener auch die folgenden Tracks "Loser", "Fuck" und "Crazy" als uneingeschränkte Anspieltipps dastehen lassen. Die B-Seite schwächelt im Vergleich aber nur ein wenig. Denn die auf der A-Seite begonnene Linie wird konsequent durchgezogen. Und letztlich kann ich diese Platte IMMER in einem Lauf durchhören und dies tat ich in den letzten Monaten sehr häufig, so häufig wie lange nicht mehr.
Leider ist bisher kein vernünftiges CD-Release erschienen und wenn, dann würde ich vorschlagen, das entsetzlich hässliche Artwork zu ersetzen. Aber falls jemand ein ordentliches Vinyltransfer braucht, um sich der Sache annehmen zu können, ich konnte mir glücklicher Weise eine Platte in nahezu perfektem Zustand ergattern und habe mir das Album nach einer Plattenwäsche aufgenommen und geschnitten. Das Ergebnis ist hervorragend, genau so wie das Album selbst. Somit spreche ich bei Sichtung auf dem Flohmarkt eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für Fans des traditionellen Heavy Metals und Hard Rocks aus!
Punkte: 9 / 10