Heretoir haben auf Solastalgia den Post BM-Anteil etwas runtergeschraubt (entsprechende Bands gibt es mittlerweile ja ohnehin wie Sand am Meer), dafür gibt es wieder einiges mehr an "bodenständigem" Atmospheric Black Metal mit Hauch zum depressiven Einschlag. Richtig toll ergänzt wird das Album aber erst durch seine vielen Shoegaze-Einlagen und dem fast schon Mainstream-artigen, melancholischen Clean-Gesang. Insgesamt wahrlich eine gute Mischung, das Album klingt, je nach Song, wie ein Hybrid aus Harakiri For The Sky mit starkem Einschlag jüngerer Alcest und einer instrumentalen Prise Deafheaven. Bittersüß und wabernd-atmosphärisch besingen Heretoir auf Solastalgia den Schmerz um den (um)weltlichen Niedergang, den Verlust der Heimat und die Ausbeutung der Natur. Ganz groß dabei sind die drei Hymnen The Ashen Falls, Dreamgatherer und Solastalgia, außerdem die ruhigen Stücke The Heart Of Dezember und The Same Hell MMXXV. Und angesichts all des Weltschmerz-Themas kommt auf dem Album wohl auch das (gute) Metaphor-Cover von In Flames nicht von irgendwoher. Zu meckern gibt es für mich indes nur wenig: Der ein oder andere Song wirkt vielleicht etwas langatmig, da Heretoir ihren Hang zur Überlänge natürlich beinhalten haben. Makel muss ich bei Solastalgia aber wirklich schon fast mit der Lupe suchen - es spricht wohl für sich, dass ich seit knapp zwei Wochen nichts wirklich anderes mehr im Player habe.
Fazit: Zu ihren jüngeren Post BM-Zeiten habe ich Heretoir fast schon aus den Augen verloren, da sich in dem Bereich viele Bands einfach nur noch in ermüdender Weise gegenseitig kopieren. Mit Solastalgia ist den Augsburgern aber wahrlich eine äußerst gelungene, abwechslungsreiche und intensive Überraschung geglückt, die v. a. in der aktuellen, düsteren Jahreszeit ihre volle Wirkung entfalten kann - toll!
Punkte: 9 / 10