Face Down Mindfield (1995) - ein Review von DarkForrest

Face Down: Mindfield - Cover
1
Review
5
Ratings
7.70
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Thrash Metal


DarkForrest
04.08.2020 19:48

Mal wieder ein Beitrag aus der Kategorie "Debütalben, die ein wenig aus der Diskographie hervorstechen": Wenn es ein Album von Face Down gibt, welches sich akustisch vom Rest besonders deutlich unterscheidet, dann kann das eigentlich nur der Erstling "Mindfield" sein. Denn auch wenn die Schweden von Anfang an ordentlich brutalen Thrash Metal zelebriert haben, wurde der eigene ultrabrutale Stil mit Death Metal Einflüssen und absoluten Killer - Vocals erst mit dem Nachfolger und Meisterwerk "The Twisted Rule The Wicked" etabliert und noch später auf "The Will To Power" fortgesetzt.

"Mindfield" steht damit so zu sagen zwei schweren Kampfpanzern des härteren Metal gegenüber und ist bei mir vielleicht auch nicht in der dankbarsten Position, zumal ich mir das Ding als letztes Album der Truppe zugelegt habe, womit natürlich auch der Neuigkeitsbonus nicht mehr so ganz ziehen konnte. Etwas anderes mag das sicher Mitte der 90'er gewesen sein. Da war moderner, groovelastiger Thrash Metal im Stil von Pantera gerade der heiße Scheiß. Auf "Mindfield" merkt man noch sehr, sehr deutlich wie die Jungs von Neothrash Bands wie Machine Head beeinflusst wurden (war vielleicht auch kein Zufall, dass sie sich ursprünglich unter dem Namen Machine God gegründet haben).

Wenn man "Mindfield" jetzt mal mit dem Rest des musikalischen Schaffens der Truppe vergleicht, möchte man fast meinen, sie hätten danach den Sänger gewechselt. Die Vocals unterscheiden sich schon hart von späteren Werken und auch dem, was Marco Aro zwischendurch so bei The Haunted getrieben hat. Alles in allem lässt er es hier deutlich ruhiger angehen. Derart hartes gegrowle wie später gibt es hier gar nicht. Stattdessen gibt es zwischen aggressivem Shouting auch mal ganz ruhigen und cleanen Gesang - ab und an auch mal digital verzerrt. Ich bin ganz ehrlich: insgesamt ist das weniger mein Ding. Ich mag's aggressiver und vor allem wenn's etwas schneller wird, fehlt mir hier die Power etwas. Jaja, Jammern auf hohem Niveau - ich kann wirklich nicht sagen, dass der gute Mann hier nicht trotzdem ordentlich Leidenschaft und Hass in seine Stimme steckt, wie sich das gehört und ich kann auch nicht leugnen, dass das ganze Album dadurch ein paar Songs und Facetten spendiert bekommt, die später so nicht mehr drin waren, auch wenn das ganze live so wohl nicht replizierbar ist (hört euch "Holy Rage" mal so und mal auf der Live DVD an und ihr wisst, was ich meine).

Auch so klingt "Mindfield" aber ein bisschen anders und teilweise sogar abwechslungsreicher. Der Sound ist insgesamt etwas weniger glasklar als sagen wir mal auf "The Will To Power", womit ich persönlich überhaupt kein Problem habe und diverse niedliche Spielereien" und Samples tauchen hier öfter auf, auch wenn sie bei Face Down nie ganz verschwunden sind. Insgesamt würde ich sagen, dass hier etwas mehr Abwechslung anstelle von Härte auf's Schlachtfeld geschickt wird.

Das heißt allerdings nicht, dass mir der Opener "Weak" jetzt eine gute Vorlage für bescheuerte Wortspiele liefert, denn der Song ist wirklich stabil und spielt die Stärken der Band gut aus. Die Nummer fängt langsam an und lässt die Band sich erstmal gut 1 ½ Minuten austoben, bevor Aro einsteigt. Das Ergebnis lässt mich sofort mit dem Kopf mitwippen - nicht zuletzt wegen dem sehr gelungenen Gitarrenriff. Erst mit "Kill The Pain" zeigen sich dann die ersten Schwachpunkte. Der Song legt ein gutes Tempo hin und während die Band etwas generisch drauf losprügelt, hat der Sänger dem irgendwie nicht so richtig viel entgegen zu setzen.

