Isolation Berlin Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit (2016) - ein Review von Schnorcher

Isolation Berlin: Und Aus Den Wolken Tropft Die Zeit - Cover
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9.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Rock: Indie Rock


Schnorcher
14.05.2016 17:53

Ich habe bei einer Band selten das Gefühl, dass sie mir wirklich aus dem Herzen spricht, wie das andere so oft meinen. Und selten habe ich so viel Direktheit, Ehrlichkeit und Emotion bei einer Band gehört. Isolation Berlin sind für mich all das und mehr, sie sind irgendwie ein Begleiter für mich geworden, und nicht zuletzt auch dieses, ihr erstes Album. Einzigartig ist, dass ich zu jedem Lied auf der LP eine Verbindung habe, eine Erinnerung oder ein Bild, das da im Kopf aufploppt, wenn ich es höre. Isolation Berlin sind so wunderbar melanchokitschig und sentimental auf der einen Seite, auf der anderen aber auch sehr sensibel, realistisch und tiefgehend.
Musikalisch siedeln sich die Berliner irgendwo zwischen Spät-70er-Pop, Ton Steine Scherben (Rio!) und neuerem Punk an, haben jedoch einen komplett eigenen Stil, der sehr schwer zu beschreiben ist. Das Songwriting ist astrein und minimalistisch. Langsame, traurige Songs wie "Schlachtensee", "Du hast mich nie geliebt" und das tolle "In manchen Nächten" laden zum verträumten Starren durch die verregnete Windschutzscheibe ein. Auf der anderen Seite sind da Lieder wie "Wahn", welches ich schon fast als Meistwerk bezeichnen möchte, und "Ich küss dich", welches wahrscheinlich einfach selbst angehört werden sollte.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Band entdeckt habe und denke, dass in meinem Leben ohne sie ein paar Sachen anders gelaufen wären (oder sich zumindest anders angefühlt hätten). Wenn man den richtigen Zugang hat und menschlich da irgendwie auf einer Ebene ist, kann man in diesem Album einen wunderschönen Begleiter finden.

Punkte: 9.5 / 10