Scars On Murmansk Into Dead Lights (2012) - ein Review von DarkForrest

Scars On Murmansk: Into Dead Lights - Cover
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1 Rating
5.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Death Metal, Melodic Death Metal


DarkForrest
22.07.2021 13:00

Anders als der Name es vermuten lässt, stammen Scars On Murmansk nicht aus Nordrussland sondern aus Südfrankreich und obwohl "Into Dead Lights" das erste richtige Album der Band darstellt, haben wir es hier nicht mit absoluten Neulingen zu tun. Jeder der vier Franzosen durfte sich vorher schonmal in mindestens einem anderen Projekt erproben. Trotzdem haben wir hier einen kleinen Kontrast zwischen jung und alt. Da hätten wir einmal Pierre Bouthemy und Cindy Goloubkoff, welche vor allem mit Hypnosis damals schon einige Jahre an Erfahrung sammeln durften und auf der anderen Seite die noch recht jungen Jon Erviti und Romain Larregain.

Ziemlich schnell nach der Gründung gab sich zumindest innerhalb der französischen Szene einen kleinen Push: hier mal ein Interview, da mal ein Track auf 'nem Sampler, eine sehr aktive Facebook Seite und zahlreiche Live Auftritte. Alles sicher nichts weltbewegendes, aber wenn man bedenkt, dass Hypnosis für viele Jahre und 5 Alben lang quasi komplett unter dem Radar gelaufen ist, kann man hier zumindest ein paar Ambitionen erkennen, die Musik auch an den Mann zu bringen. Netterweise wurde die erste EP "Travelling Through Dark Places" auch gleich mal als gratis Download zur Verfügung gestellt, um Lust auf mehr zu machen. Das war allerdings 2011 und natürlich funktioniert zehn Jahre später weder der Link noch kommt man so einfach an die stark limitierte CD-Version - Scheiße aber auch! Also konzentriere ich mich halt voll und ganz auf das erste Album, welches aber immerhin die meisten Songs der EP enthält.

Wenn man zu den wahrscheinlich 12 Menschen weltweit zählt, die vorher aufmerksam Hypnosis gehört haben, dann wird man bei deren letzten Album "The Synthetic Light Of Hope" gehört haben, dass sie sich deutlich mehr dem klassischen Death Metal angenähert und ihre ganzen Hypnosis-Gimmicks etwas reduziert haben. Das hat das Projekt zwar professioneller, aber auch etwas langweiliger klingen lassen. In gewisser Weise stellt Scars On Murmansk die konsequente Weiterentwicklung von diesem Prozess dar und die Prämisse klingt gar nicht mal so dumm. Wenn Bouthemy und Goloubkoff schon echten Death Metal anstreben, warum dann nicht unter neuem Namen mit einem etwas anderen Konzept und verfickt nochmal mit einem richtigen Drummer? Genau das ist hier passiert.

Alles was Hypnosis besonders, teilweise aber auch merkwürdig gemacht hat, wurde hier eingestampft. Seltsame Electro-Samples gehören jetzt genauso der Vergangenheit an wie Texte über Cyborgs und künstliche Intelligenz. Goloubkoff beschränkt sich jetzt komplett auf die Gitarre und stellt keine weiblichen Background Vocals mehr, während Bouthemy seine Vocals noch mehr an die härtere Gangart angepasst hat. Larregain bietet an der Lead Gitarre die perfekte Unterstützung und dank Erviti braucht es endlich keinen Drumcomputer mehr. Anders als der mysteriöse Name, die schnörkelige Schrift und das Cover mit den nebeligen Bergen vermuten lässt, liegt der Fokus hier weder auf Melodic Death noch enthält diese CD auch nur irgendwelche Spuren von Gothic Metal - nein, hier geht es wirklich ganz klar um Death Metal.

Das fängt schon thematisch an, denn Songtitel wie "Hate Mask", "Evil Comes" oder "Dark New Messiah" klingen halt original wie aus einem Zufallsgenerator für Death Metal Titel. Auch die Lyrics setzten jetzt nicht gerade komplett auf Innovation. Musikalisch wird der Fokus sogar noch stärker deutlich: "Into Dead Lights" klingt so heavy, dass wir uns hier eher mal an der Grenze zum Brutal Death bewegen. Der erste Eindruck klingt dabei alles andere als schlecht. Nachdem ich die letzten Wochen viel Hypnosis gehört habe, merke ich jetzt erstmal wie sehr ich mich an den Drumcomputer gewöhnt hatte - Erviti an den Drums macht einen verdammt großen Unterschied und tut dem Klangbild sehr gut. Ansonsten sind alle Beteiligten gut in der Lage permanent Vollgas zu geben, wie sich das gehört und die Produktion ist okay. Hier und da könnten die Drums oder Gitarren zwar etwas druckvoller ausfallen und mit einem etwas klareren Sound würde das ganze noch wuchtiger klingen, aber ich würde den Sound hier weder als schrammelig noch als schwach bezeichnen.

