Kreator Out Of The Dark... Into The Light (1988) - ein Review von DarkForrest

Kreator: Out Of The Dark... Into The Light - Cover
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2 Reviews
20
20 Ratings
8.47
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Metal: Speed Metal, Thrash Metal


DarkForrest
30.06.2024 20:10

Zwischen “Terrible Certainty” und dem Nachfolger “Extreme Aggression” stand bei Kreator 1988 erstmals ein Jahr ohne neues Album an. Allerdings gab es zur Überbrückung für die Fans zumindest eine kleine EP in Form von “Out Of The Dark… Into The Light”. Und die kam bei vielen Fans gar nicht mal so gut an: an mancher Stelle wurde der Band ein schneller Cashgrab vorgeworfen.

Wenn man sich die Tracklist mal so anschaut, dann wirkt das ganze inhaltlich aber auf den ersten Blick nicht so verkehrt. Wir haben einen neuen Studiotrack, ein Cover und drei Livesongs. Was ihr dazu noch obendrauf bekommt, hängt davon ab, welche Version ihr euch zugelegt habt. In den USA gab es in erster Linie eine Version mit noch einem weiteren Cover, während sich auf den europäischen Versionen stattdessen drei weitere Live-Aufnehmen befanden. Schwer zu sagen, was hier objektiv die bessere Wahl ist. Ich habe mich für die US-Version mit dem zusätzlichen Cover entschieden, weil das für mich etwas reizvoller klingt, als noch mehr Live-Tracks von einer Band, von der ich schon wirklich viel Live-Material habe. Anders herum könnte man aber auch sagen, dass das zusätzliche Cover bereits als B-Seite auf der Single zu “Behind The Mirror” erschienen ist und es die zusätzlichen Live-Aufnehmen nur hier gibt. Etwas merkwürdig, dass es keine komplette Version mit allen 9 Tracks gibt. Ich kann verstehen, dass man die B-Seite in den USA besser vermarkten kann, als in Europa, wo damals mehr Leute die Single kannten, aber warum bekommen die Amerikaner nur 3 Live-Tracks?

So oder so bekommt man aber schon eine große Vielfalt an Songs geboten. Das einzige, was hier fehlt, ist sowas wie ein thematischer roter Faden. Mag sein, dass so mancher hier das Gefühl bekommt, dass man damals einfach nur schnell wahllos alles an Material auf eine CD geworfen hat, was man noch von der Zeit um “Terrible Certainty” übrig hatte, um es dann zu Geld zu machen. Aber ist das unbedingt etwas Schlechtes? Kommt für mich immer auf das jeweilige Material an.

Der neue Studiotrack “Impossible To Cure” lässt mich schonmal ziemlich kalt - also in beide Richtungen. Definitiv nichts, was mich zum Kauf der EP anregen würde, aber auch nichts, was mich aufregt. Im Prinzip ist das hier ein recht simpler ~ 2 ½ Minuten 80’er Thrash Metal Song, der genauso auch auf “Terrible Certainty” gepasst hätte - zumindest als Filler. Für jeden, der das Album liebt und unbedingt mehr davon haben möchte, sicherlich ganz reizvoll, wobei ich mich fast schon frage, wie viele Leute sich Kreator angemacht haben, um explizit “Impossible To Cure” zu hören.

Etwas wilder wird es dann schon bei “Lambs To The Slaughter” - ein Cover der NWOBHM-Band Raven. Ich muss dazu sagen, dass ich mit NWOBHM eher wenig anfangen kann und auch überhaupt nicht drin stecke, was es da an wichtigen Alben oder Songs gibt, aber selbst ich kann direkt erkennen, dass Kreator keine besonders gute Figur in diesem Cover machen. Vor allem wenn Mille im Refrain versucht, besonders hoch zu singen, klingt das eher unfreiwillig komisch. Das heißt nicht, dass ich etwas gegen genrefremde Cover habe - im Gegenteil: das macht oft einen ganz besonderen Reiz aus und auch Kreator sollten später noch beweisen, dass sie nicht nur ganz passable Goth-Rocker abgeben, sondern auch generell echt gut covern können, aber hier wirken sie überhaupt nicht in ihrem Element. Ist “Lambs To The Slaughter” deshalb ein schlechtes Cover? Ja, schon irgendwie. Aber immerhin ist es trotzdem auf eine schräge Weise unterhaltsam.

