Straftanz Tanzt Kaputt, Was Euch Kaputt Macht! (2008) - ein Review von DarkForrest

Straftanz: Tanzt Kaputt, Was Euch Kaputt Macht! - Cover
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9.00
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Dark Wave/Gothic: EBM, Industrial


DarkForrest
22.06.2022 08:41

Ungefähr zwei Jahre lang sollte die Spaßkapelle Straftanz mit nur so ziemlich einem Song die Clubs unsicher machen, bis 2008 dann mal ein vollwertiges Album nachfolgen durfte. "Forward Ever" hat schließlich gezeigt, dass Straftanz sich musikalisch durchaus vielseitig präsentieren können. Die erste und einzige Single zum Album dreht sich allerdings um einen Song, der eher auf klassische Straftanz-Tugenden setzt.

"Tanz Kaputt, Was Euch Kaputt Macht!" dürfte wohl ziemlich genau das darstellen, was die Truppe selbst als "Funktionsmusik" bezeichnet - harte Beats, deutsche Lyrics, gut mittanz- und mitsingbar und der Titel wird so oft wiederholt, dass man auch auf 3 Promille nicht vergisst, wozu man da eigentlich abgeht. Damit man sich dabei nicht ganz so dumm fühlt, wird einem das Ganze inhaltlich mehr oder weniger als Gesellschafts- und Kapitalismuskritik verkauft. Auch wenn der Song in seiner Basis-Version ähnlich wie "Straftanz" immer noch eine ganz einfache Kiste ist, mag ich ihn sogar ein bisschen mehr, da hier schon etwas mehr Action abgeht.

Die zugehörige Single hat aber noch deutlich mehr zu bieten. Neben der Album-Version gibt es den Song noch in 3 Remixes, zwei weitere Songs von "Forward Ever" und einen komplett neuen Track. "Tanzt Kaputt, Was Euch Kaputt Macht!" ist also auf jeden Fall vollgestopft mit Inhalt und im Vergleich zur "Straftanz"-Single auch mit Abwechslung, so dass die knapp 30 Minuten diesmal sehr gut genutzt werden.

Auch hier wird das Original wieder ordentlich durch die Remixes aufgewertet, welche nicht nur allesamt die Album-Version verbessern, sondern fast schon etwas klobig und primitiv klingen lassen. Straftanz hätten in der Zeit ihres Bestehens vielleicht wirklich mehr auf Remixes setzen sollen. Ihr Material scheint sich dafür gut zu eignen. Den Anfang macht der Remix von Heimataerde. Er ist nicht allzu wild, rundet den Song aber deutlich mehr ab. Das Ganze wird hier nicht nur noch tanzbarer, sondern das Hörerlebnis auch insgesamt etwas angenehmer. Der insgesamt kürzeste Remix stammt von System Syn. Das Original hatte knapp 5 Minuten Laufzeit, während dieser Remix schon nach weniger als 3 ½ Minuten fertig ist. Wahrscheinlich ist das hier auch der homogenste Remix, der fast durchgängig im Rhythmus des Beats ist, der alles vorgibt. Könnte für den einen oder anderen vielleicht etwas stumpf daherkommen und deshalb nicht so gut im Kopf bleiben wie die anderen beiden Remixes, aber ich mag ihn trotzdem. Mein persönliches Highlight ist aber der Mesmer's Eyes Remix. Er ist nicht nur wahnsinnig tanzbar, sondern schafft es dem Refrain nochmal einen ganz eigenen Twist zu geben und platzt förmlich voller eigener Ideen.

Mit "Burn Down Heaven" und "Blood In Blood Out" haben wir dann noch zwei Songs, die so auch auf dem Album zu finden sind. "Burn Down Heaven" ist ein netter Industrial-Stampfer mit New Wave Sänger Myk Jung an den Vocals, während "Blood In Blood Out" etwas experimenteller und minimalistischer daherkommt. Beide Songs sind gut für das, was sie sind und eine ganz clevere Wahl für die Single, da sie hier endlich mal einen Einblick in die Vielseitigkeit von Straftanz geben und zeigen, dass einem auf dem Album nicht nur prollige deutsche Mitgröhlmusik erwartet.

Sehr spannend finde ich übrigens auch den Song mit dem verheißungsvollen Namen "Nichts.1 [One In A Unnumbered Series Of Some]". Ich hätte mir die Begriffe "experimentell" und "minimalistisch" wohl eher für diesen Song aufheben sollen, denn ich kenne kaum einen Track, auf den diese beiden Beziehungen besser passen könnten als auf das hier. Wir haben es zwar nicht komplett mit "Nichts" im Sinne von absoluter Stille zu tun, aber mehr als einen monotonen Beat, der ab und zu mal die Tonlage wechselt und ein paar Samples gibt es hier wirklich nicht zu hören. Und ich gebe zu, dass ich ziemlich gecatched bin dadurch. Straftanz haben tatsächlich aus fast nichts ein interessantes akustisches Kunstwerk geschaffen. Schade, dass man der Andeutung, daraus eine Serie zu machen, nicht gefolgt ist.

Am Ende des Tages lässt mich "Tanzt Kaputt, Was Euch Kaputt Macht!" sehr zufrieden und positiv überrascht zurück und ist im Gegensatz zur "Straftanz"-Single auch wirklich gut gealtert. Das Material hier ist nicht nur viel für so eine Single, sondern auch durchgängig gut. Größere Kritikpunkte habe ich eigentlich gar keine. Als jemand, der beide Alben hat, habe ich hier noch den einen oder anderen Song gefunden, der meine Straftanz-Playlist gut aufwertet und jemand, der das Projekt kennenlernen möchte, bekommt hier einen ganz guten Überblick, wie so ungefähr das erste Album von den Jungs klingen könnte.

Punkte: 9 / 10