Opeth Morningrise (1996) - ein Review von Grave_Disillusion

Opeth: Morningrise - Cover
1
1 Review
48
48 Ratings
8.80
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Death Metal, Melodic Death Metal, Progressive Metal


Grave_Disillusion
17.09.2008 17:04

Nur ein Jahr später holen Opeth zum nächsten Schlag aus.
"Morningrise" heißt der Longplayer aus dem Jahre 1996 und er beschert uns fünf überlange Songs. Während der kürzeste Song "Nectar" mit 10:09 Minuten Länge daher kommt, ist das Meisterwerk "Black Rose immortal" mit seinen 20:15 Minuten doppelt so lang. Was hat sich also getan in dem einem Jahr? "Nicht viel", so will man meinen und dem ist auch so. Das Album schlägt grundsätzlich in die selbe Kerbe wie "Orchid". Es ist rauh, doomig und hat einen starken Black Metal-Touch. Dennoch, irgendwas muss sich getan haben. Das Album ist ruhiger geworden. Es hat zwar immer noch harte Passagen, aber es wird hier schon mehr Akerfelds kristallklarer Gesang verwendet. Auch das Ambiente wird verstärkt, die Akustikteile scheinen öfters präsent. Insbesondere "To bid you Farewell" ist sehr düster-melancholisch ausgefallen.
Das Cover, welches einen See mit einer kunstvollen Brücke in einem Wald zeigt, schafft es, die Stimmung des Albums genau wiederzugeben. Es ist schwer definierbar, dieses Album klingt irgendwie schwarz-weiß. Es klingt wie ein Herbstabend an einem See, wo die Blätter schon fast komplett von den Bäumen gefallen sind und die Farbe aus der Landschaft weicht, das bunte Gelb zu einem tristen Grau wird. Songnamen wie das genannte "Black Rose immortal" (welches übrigends bis dato der längste Opeth Song ist) oder "Advent" unterstreichen meinen Interpretationsversuch. "Orchid" war noch in den kalten Gefilden Norwegens, wo der Schnee kaum weichen will, "Morningrise" ist zwar düsterer, aber dennoch wärmer. Das liegt wahrscheinlich am zurückgefahrenen Black Metal Anteil.
Musikalisch gibt es nicht viel zu sagen außer, dass sich wie immer alles auf einem konstant hohen Niveau befindet. Sowohl E- als auch Akustik-Gitarren überzeugen, das Drumming ist ein bisschen besser als auf dem Vorgänger, insbesondere in der Klangqualität. Diese hat sich zwar nicht großartig nach oben geschraubt, ist aber dennoch irgendwie um Nuancen besser geworden. Was mir aufgefallen ist, dass die Melodien sich irgendwie schneller im Kopf festsetzen, jedoch sehr schnell wieder flüchtig werden. Nach dem Hören des Albums hat man es eigentlich komplett im Kopf, kann es aber nicht wiedergeben. Es ist, als wenn man eine hübsche Frau auf einer Straße treffen würde, sich ihr Gesicht einprägt, es dann aber relativ schnell wieder verblasst. Um dieses Gesicht aufrecht zu erhalten muss man der Frau nachlaufen. Im übertragenen Sinne heißt dies, man muss das Album mehrmals hören um wirklich den vollen Spaß daran zu haben.
Fazit: Ich habe nicht viel neues zu sagen. Das Album ist natürlich wieder im deutlich oberen Bereich musikalischen Niveaus anzusiedeln, es wird durchweg nicht langweilig und man findet garantiert auch nach dem zwanzigsten Durchlauf (den ich noch vor mir habe) noch neue Facetten. Dennoch finde ich dieses Album ein wenig besser als ihr Debut, weswegen ich mal einen halben Punkt mehr springen lasse.

Punkte: 9 / 10