Mit 5 Tracks knapp 24 Minuten Laufzeit ist sie auf jeden Fall schonmal nicht schlecht ausgestattet. Das ganze setzt sich dann aus 3 komplett neuen Songs, einem Cover und einem Instrumental zum Ausklang zusammen. Obwohl gerade mal ein Jahr seit dem Debüt vergangen war, hat sich innerhalb der Band einiges getan. Francesco Paoli, der ehemalige Sänger, sitzt jetzt an den Drums und dafür übernimmt der neu hinzu gekommene Tommaso Riccardi die Vocals. Außerdem ist “Mafia” das erste Mal, dass wir die Sopran-Gesänge von Bassisten Paolo Rossi hören können, die ab da fester Bestandteil der Alben wurden. Die neuen Vocals gehen für mich völlig in Ordnung. Ehrlich gesagt höre ich keinen super großen Unterschied zwischen den beiden Sängern raus. Beide bringen grundsolide tiefe Death Metal Growls hervor, die jetzt aber auch nicht komplett einzigartig sind. Gleichzeitig macht Paoli jetzt einen wirklich ordentlichen Job an den Drums.
Die Abmischung stellt wie schon bei “Oracles” die Drums sehr in den Vordergrund. Das ist okay, da dadurch ziemlich gut zur Geltung kommt, was für eine Maschine Paoli an den Drums ist. Allerdings geht das so weit, dass hier und da die Drums derart dominant im Vordergrund stehen, dass zum Beispiel die Gitarren etwas drunter leiden, wobei aber auch diese wieder einen ordentlichen Sound verpasst bekommen haben. Insgesamt haben wir also wieder eine schön wuchtige Produktion.
Was mir aber besonders positiv auffällt, sind die Songs selbst. Man unterbricht diese jetzt nicht einfach nur plötzlich, um ein paar Klassik-Samples rein zu friemeln wie beim Vorgänger, sondern hat ein paar kreative Methoden gefunden, die Genres miteinander zu kombinieren.
Das absolute Herzstück der EP sind für mich die ersten drei Songs, die allesamt deutlich länger sind als jeder einzelne Song auf “Oracles” und sich auch wirklich abwechslungsreich geben, sodass hier auch bei längerer Spielzeit keine Langeweile aufkommt.
Den Anfang macht “Thru Our Scars” und wir werden hier quasi von Anfang an mit absolut kranken Riffs bombardiert. Das Tempo ist mehr als ordentlich und trotzdem geht alles direkt viel besser in's Ohr als die Songs vom Vorgänger. An zwei Stellen dürfen wir dann auch den Sopran-Vocals vom Bassisten lauschen, welche für extrem starke und kraftvolle Momente sorgen und sich perfekt mit dem Sänger ergänzen. Ich weiß, dass die cleanen Vocals von Fleshgod Apocalypse nicht nur Fans haben und ich finde ja auch, dass sie irgendwann etwas zu häufig benutzt worden, aber bei “Thru Our Scars” klingen sie einfach nur absolut episch. Dazwischen wird auch mal kurz das Tempo ein wenig gedrosselt, damit man ein sehr stabiles Gitarrensolo einbauen kann, was dem Song ebenfalls mehr Tiefe gibt.
“Abyssal” klingt dann etwas im ersten Moment etwas simpler und direkter - volles Tempo, volle Brutalität und mit “Right denied! Right denied by your opressors!” haben wir auch gleich eine richtig geile Hookline am Start. Nach etwa zwei Minuten gibt es eine kurze Pause mit irgendwelchen italienischen Sprachsamples (die aber ordentlich in die Musik integriert wurden) bevor sich alles in einem Duett zwischen Sänger Riccardi und Lead Gitarrist Cristiano Trionfera entlädt, bei dem beide wirklich alles abreißen - sehr geiler Moment! Danach geht es in Runde zwei und nach einer gewissen Zeit des eh schon großartigen Songs geht alles langsam in ein fast schon melancholisches Gitarrenriff über, welches wiederum immer stärker von klassischer Musik verdrängt wird, bis nur noch die klassische Musik da ist. Schwer zu beschreiben, hört sich aber extrem stark an.
“Conspiracy Of Silence” schließt daran quasi direkt ohne Übergang an und überzeugt am Anfang erst einmal mit wirklich brutalen Vocals und einem Soundgewand, dass ähnlich brutal wie die Songs auf “Oracles” daherkommt. Im Laufe des Songs gewinnen dann vor allem die Gitarren die Überhand und liefern eine wirklich schöne Melodie-Death Passage, die den frühen In Flames gar nicht so unähnlich klingt. Sehr schöner Part, wenn auch einer der wenigen Momente, in denen die Drums, die hier so krass im Vordergrund stehen, ein klein wenig stören. Im Anschluss gibt es nochmal Sopran-Gesang, an den sich dann die Growls anschließen - schöner Wechsel zwischen beiden Arten von Vocals.
Ich kann wirklich nur sagen, dass das drei extrem starke Songs waren und ich hier große Probleme habe, einen Favoriten zu finden. Wahrscheinlich wird es für mich knapp “Abyssal”.
Als nächstes haben wir aber noch “Blinded By Fear” - ein Cover von einem At The Gates Song. Ich habe At The Gates nie wirklich gehört und kann deshalb wenig zum Original sagen, aber es scheint eher ein Klassiker der Band zu sein, als ein obskurer Song, den keiner kennt. Später sollten Fleshgod Apocalypse ja auch etwas genrefremdere Songs wie “Reise, Reise” von Rammstein covern oder sich sogar an “Blue (Da Ba Dee)” von Eifel 65 versuchen. Da sind At The Gates dann doch noch deutlich näher an dem dran, was Fleshgod Apocalypse in der Regel so machen. Trotzdem haben sie einen etwas anderen Stil, an den Song heran zu gehen und auch wenn Fans des klassischen Göteborg-Melodic-Death-Metal jetzt mit Tomaten bewerfen werden, mag ich die Version von Fleshgod Apocalypse sogar ein wenig mehr als die von At The Gates (habe aber auch wie gesagt keinen richtigen Bezug zum Original). Im Vergleich zu den drei Songs davor geht “Blinded By Fear” ein wenig unter, ist aber trotzdem ein mehr als solides Cover.
Zum Schluss gibt es dann mit “Mafia” noch einen instrumentalen und melodischen Ausklang. “Mafia” ist genauso wie der Rausschmeißer auf “Oracles” ein reines Piano-Stück - eine Tradition, die sich auch auf den nächsten Alben zeigen sollte. Im direkten Vergleich zu “Oracles” legt “Mafia” (also der Song) aber auch nochmal ganz gut zu. Was bei “Oracles” eher eine nette kleine Spielerei war, kommt hier wesentlich gefühlvoller daher und bleibt auch deutlich besser hängen.
Damit ist “Mafia” wirklich überraschend stark geworden. Inhaltlich haben wir hier eine unglaublich dichte EP. Ich sehe sie sogar als ziemlich gute Einstiegsdroge für alle, die bisher noch nicht so richtig bei Fleshgod Apocalypse reingehört haben. Die Qualität ist wirklich sehr gut und falls ihr die Kombination aus Technical Death und Symphonic Metal feiert, dürften die späteren Alben mit noch mehr Symphonic Metal euer Ding sein. Falls die Symphonic-Elemente nerven, aber ihr das musikalische Grundgerüst mögt, hättet ihr dann immer noch “Oracles”. Für mich ist “Mafia” die fast perfekte Kombination aus beiden Genres.
Punkte: 9.5 / 10