Eisheilig Die Gärten Des Herrn (2003) - ein Review von DarkForrest

Eisheilig: Gärten Des Herrn, Die - Cover
1
1 Review
4
4 Ratings
7.62
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Gothic Metal


DarkForrest
17.08.2021 19:30

Zwei Jahre nach dem selbstbetitelten Debüt hatten Eisheilig den Nachfolger "Die Gärten Des Herrn" am Start - das zweite Album, welches ich in die Kategorie "Classic Eisheilig" stecken würde, bevor man mit "Elysium" deutlich experimentierfreudiger geworden ist. Ähnlich wie "Eisheilig" hatte ich "Die Gärten Des Herrn" ziemlich lange nicht mehr aktiv gehört und es als ähnlich melancholisch und gothic-lastig in Erinnerung wie den Vorgänger. Ein wenig trügt jedoch die Erinnerung, denn obwohl der Gothic Metal hier immer noch sehr präsent ist, hat die Truppe schon ein wenig an ihrem Stil gearbeitet und zeigt sich hier dynamischer und gitarrenlastiger.

Dass einer der beiden Gitarristen in der Zwischenzeit die Band verlassen hat, scheint dem aber keinen Abbruch getan zu haben, denn gerade musikalisch klingt "Die Gärten Des Herrn" doch ein bis zwei Stufen härter als "Eisheilig" und entgegen meiner Erinnerung wurde auch das Tempo gut erhöht. Trotzdem sind wir noch ein gutes Stück vom wuchtigen "Elysium" entfernt. Das mag einerseits an Sänger Dennis Mikus liegen. Er versucht hier zwar wirklich, etwas mehr Variation in seine Stimme zu bringen, was ihm auch gelingt, aber bleibt dabei immer bei cleaneren Vocals. Andererseits hat man sich hier noch nicht so ganz von den düsteren und schweren Elementen des ersten Albums gelöst, was ja auch nicht unbedingt schlecht ist.

Ich würde sogar sagen, dass "Die Gärten Des Herrn" das abwechslungsreichste Album der Band ist, aber auch das stilistisch am schwersten einzuordnende. "Eisheilig" war melancholisch, doomig und traurig, "Elysium" wuchtig und episch, "Auf Dem Weg In Deine Welt" kitschig und poppig und "Imperium" brachial und bewusst unharmonisch. Aber "Die Gärten Des Herrn"? Keine Ahnung - eine bunte Mischung aus vielem.

Der Opener "Wahntrieb" zeigt gleich mal sehr gut, wie die Songs etwas knackiger aber auch simpler geworden sind. Er stellt quasi das komplette Gegenteil zu "Die Brücken", dem Opener von "Eisheilig" dar. Er ist extrem einfach aufgebaut mit seinen etwas ruhigeren Strophen und dem kraftvollen Refrain. Dazu ein flottes Gitarrenriff und das war's eigentlich schon. Das ganze wirkt zwar nicht so deep wie "Die Brücken" geht dafür aber auch beim ersten Mal hören schon gut nach vorne.
"Mein Land" beginnt zwar mit einer ordentlichen Gitarrenwand, versprüht aber doch eine gewisse Leichtigkeit. Dafür sorgen unter anderem die vergleichsweise soften Vocals und dezent platzierte Pianoparts im Refrain. Das Tempo ist dabei trotzdem ganz ordentlich.

Genau das Gegenteil davon haben wir bei "Die Kraft". Das Tempo wird hier nie besonders schnell, dafür kommen hier Härte und Schwere richtig schön zur Geltung und es wird kein Moment verschwendet, um ordentlich Druck aufzubauen. Gefällt mir in der Form sehr gut. "Hoch Auf" nimmt eine ähnliche Rolle ein wie "Vater Unser" - der ebenfalls vierte Track auf dem Vorgänger. Alles ist ziemlich melodisch und die Chance ist recht groß, dass nach einem Mal hören das genau der Song sein wird, von dem am meisten hängen bleibt. Durch seinen einfachen Aufbau, kommt man ziemlich gut rein, aber langfristig geht ihm irgendwann ein wenig die Puste aus, obwohl er immer mal wieder noch ganz nett für zwischendurch ist.

Mit "Tief Begraben" wird es schließlich interessant: ein weiterer Versuch der Band, den Härtegrad nach oben zu schrauben. Die Gitarren und den zugrundeliegenden Sound hat sie diesmal auf jeden Fall am Start, sodass hier definitiv etwas besseres dabei heraus kommt als noch ein Album zuvor bei "Das Tier". Allerdings können die Vocals von Mikus hier noch nicht ganz mithalten. Er wirkt die ganze Zeit so als wäre er kurz davor zu growlen, würde sich aber noch nicht so richtig trauen, was zu einer seltsamen Art fauchenden Gesangt führt. Aber wisst ihr was: für genau diesen einen Song klingt das ganz gut. Ich bin froh, dass er auf "Elysium" doch noch 1-2 Schritte weiter geht, aber "Tief Begraben" funktioniert am Ende besser als es in der Theorie sollte und passt doch ganz gut auf das Album.

