Lingua Ignota All Bitches Die (2018) - ein Review von blackening

Lingua Ignota: All Bitches Die - Cover
1
1 Review
2
2 Ratings
10.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Elektronische Musik: Experimental


blackening
13.04.2019 19:57

THIS RECORD IS RETRIBUTION, kündigt die Innenseite des Digipaks an.
Eine Kampfansage, oder eher Warnung?
Ich vermute mal, beides. Lingua Ignota steht für verstörende Experimentalkunst, welche über Noise und Electro
bis hin zu Elementen klassischer Musik inklusive Oper reicht.
Aufmerksam wurde ich auf ihr Schaffen durch ihren Gesang auf dem letzten Meisterwerk der Avantgarde-Metaller The Body, und wer sich bei der Erwähnung dieser Band interessiert nach vorn beugt, darf hier blind kaufen.

Geboten werden hier sehr harte Industrial-Klänge, gepaart mit Shouts, verstörenden Samples und massiver Dissonanz. Dann aber wieder auch Operngesang, Glockenspiel, Piano und Chor. Oftmals innerhalb eines Songs. Jetzt kann man sich fasziniert am Fragezeichen auf der Stirn kratzen, oder flüchten. Denn die gebotene Kunst ist radikal, erzwingt förmlich eine Reaktion.
Die Songs nehmen auf eine Reise mit, und es ist eine verstörende Reise. Die Texte liegen mir leider nicht vor, und ich muss zugeben, dass das Kopfkino zu groß ist, um beim Hören auf die Worte zu achten. Aber die teils verletzten, teils einfach nur vor Wut rasenden, oder extrem zerbrechlichen Klänge sprechen ihre eigene Sprache.

Allein der überragende, 15 minütige Opener "Woe To All (On The Day Of My Wrath)" geht von einer Art Glockenspiel in einen herben Industrial Beat über, gegen den der Inception-Trailer höhenlastig wirkt. Lingua keift sich durch den Song, bis sie wortwörtlich zerbricht und daraus eine depressive Pianonummer wird. Und VERDAMMT, kann die Frau singen. Es ist eine Schande, dass sie mit derartigem Talent wohl niemals damit Geld machen wird...es fehlt halt Autotune und Easy Listening.

Das hier ist der vertonte Nullpunkt, völlige Wut und völlige Verzweiflung, alles auf einmal. Das kann und soll überfordern. Einerseits möchte ich dadurch Leuten, die gerade ein Tief oder gar eine Depression erleben, davon abraten. Andererseits denke ich, dass man nur in genau diesen Phasen dieses Werk verstehen kann.

Punkte: 10 / 10


Warum sind die Cover-Bilder verpixelt?

Bedankt euch bei deutschen Abmahn-Anwälten

Leider passiert es immer wieder, dass Abmahnungen für angebliche Copyright-Verletzungen ins Haus flattern. Ganz häufig ist es der Fall, dass auf dem Frontcover ein Foto oder eine Grafik eines Fotografen oder Künstlers genutzt wird, was dann nur mit dem Namen der Band und dem Titel des Albums versehen wurde. Das ursprüngliche Foto/Kunstwerk ist somit immer noch sehr prominent zu sehen. Die Abmahner nutzen zumeist automatisierte Prozesse, die das Netz nach unlizensierten Nutzungen der Werke ihrer Mandanten durchsuchen und dabei Abweichungen bis zu einem gewissen Prozentgrad ignorieren. Somit gibt es also häufig angebliche Treffer. Obwohl das Foto/Kunstwerk von den Plattenfirmen oder Bands ganz legal für die Veröffentlichung lizensiert wurde, ist dies den Abmahnern egal, ganz oft wissen die ja nicht einmal, was für eine einzelne Veröffentlichung abgemacht wurde. Die sehen nur die angebliche Copyright-Verletzung und fordern die dicke Kohle.

Da Musik-Sammler.de nachwievor von privater Hand administriert, betrieben und bezahlt wird, ist jede Abmahnung ein existenzbedrohendes Risiko. Nach der letzten Abmahnung, die einen 5-stelligen(!) Betrag forderte, sehe ich mich nun gezwungen drastische Maßnahmen zu ergreifen oder die Seite komplett aufzugeben. Daher werden jetzt alle hochgeladenen Bilder der Veröffentlichungen für NICHT-EINGELOGGTE Nutzer verpixelt. Wer einen Musik-Sammler.de Nutzeraccount hat, braucht sich also einfach nur einmal anmelden und sieht wieder alles wie gewohnt.