The Quireboys Amazing Disgrace (2019) - ein Review von Akhanarit

Quireboys, The: Amazing Disgrace - Cover
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1 Review
4
4 Ratings
7.38
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Rock: Glamrock, Hardrock


Akhanarit
01.08.2019 03:20

Wenn ein neues THE QUIREBOYS-Album in den Startlöchern steht, bin ich für gewöhnlich Feuer und Flamme und mehr als gespannt, was uns die Briten denn dieses Mal kredenzen. Und die neue Langrille "Amazing Disgrace" ist zudem auch noch recht besonders, feiert die Band doch in diesem Jahr ihr 35-jähriges Bestehen! Gratulation hierzu!!!

Das in den Rockfield Studios aufgenommene Neuwerk beginnt mit 'Original Black Eyed Son'. Doch auch wenn das hier ganz klare THE QUIREBOYS-Qualitätsmerkmale zeigen mag, zündet der Song auch nach dem 30. Durchlauf nicht. 'Sinners Serenade' gefällt mir da schon etwas besser aufgrund des amtlichen Rock-Drives. Leider lässt auch hier eine solide Hookline auf sich warten. Nicht, dass ich dies bei jedem Song immer benötigen würde. Doch THE QUIREBOYS verstanden es in der Vergangenheit oft meisterhaft, eben dies abzuliefern. 'Seven Deadly Sins' erschreckt mich dann als ein wahrer Tiefpunkt! Schreckliche Bridge, langweiliger Chorus ... Was ist denn jetzt kaputt? Aber Gitarrist Guy Griffin scheint eine Erklärung parat zu haben und meint: "Wir sind an einem Punkt in unserer Karriere, an dem wir einen Scheiß darauf geben, was alle denken!" Aha. Na dann ... Weiter geht es dann mit dem Titelsong. Und über weite Strecken ist dieser auch wirklich gelungen. Zumindest auf instrumentaler Ebene. Die Vocals erscheinen mir dann doch ein klein wenig zu uninspiriert. Aber eher in dem Sinne, dass Fans der Band genau wissen, was Sänger Spike aus der Nummer hätte herausholen können. Mit 'Eve Of The Summertime' wird es dann erstmals leicht balladesk. Ein Highlight ist hier zwar leider auch nicht auszumachen, aber der Track ist solider Standard und dürfte zumindest live um einiges mehr Gefühl transportieren, als dies hier auf Konserve der Fall ist.

Und da hier sich hier alles so schön nach Halbzeit anfühlt, stellen wir uns einfach mal vor, wir würden die Schallplatte an dieser Stelle umdrehen und sehen uns sogleich mit 'California Blues' konfrontiert. Erneut würde ich den Song so gerne richtig mögen, doch wenn ich ehrlich bin, macht sich auch hier mehr Langeweile breit als Euphorie. Besonders gegen Ende wird die Punchline gefühlte 50 Mal wiederholt, dabei war sie schon bei den ersten drei Malen abgewetzt. 'This Is It' eilt jedoch zu meiner Rettung und markiert auf "Amazing Disgrace" somit die erste Nummer, die ich auch privat hin und wieder gerne auflegen werde. Doch schon das folgende 'Feels Like A Long Time' mit seinen seltsamen "ohh ohh ohh yeah"-Passagen macht dieses angenehme Gefühl wieder zunichte. Kann 'Slave #1' das Ruder jetzt noch herumreißen? Leider so gar nicht. Es scheint fast so, als würde das neue Album der Jungs fast alle Schwächen einer sonst so grandiosen Band in sich vereinen. 'Dancing In Paris' und 'Medusa My Girl' blasen dann zum Abschluss so ziemlich ins gleiche Horn.

Zurück bleibt ein verdutzter und mehr als enttäuschter Rezensent, der noch immer Songs wie 'Hey You', 'There She Goes Again' und '7 O'Clock' wohl im Gedächtnis kleben hat und so traurig es auch klingen mag ... Jeder dieser Klassiker wischt mit dem gesamten "Amazing Disgrace"-Neuling den Boden mit Leichtigkeit auf. Ich habe "Amazing Disgrace" jetzt seit Wochen hier, zig Male rotieren lassen und immer gehofft, ich hätte einfach nur den falschen Moment erwischt, um die neuen Tracks richtig würdigen zu können. Doch machen wir uns nichts vor. Ich und das neue Album werden keine Freunde. Ich sage gar nicht einmal, dass das neue Album schlecht ist. THE QUIREBOYS sind natürlich nach wie vor fähige Musiker. Gitarrist Guy Griffin sagte ja bereits, dass die neue Musik in gewisser Weise einen neuen Vibe innewohnen habe. Vielleicht ist es gerade dieser Vibe, der mich über weite Strecken einfach kalt lässt!? Ich persönlich hoffe, dass "Amazing Disgrace" ein experimenteller Ausrutscher war und sich die Band schon mit dem nächsten Album wieder auf ihre Stärken besinnt. Denn davon haben THE QUIREBOYS reichlich zu bieten.

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Punkte: 5.5 / 10