Dafür habe ich eher inhaltlich ein Problem mit "Into Dead Lights". Wenn ich so an manches gewagtes Machwerk von Hypnosis denke, dann hat es bei mir teilweise etwas gedauert, um mich an die eigenwilligen Klänge zu gewöhnen oder den ganzen Krempel erst einmal zu verarbeiten, der dort unbedingt noch eingebaut werden musste, aber so nach und nach haben sich echt coole und abwechslungsreiche Songs herauskristallisiert. Hier ist eher mal das Gegenteil der Fall. "Into Dead Lights" haut mir mit jedem Song zur Begrüßung akustisch eins in die Fresse und als jemand, der seinen Metal hart mag, fühle ich mich sofort wohl. Dafür gibt es hier so gut wie gar kein Potenzial, das Album weiter an mich zu binden. Die Songs klingen derart ähnlich, dass ich Probleme habe, sie voneinander zu unterscheiden. Sie sind jetzt auch nicht super einfach gestrickt und eben auch nicht gerade melodisch, was es schwer macht, sie nach dem Hören überhaupt im Gedächtnis zu behalten. In der Regel reicht es mir ein paar beliebige Songs zu hören, mich über den brutalen Klang zu erfreuen und dann bin ich auch schon gesättigt. Mir "Into Dead Lights" aufmerksam am Stück anzuhören ist aber eine echte Geduldsprobe und der Moment, in dem ein Song so langsam im Gedächtnis bleibt ist meistens auch gleichzeitig der Moment, in dem er so langsam anfängt mich zu nerven.

Wirklich abheben dürfte sich nur der Titeltrack. Warum? Weil er ein kurzes instrumentales Intro ist. Obwohl… das ist eigentlich schon fast zu weit gegriffen, denn streng genommen hat der erste richtige Song "Hate Mask" ein paar undefinierbare Hintergrundgeräusche, welche die Gitarren begleiten, die über eine Minute so ganz langsam in die Gänge kommen. Und für alle, die diesen Part überspringen wollen, wurde er halt als separater Track ausgelagert. Wenn wir diesen wegnehmen, dann fängt "Hate Mask" direkt mit Vollgas an und bietet im Prinzip schon ca. 90% von dem, was die anderen Songs auch bieten. Schön finde ich vor allem die schnellen Wechsel zwischen tiefen Growls und Screams bei den Vocals im Refrain. Kurze melodische Passagen werden außerdem mal für ein paar Sekunden angedeutet, um allerdings direkt plattgemacht und nicht mehr aufgegriffen zu werden.

Das etwas kürzere "The Eye Within" wirkt von seiner ganzen Struktur her etwas einfacher und direkter. Interessant ist hier, dass Bouthemy zwischendurch mal Vocals einbaut, welche an ein Flüstern erinnern. Einerseits wird dadurch Abwechslung geschaffen, andererseits hat er aber schon damals bei Hypnosis bewiesen, dass seine Stimme eigentlich mehr Variation besitzt als ein creepiges Flüstern, wenn die Vocals mal nicht auf 100% Anschlag laufen sollen.

"Buried Dreams" täuscht mit seinem knapp 30-sekündigen atmosphärischen Intro an, dass wir es hier evtl. etwas ruhiger oder melodischer zur Sache geht, was natürlich Blödsinn ist. Wobei wir hier immerhin schon im Laufe des Songs durch ein paar langsame schleppende Gitarren begleitet werden, was dem Song eine zusätzliche Schwere verleiht. "Evil Comes" hat dagegen nichts dergleichen bzw. überhaupt nichts zu bieten, was es vom Rest des Albums abhebt. Hier habt ihr quasi Scars On Murmansk in ihrer trockendsten Form. Dann vielleicht doch lieber ein "Dark New Messiah" - innovative Elemente sucht man hier zwar auch vergebens, aber alles was das Album eh schon gut macht ist hier besonders on point und die ganzen Basics wurden hier so schön umgesetzt, dass mich das durchaus die knappen 6 Minuten über unterhalten kann. Wenn ich fies wäre, dann würde ich jetzt sagen, dass "Dark New Messiah" eigentlich schon alles beinhaltet, was man auf "Into Dead Lights" hören sollte und man sich dadurch quasi den Rest des Albums schenken kann. Falls ich einfach nur für einen Song reinschauen wollen würde, dann wäre das jedenfalls "Dark New Messiah".

