Entombed Clandestine (1991) - ein Review von MLSnick

Entombed: Clandestine - Cover
2
Reviews
47
Ratings
9.13
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Death Metal


MLSnick
07.06.2014 14:17

Da stand ich nun ich "kleiner Wicht" und war auf einmal ein DeathMetal-Fanatic. Viel musste ich noch lernen, ja gut, auslernen tut man nie. Glücklicherweise kam in jener Zeit auch das eine oder andere Spezial-Heftchen über mein damaliges Lieblingsgenre raus. Auch die Zeitschriften wollten ein Stück vom Kuchen abhaben, denn DeathMetal war voll im Trend und verkaufte sich anscheinend nicht schlecht.

Irgendwo in meinem Archiv müsste dann auch noch die Todesblei-Sonderausgabe des RockHards rumschwirren, in denen die bis dato besten 50 Platten jenes Genres gelistet waren. Da der (2ndGeneration-)BlackMetal noch an seinen Eierschalen nestelte, waren auch solche Bands wie BATHORY oder VENOM vertreten, was irgendwie zu dem Zeitpunkt auch Stand der "Wissenschaft" war.
Viel mehr interessierten mich aber die extremsten, brutalsten und vor allem satanischsten Bands, ja, so war ich drauf. Und an allen Ecken und Enden wurden ENTOMBED mit ihrem Debüt Left Hand Path gelobhuldetpredigt. Doch zu allererst sollte mir das Zweitwerk Clandestine zwischen die Ohrmuschis kommen und mich derbst penetrieren.

Da stand ich nun nicht mehr, sondern saß in meinem zerfledderten Sessel, den Omi Jahre zuvor gegen ein anderes Neumöbel ausgetauscht hatte und starrte in die Röhre. Satellit sei Dank empfing ich damals MTV und diese waren noch so übergnädig und ließen Musik, und sogar zu weltfremdesten Zeiten eine Sendung namens Headbangers Ball, laufen. Besonders erfreut war ich immer über die Sparte TripleThrashThreat, wo der extremen Art des Metals gehuldigt wurde.
ENTOMBED kamen mit einem Mädel in ihrem Videoclip zu "Stranger Aeons" daher, welches kurz vorher durch ihre Anwesenheit in einer EuroDance/Pop-Truppe namens ARMY OF LOVERS sogar mir bekannt war . Aber nicht dieses ansehnliche Fleisch ließ mich freudestrahlend die CD auf den Einkaufszettel schreiben, denn die bretternd-aggressive Mucke war es, die mir sofort richtig gut abging.

ENTOMBED rockten (im wahrsten Sinne des Wortes), aber eben auf ihre Art. Die Gitarren bruzzelten fetter als Bratpfannen mit einem halben Meter Sandwichboden in Teufels Küche und das Gebelle des Sängers war Minnegesang in meinen Ohren. Obwohl ich damals das tiefste Gekotzte immer am meisten mochte, fand ich L.G.Petrov hier am Micro nur geil, weil es herrlich aggressiv und eben anders war. Der Gesamteindruck des Sounds alleine war schon ein Kaufgrund, hinzu kamen noch richtig geile Songs, die im Ohr hängen blieben, aber trotzdem nach'ner Zeit nicht langweilten.

Als Clandestine noch recht aktuell war, hatte ein Freund von mir die herrliche Vinylversion mit dem Prägedruck. Das Cover von Dan Seagrave war so schon eine Augenweide, doch mit dem geprägten ENTOMBED-Logo, dem großen Schädel in der Mitte und der Schrift Clandestine unten, war diese Platte ein echter Hingucker, aber schon damals eher rar. Mein Traum war es ab diesem Zeitpunkt, diese Version auch mal in der Sammlung zu haben und siehe da, im Dezember letztes Jahr kam sie als Wiederveröffentlichung bei mir an. Alleine schon nach Jahren das Plattencover im Licht umherschwenken zu lassen und den Anblick zu genießen, trieb mir die Freudentränen in die Augen. Noch besser wurde es, als die Nadel durch die Rillen glitt und mir förmlich der Staub aus den Ohren gepustet wurde. Besser klingt meine CD auf keinen Fall!
Ein ReIssue das so sehr begeistern kann, das man unbedingt eine Ersatzunterbuxe bereit liegen haben sollte!

Jahre später erfuhr ich übrigens wie ENTOMBED bzw. die Vorgängerband NIHILIST ihren legendären Gitarrensound zusammenschusterten, der so viele Bands nachhaltig beeinflusste: mit einem Mini-Marshall-Amp

Punkte: 7.5 / 10


Entombed: Clandestine

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Tracklist:

  1. Living Dead
  2. Sinners Bleed
  3. Evilyn
  4. Blessed Be
  5. Stranger Aeons
  6. Chaos Breed
  7. Crawl
  8. Severe Burns
  9. Through The Collonades