Heart Dog & Butterfly (1978) - ein Review von schanzer.in

Heart: Dog & Butterfly - Cover
1
1 Review
8
8 Ratings
8.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Rock: Hardrock


schanzer.in
01.05.2017 15:43

"Dog and Butterfly" wurde zu LP-Zeiten nicht als Seite 1 und 2 veröffentlicht, sondern als "Dog" (Seite 1) und "Butterfly" (Seite 2). Diese Zweiteilung sollte die hart rockende und die sanfte Seite der Band repräsentieren. Aus heutiger Sicht finde ich den Unterschied gar nicht so krass, da die "Dog"-Seite auch nicht wirklich heavy klingt.
Das hat aber natürlich gar nix mit der musikalischen Qualität zu tun. Der Opener "Cook With Fire" ist live aufgenommen und ist ein straighter Rocker, was bei den Wilson Sisters heißt, dass ein durchaus komplexer Aufbau mit Finessen vorliegt. Ein passender Einstieg, der gut ins Ohr geht und auch drin bleibt.
Bei "High Time" darf sich Nancy an der Bluesharp austoben. Die Nummer hat interessante rhythmische Ideen in den Strofen, die evtl. etwas zu viel des Guten sind und etwas bemüht klingen.
"Hijinx" ist ein lasziv dargebotene Nummer basierend auf einem Riff und nicht wirklich "Dog", aber dank Ann's erotischem Gesang ein Genuss.
Nun kommt der Hit "Straight On". Wir schreiben 1978 und sowas musste man damals einfach machen: Disco-Rock! "Miss You" von den Stones, "Da Ya Think I'm Sexy" von Rod Stewart "Jeopardy" von Greg Kihn usw. sowas gabs damals oft. Mit vergleichbar geilem Duett-Gesang und mit so viel Akkorden allerdings nur von "Heart". Auch keine harte "Dog"-Nummer würde ich sagen....
Nun zur fantastischen "Butterfly"-Seite!
Zuerst der Titelsong: Ein Traumsong, abwechslungsreich, Ohrwurm von vorne bis hinten, markante Licks von Nancy. Ann hat den Text ursprünglich als Gedicht verfasst und hier vertont. Grundlegende Idee ist, dass man einen immer wieder erfolglos nach einem Schmetterling schnappenden Hund mit einer Sängerin vergleichen könnte, die täglich "erfolglos" versucht das perfekte Konzert abzuliefern. Live wird das Stück aber auch manchmal als "Song of Balance" angekündigt. Wie die Schwestern hier perfekt harmonierenden Duett-Gesang abliefern ist ein Traum!
"Lighter Touch" und "Nada One" sind beides ungemein intensive, dramatische Balladen mit typischen Nancy-Akkustikgitarrenlicks.
"Mistral Wind" ist der Kracher zum Abschluss: Durchaus mit heavy Passagen, also eher nicht so "Butterfly"ig. Epischer Bombast, an keinen anderen Song erinnernd, ein Monolith für sich mit superbem Gesang von Ann. Ein Meilenstein der Wilsons.
Die Wiederveröffentlichung offeriert noch "Feels", was eine Urversion von "Johnny Moon" ist. Musikalisch sehr ähnlich, jedoch mit komplett anderem Text. Sehr interessant für "Heart-Archäologen" wie mich.

Punkte: 9 / 10