"Die Sonne Über Uns" ist dann nicht mehr ganz so spannend. Er plätschert etwas unscheinbar und ziellos daher und klingt für einen Song von Eisheilig fast schon sperrig. Immerhin: ein sehr geiles rockiges Riff ist mit dabei. Reicht das alleine aus, um den Song zu retten? Nicht ganz. Aber es verhindert definitiv schlimmeres und bewahrt den Song davor, langweilig zu werden. Mit "Über Tausend Sternen" wird es überraschend elektronisch. Selbst die Vocals wurden hier teilweise digital etwas aufgemotzt. Es hat bei mir eine Weile gedauert, bis ich das schätzen gelernt habe. Früher habe ich den Song gar komplett ignoriert. Aber mittlerweile so nach zwei-, dreimal Hören bin ich ein ziemlicher Fan geworden. Wir haben hier einige sehr brachiale Komponenten und dann wieder ganz ruhige Pianoparts oder eben entspannte Elektro-Momente. Das harmoniert am Ende doch ganz gut und auch der Trick, den Vocals etwas mehr Variation zu geben (wenn auch künstlich) klappt ganz gut.

"Flieg" ist wahrscheinlich der rockigste Song auf "Die Gärten Des Herrn". Nach einem sehr netten kleinen Orgel-Intro bekommt ihr ziemlich sanften Rock, der aber doch noch genug Substanz hat, um nicht vollkommen verkitscht oder belanglos zu klingen. Mittlerweile glaube ich ja fast, dass das Ganze "Auf Dem Weg In Deine Welt"-Album auf einen ähnlichen Klang abgezielt hat, aber eben kläglich gescheitert ist. Dass die Band damit zwei Alben zuvor schonmal den Nagel genau auf den Kopf getroffen hat, hatte ich fast vergessen, aber hier haben wir tatsächlich ein positives Beispiel von so einem Vorhaben.
"Es Kommt Der Tag" wird wieder etwas melancholischer und schwerer und das, obwohl die Message des Songs ja durch und durch positiv sein soll. Die doomigen Gitarren und das schleppende Tempo stehen dem aber als starker Kontrast gegenüber. Wir erreichen hier zwar nicht mehr das fast schon depressive Level des "Eisheilig"-Albums - dafür ist der Sound dann doch zu wuchtig - aber melancholisch ist es allemal.

Auch "Nebelreich" würde ich als langsam und schwer bezeichnen. Nett ist, dass hier nochmal so ziemlich alles aufgefahren wird, was vorher im Album zu hören war. Epische Gitarrenwände, Pianogeklimper, dezente Orgelklänge, softe Vocals, fauchende Vocals, die kurz vor dem gutturalen Gesang sind, Tempowechsel - alles dabei. Das klingt erstmal gut, wenn man es sich anhört, ein wenig überladen wirkt der Song so aber doch, sodass er mir von allem am wenigsten im Gedächtnis geblieben ist. Trotzdem nicht unbedingt schlecht.

Zum Abschluss gibt es mit "Nordtal" eine rein instrumentale Nummer, an der sich sicherlich die Geister scheiden. Zarte Synth-Klänge steigern sich ganz langsam, werden um Pianos ergänzt bis irgendwann sogar Streicher einsetzen. Während manch einer sich vielleicht einfach stattdessen einen konventionellen Song gewünscht hätte, bin ich absolut begeistert. Die Atmosphäre, die hier geschaffen wird ist so dicht, dass man sie mit einem Messer schneiden kann. Und auch wenn "Nordtal" musikalisch in eine komplett eigene Richtung geht, auf die vielleicht nicht jeder Bock hat, der sich eine Metal-CD zulegt, lässt mich das Ding auch heute noch komplett sprachlos und mit Gänsehaut zurück. Ob das nur ein seltsamer Fetisch meinerseits ist oder Eisheilig hier tatsächlich objektiv ein Meisterwerk geschaffen haben, muss wohl jeder für sich beurteilen. Ich finde jedenfalls, dass man das Album kaum besser hätte ausklingen lassen können.

Insgesamt kann ich auch nicht wirklich über "Die Gärten Des Herrn" meckern. Es ist quasi eine Art "Übergangsalbum" vom ruhigen "Eisheilig" zum epischen "Elysium", ohne dabei wie "Elysium" in schwach oder "Eisheilig" in oberflächlich zu klingen. Es ist gut, dass die Vocals von Mikus sich weiterentwickelt haben und auch vom ganzen Aufbau her gibt es ein paar Schwachpunkte, die aber jedes Mal doch noch sehr geschickt versteckt wurden. Hier mal etwas elektronische Nachbearbeitung, da mal ein sehr melodisches Riff, dass es irgendwie wieder raus reißt. Auch hier glaube ich, dass das kein zweites Mal so gut funktioniert hätte und Stagnation für das nächste Album tödlich gewesen wäre, aber für das was es ist, kann "Die Gärten Des Herrn" sich echt hören lassen.

Punkte: 8 / 10