Fast noch auffälliger wird das ganze bei "Human", was mich in der ersten Minute noch ganz gut überzeugen kann - fängt es doch angenehm düster und fast schon doomig an. Auch später soll sich der Song mit einigen Tempowechseln abwechslungsreich gestalten - sogar der Bass ist hier mal richtig gut zu hören - aber die Vocals sind gerade im Refrain nicht mein Geschmack und fast schon so 'ne Art Anticlimax. Wirklich stark zeigt sich dagegen "Holy Rage". Alleine schon wie es eingeleitet wird: Kirchenchor-Elemente, ominöses Flüstern, unheilschwangere Gitarren - sehr geil. Erst nach zwei Minuten geht das Ding dann richtig los… Und wie es losgeht! Selbst die Religionskritik mit dem Holzhammer, das Wortspiel "Hypochrist" oder Zeilen wie "If there is a will there is a way
I'll never be on my knees to pray" kann ich hier extrem feiern.

Leider kann "Demon Seed" das gerade erreichte Niveau für mich so gar nicht halten. Der Song hat irgendwie gar keine Richtung, die sich mir erschließen will, wirkt sperrig und langweilig zugleich, die Vocals sind hier extrakomisch und gefühlt macht hier jeder in der Band sein Ding, ohne auch nur zu versuchen, mit seinen Kollegen zu harmonieren. Das Ergebnis ist ein Song der nervt und, der mir noch nicht mal als Hintergrundbeschallung taugt. "Save Me, Kill Me" ist da schon wieder ein ganz anderes Kaliber und lässt mich den musikalischen Stil von "Mindfield" gleich wieder mehr wertschätzen. Neben sehr langsamen, fast schon balladenartigen Momenten, steckt Aro enorm viel Emotion in seine Stimme und auch musikalisch könnte das Ding kaum weiter weg sein von 0815 - Geknüppel. So kommt am Ende eine sehr starke Vertonung zum Thema Depression heraus, die so auf den späteren Alben sicher nicht möglich gewesen wäre.

Mit "Colors" findet sich dann doch noch ein richtiger Brecher auf "Mindfield" wieder. Hier gibt's wirklich kaum irgendwelches unnötiges Beiwerk, sondern einfach nur permanent auf die Fresse und einen kleinen Einblick, in welche Richtung sich Face Down entwickeln sollten. Gelungen ist das in der Form allemal. "Twelve Rounds" kommt wieder etwas lässiger daher, ist technisch ziemlich cool umgesetzt und kann sich recht schnell zu einem hartnäckigen Ohrwurm entwickeln.

"Hatred" ist dagegen wieder etwas simpler gehalten und ist einer dieser Songs, die man gut hören kann, wenn man mal wieder - auf wen oder was auch immer - ordentlich angepisst ist. In dieser Sache macht er auch keinen schlechten Job, zumal er doch die eine oder andere recht intensive Stelle hat und mit dem Sound eines ladenden Gewehres ganz nett eingeleitet wird, aber auch hier knallt so ziemlich alles auf "The Twisted Rule The Wicked" deutlich mehr. Da kann "Mindfield" mit "One Eyed Man" schon wieder deutlich mehr glänzen. Wenn es einen Song gibt, der wirklich alles, was dieses Album gut macht zusammenfasst, dann "One Eyed Man". Von der netten Soundcollage aus diversen Clips, die sich mit Serienmördern befassen über den sehr abwechslungsreichen Gesang und auch mal einigen netten ruhigen Momenten ist hier über 6 Minuten lang alles dabei, was mich davon überzeugt, dass Härte und Brutalität eben doch nicht alles ist, was Face Down so können.

Nach diesem starken Ausklang ist es gar nicht mal so einfach, sich ein abschließendes Urteil über "Mindfield" zu bilden. Wirklich fair kann ich es eh nicht bewerten, da ich dafür die beiden anderen Alben zu sehr mag und zwangsläufig immer als Vergleich heranziehe. Außerdem ist 90'er Neothrash- und Groovemetal einfach zu wenig meins, um das hier angemessen wertschätzen zu können. Deshalb kann "Mindfield" leider nicht immer so richtig zünden, aber wenn es zündet, dann richtig. Auch wenn ich sehr froh bin, dass die Band sich weiterentwickelt und damit einen Stil gefunden hat, mit dem sie sich etwas mehr von der Konkurrenz abheben sollte, sehe ich hier auch einige sehr einzigartige Songs wie "Holy Rage", "Save Me, Kill Me" oder "One Eyed Man", für die ich dem Debüt sehr dankbar bin und die ich so auch nicht mehr missen möchte. Vor allem die zweite Hälfte kann dann doch noch einiges rausreißen und dafür sorgen, dass "Mindfield" für mich ein bisschen besser als durchschnittlich abschneidet. So viel zu meiner subjektiven Meinung. Falls ihr generell mit Bands wie Pantera oder Machine Head was anfangen könnt, dann vergesst natürlich, was ich hier schreibe und hört unbedingt mal rein!

Punkte: 6.5 / 10