So, und jetzt haben wir natürlich das Problem, dass die verbleibenden vier Songs nicht mehr besonders viel zu bieten haben, was mich motiviert, weiter zu hören. "The End Of A Trip" mit seinen ordentlich schweren Riffs und teilweise extrem tiefen Growls ist aber sicher auch nicht das schlechteste, was man seinen Ohren antun kann. Falls ihr Zeit sparen wollt, könnt ihr aber auch einfach "And The Rivers Run Red" durch eure Boxen prügeln - mit 3.39 Minuten ist das nämlich der kürzeste Song auf "Into Dead Lights" und tritt entsprechend nicht mal kurz auf die Bremse, sondern drückt eher mal das Gaspedal die ganze Zeit durch.

Bei "Blind" kann ich zumindest sagen, dass hier Leadgitarre und Bass wenigstens einigermaßen zur Geltung kommen und Goloubkoff nicht die ganze Aufmerksamkeit auf sich und ihre Gitarrenparts lenkt, was sonst bis auf einige Gitarrensoli ziemlich oft auf diesem Album vorkommt. Zum Abschluss gibt es mit "A Frozen Life" nochmal einen langen Track, aber in den ganzen knapp 7 Minuten natürlich nichts komplett neues oder innovatives, was dem Song einen Wiedererkennungswert verleiht.

Damit hätten wir oberflächlich betrachtet ein ganz nettes Album, welches immer langweiliger wird, je mehr man in die Tiefe geht. Das Potenzial wäre durchaus da und mir fallen direkt Wege ein, wie man Scars On Murmansk interessanter klingen lassen könnte, ohne das Konzept gänzlich über den Haufen zu werfen. Dass Bouthemy auch gut clean singen kann weiß ich noch aus den frühen Hypnosis-Zeiten. Songs wie "Fear In Your Eyes" oder "Dead Souls" auf dem alten "Shadoworld" hätten da schon ein paar sehr gute Grundlagen um die Melodic-Elemente weiter auszubauen. Da "Into Dead Lights" ja doch immer mal wieder mit kurzen melodischen Parts teased scheint man dem ja nicht so ganz abgeneigt zu sein. Wenn man die jetzt innerhalb der Songs nicht nur als Zielscheiben aufstellt, um nach ein paar Sekunden alles drauf zu feuern, was man hat, dann könnte man durch ein paar cleane männliche Vocals, mal ein längeres melodische oder gar akustisches Gitarrenriff sicher viel erreichen. Natürlich würde dadurch das Genre auch nicht unbedingt neu erfunden werden, aber das als Kontrast zum brutal Death würde das Konzept der Band schon gleich ein gutes Stück interessanter und die Songs einzigartiger machen. Entweder das oder man schmeißt den Melodic-Krempel ganz raus, schweißt dem Drummer roboterarme an, gibt sich ganz dem dem brutal Death hin und sollte dafür dann aber noch etwas mehr an Tempo und Härte zulegen und vor allem Sound und Produktion noch etwas knackiger gestalten.

Leider habe ich das Gefühl, dass Scars On Murmansk nichts davon umsetzen werden, denn "Into Dead Lights" stammt aus dem Jahr 2012 und seit 1-2 Jahren nach Release hat man nichts mehr von dem Projekt gehört. Offiziell aufgelöst sind sie zwar nicht, aber das letzte Lebenszeichen ist wirklich schon lange her. Es wäre irgendwie schade, wenn es mit der Truppe so unspektakulär enden würde. Schlecht klingt das Album ja auf keinen Fall. Wenn ich zwischendurch mal schnell Death Metal in ordentlicher Qualität haben oder meine Playlist auffüllen will, geht "Into Dead Lights" völlig klar. Für mehr reicht's aber leider auch nicht wirklich.

Punkte: 5.5 / 10


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