Lerget ...Und Schun Poll Isch Wintor... (0) - ein Review von walzenstein

Lerget: ...Und Schun Poll Isch Wintor... - Cover
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5.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Black Metal


walzenstein
05.04.2018 12:21

Warum sollte man nicht nur in der Volksmusik in einer regionalen Sprache singen?? A.O.K. haben’s Hessische ja schon dargeboten, ENSLAVEDs Texte waren einst auf isländisch, weil es dem ursprünglichen Norwegisch am nahesten kam …, nun ja, viele Bands singen mittlerweile nicht mehr ausschließlich auf Englisch. Das haben IMPALED NAZARENE, NEGURA BUNGET, TROLLECH oder auch deutsche Bands wie AASKEREIA bewiesen; um nur mal Beispiele zu nennen. Ex-GRAVEWORM Lukas Flarer hingegen hält seine Lyrics im schönen Südtiroler Dialekt. Sicherlich … es hört sich schon gar lustig an, besonders beim Intro, aber der Musik schadet es absolut nicht.

Das besagte Intro, bei dem ich insgeheim noch immer den berühmten Ruf “Der Berg ruft!” warte, leitet ein, was den Hörer über eine Dreiviertelstunde erwartet: guter handgemachter Black Metal. Und der ist wirklich gut gemacht. Nordisch angehaucht mit einigen traditionellen Metal-Elementen, in sämtlichen Geschwindigkeiten und mit einer heiseren bösen Stimme, die stark an einen ganz ganz wütenden, kraftvollen Tom Angelripper erinnert. Der Sound ist trotz Eigenproduktion erstaunlich gut und dafür, dass Lukas alle Instrumente selbst bedient, hört sich alles recht stimmig und professionell an. “Mein Wold” zum Beispiel besticht durch seine Wuchtigkeit und ist stark an BATHORY angelehnt, der Songaufbau und Klang von “Die Eltigschtn untor inz” erinnert an HYPOCRISY und “Schneaschturm” klingt arg nach AMON AMARTH. Der Höhepunkt ist allerdings “In dor Fintschtor”, wo Teile von DARKTHRONEs “Transilvanian Hunger” genauestens übernommen wurden.
Wenn man die genannten Bands nicht kennt, ist “… und schun poll isch Wintor” sicherlich eine sehr gute Scheibe, aber so fehlt es an Ideen und ist ein Album, dass vor Uneigenständigkeit nur so strotzt. Inspirationen einholen ist ja gut und schön, aber kopieren ist erbärmlich.
Wie gesagt, super Musik, toller Sound, coole Idee mit dem Dialekt; aber dennoch, lieber Lukas: Nicht so viel von anderen kopieren.
Doch das, was man außerdem hört, kann sich durchaus hören lassen. Irgendwie gefällt mir das Album trotzdem.

Und warum gibt es noch keine Black Metal Combo, die sich im Plattdeutschen versucht?? Ich hab da schon eine Idee:
“Wi reisen no Noord, do wo de Wind brust. De Koll fan de Ostsee strakt min Gemöd. Dat is bannig kold. Dat Düüster fan de Nacht! Rrroooaaar”

Punkte: 5.5 / 10