Interessanterweise wirkt das Cover von “Gangland” - im Original von Tygers Of Pan Tang - deutlich besser. Ich meine, das Vorbild stammt hier ebenfalls aus der NWOBHM, aber witzigerweise machen Kreator hier ihr eigenes Ding. Das Ganze klingt diesmal fast schon eher nach Hardcore-Punk (was Kreator glaube ich als Genre etwas eher liegt). Und das führt zu einer wirklich unkonventionellen Version des Songs, die komplett anders klingt als das Original, aber auch komplett anders als das, was Kreator sonst so zu der Zeit gemacht haben. Von den Vocals her würde es sogar fast schon auf “Renewal” passen. Hier gibt's auf jeden Fall ein dickes Plus.

Bleiben nur noch die Live-Aufnahmen und hier merkt man, dass die Truppe damals live noch nicht sehr erfahren war. Wie gesagt, hat sich mittlerweile sehr viel Live-Material aus verschiedenen Jahrzehnten angesammelt und jede Epoche hat auch ihren eigenen Reiz. Und während gerade die 2010’er wirklich ordentlich viele Live-Alben lieferten, gibt es gar nicht mal so viele Veröffentlichungen aus den 80’ern. Positiv muss ich zumindest die rohe Energie und primitive Härte hervorheben. Negativ, dass die Band extrem unsauber spielt und die Aufnahmequalität jetzt auch nicht der Wahnsinn. Mille, der später wirklich gut dabei geworden ist, das Publikum mit einzubeziehen, wirkt hier bei seinen Ansagen auch noch nicht ganz so souverän.

“Terrible Certainty” ist hier wahrscheinlich noch der Song, der am besten wegkommt. Im Vergleich zu neueren Aufnahmen, ist diese Version von der ganzen Stimmung und Atmosphäre her, ziemlich weit am Original, das Tempo fetzt und auch die Riffs sind hier gut erhalten.

Schwierig wird es dann bei “Riot Of Violence”. Liegt vielleicht auch daran, dass der Song an sich schon nicht zu meinen Favoriten gehört, aber das Geschrammel wird zwischendurch echt unsauber und die Delivery der Vocals so furchtbar, dass man kaum noch irgendwas mitbekommt.

Etwas besser wird es mit “Awakening Of The God's”. Mal abgesehen davon, dass ich den Song sehr mag, scheinen hier auch sowohl die Band als auch das Publikum sehr viel Spaß daran zu haben und ordentlich anzugehen und das über knapp 8 Minuten.

Schlecht ist die EP damit für mich nicht unbedingt. Klar: die Qualität schwankt, aber zum Glück auch ab und zu mal in die positive Richtung. Die Frage, ob man die EP unbedingt braucht, muss wohl jeder für sich beantworten. Mittlerweile gibt es “Out Of The Dark… Into The Light” auch im Bundle mit “Terrible Certainty” - allerdings nur mit 5 Tracks, also weder mit “Gangland” noch den drei anderen Live-Tracks. Das sollte aber eigentlich für die meisten Fans reichen. Nur die wirklich leidenschaftlichen Liebhaber der 80’er Kreator, die wirklich alle Songs haben wollen, brauchen noch die separate EP - und da wahrscheinlich am besten die europäische Version und dazu dann vielleicht noch die “Behind The Mirror” Platte mit “Gangland” drauf.

Aber wenn wir es aus damaliger Sicht betrachten, dann hatte “Out Of The Dark… Into The Light” sicherlich absolut seine Daseinsberechtigung. Klar wird hier nicht annähernd das geboten, was man auf einem vollwertigen Album bekommt, aber wer würde das schon auf so einer EP erwarten? Unterm Strich ist “Out Of The Dark… Into The Light” für mich vollkommen okay. Qualitativ in Sachen Live-Aufnahmen, Cover und seltene Studiotracks zwar schlechter als spätere EPs, aber als Erweiterung zu “Terrible Certainty” ganz in Ordnung.

Punkte: 6.5 / 10


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