Gentry Lord Signals From The Mystiverse (2014) - ein Review von Fire Down Under

Gentry Lord: Signals From The Mystiverse - Cover
2
2 Reviews
5
5 Ratings
5.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Heavy Metal, Progressive Metal


Fire Down Under
11.11.2014 14:20

Man stelle sich einmal vor, irgendwo in der siebten Dimension geschieht folgendes: Die mit Pilzen zugedröhnte Mannschaft von SIGH covert MERCYFUL FATE-Klassiker zusammen mit King Diamond himself auf einem üblen LSD-Trip. Ebenfalls am Start sind Alf Svensson von OXIPLEGATZ, der Timpanist von MASTER'S HAMMER sowie ein mittels Zeitmaschine herbeigeschaffter Keyboarder einer italienischen Elektro-Prog-Truppe aus den 70er Jahren.

Damit nicht genug: das Intro dieser EP ist eine Coverversion eines bisher völlig unbekannten, unveröffentlichten Stücks der Epic Crap Metal-Götter RHYMES OF DESTRUCTION. Auch der eigentlich verschollen geglaubte Grunz-Froschroboter, der auf dem ersten Demo der Belgier zu hören war, konnte wieder gefunden und für die Einspielung von "Signals from the Multiverse" gewonnen werden. Man merkt bereits hier schon, dass keine halben Sachen gemacht werden.

Der erste richtige, beinah 10 Minuten lange Song "Secrets Behind the Veil" fährt dann mächtig schwer Geschütz auf: nach einem auf bizarre Art und Weise ziemlich epischen Intro bestehend aus irrem Gesang, Paukenschlägen und spacig-sinfonischen Keyboards steigt man mit abstraktem MERCYFUL FATE-Riffing ein. Doch Vorsicht: wem bereits die legendären Dänen zu anstrengend sind, der sollte sich lieber zweimal überlegen, ob er dem GENTRY LORD Gehör schenken mag, denn eine anschließende Einweisung in die Geschlossene wäre dann nicht mehr auszuschließen. Denn hier geht es noch eine ganze Ecke abgespaceter zu: die schrägen Keys saugen Dich zunächst wie ein Schwarzes Loch an, um Dich erbarmungslos durch Raum und Zeit zu katapultieren. Wehrlos, bewegungsunfähig wirst Du von geheimnisvollen Mächten durch bizarre Welten geschleust, während die Pauken mit Deinem Gehirn spielen wie Alex und seine Droogs mit ihren Opfern.

Auf einmal irres, sardonisches Gelächter. Langsam beginnst Du, Deine Gliedmaßen wieder zu spüren. Dein Kopf schmerzt. Dir ist kalt und es riecht leicht faulig. Das einzige, was Du Dir bei Deinen kläglichen Versuchen, Dich zu orientieren, zusammenreimen kannst ist, dass Du anscheinend in einem feuchten Verlies Dein Dasein fristest. Weiter kommst Du allerdings nicht mit Deinen Überlegungen, denn schon wieder ist dieses schrille Gelächter zu vernehmen. Du wirst harsch von zwei ekelhaft-kalten, glibbrigen Wesen gepackt, die Dich ziemlich unwirsch durch die Korridore schleifen und dabei permanent in einer unangenehm klingenden, unverständlichen Sprache rumplärren. Nach einer gefühlten Ewigkeit wirst Du unsanft zu Boden geworfen. Du vernimmst Musik. Musik, die Du als Heavy Metal zu identifizieren glaubst. Oder zumindest als sowas ähnliches. Dann aber schweift Deine Aufmerksamkeit zu etwas anderem: eine Kreatur, die den beiden Gestalten, die Dich hierher verfrachtet haben, ähnlich sieht, nur ungefähr 10x größer (das muss wohl der König sein) kreischt in einem ähnlich schrillen Tonfall Zeugs, das Du nicht verstehst. Plötzlich stehen die beiden Schergen wieder über Dir und schleifen Dich aus dem Thronsaal. Du schaffst es nochmal, Deinen Blick in Richtung der aufspielenden Band, deren Musiker Dir seltsam vertraut erscheinen, zu richten. Darüber ein Banner: "A Dreadful Adoration". "Cooler Bandname!", denkst Du Dir...

Die beiden Fieslinge stecken Dich in eine furchtbar enge Raumkapsel, in der Du Dich kaum rühren kannst. Da Du allerdings nicht imstande bist, Dich auch nur irgendwie zu wehren, ergibst Du Dich Deinem Schicksal. Naja, wenigstens gibt's hier drin Musik. Dir gefällt das ziemlich gradlinige Metal-Riffing des Songs, der anscheinend "Garden of Screaming Skulls" heißt, wie Dir das Display verrät. Du überlegst, woran Dich dieses Lied erinnert, während Du aus dem Fenster blickst und bemerkst, dass Du auf etwas Helles zufliegst. Und langsam aber stetig wird es wärmer...

Du wachst auf. Drölfzig Millionen Gedanken und Fragmente schwirren Dir im Kopf umher. Wo bist Du? Wer bist Du? Und warum? War das ein Traum? Hast Du das alles wirklich erlebt? Neben Dir liegt eine CD mit dem Titel "Signals from the Multiverse" sowie ein CD-Player. Du legst die CD in den Player ein und...

Punkte: 9 / 10