Eisbrecher Verrückt (2012) - ein Review von DarkForrest

Eisbrecher: Verrückt - Cover
1
1 Review
3
3 Ratings
8.33
∅-Bew.
Typ: Single/EP
Genre(s): Metal: Industrial Metal


DarkForrest
19.06.2021 08:46

Nachdem "Eiszeit" zwar ein ganz solides Album war, dass aber doch schon ein paar sehr deutliche Schwachstellen und eine Entwicklung offenbart hat, die mir nicht so ganz gefallen hat, war ich beim Nachfolger "Die Hölle Muss Warten" etwas vorsichtiger mit dem Kauf, habe nicht direkt blind zugegriffen und erstmal in eine der Singles reingehört. Meine Wahl fiel auf "Verrückt" und während mir dieser Song sehr gut gefallen hat, konnte ich dasselbe nicht über das Album sagen. Da ich mich aber schon vor gut drei Jahren in einem Review über das Album ausgelassen habe, will ich das hier gar nicht weiter vertiefen.

Bleiben wir mal bei den Singles: 2012 war ein relativ produktives Jahr, wenn es um Eisbrecher-Singles geht - gleich 4 Stück haben Alexx und Noel Pix auf die Hörer losgelassen. Was dabei auffällt ist, dass die Songs sowohl qualitativ als auch stilistisch im harten Gegensatz zu "Die Hölle Muss Warten" stehen. Egal ob "Prototyp" oder eben "Verrückt": hier wurden nicht nur die paar Sahnestücke des Albums zusammengekratzt, sondern auch so ziemlich alles, was einigermaßen hart und nicht nach schwarzem Schlager klingt. Trotzdem könnt ihr inhaltlich eure Playlist damit nicht unbedingt großartig erweitern. "Prototyp", "Miststück 2012" und "Die Hölle Muss Warten" sind entweder klassische 1-Track Promos oder bieten ausschließlich Material, welches auf späteren Versionen des Albums eh schon enthalten ist. Kann man sicherlich so machen, wirkt aber doch etwas sehr bequem. Zumindest kann sich jeder, der kein Hardcore-Sammler ist, den ganzen Stapel sparen. Lediglich "Verrückt" wäre vielleicht noch einen Blick wert.

Aber selbst auf "Verrückt" ist die Ausbeute eher mager. Wir haben einmal die Album Version von "Verrückt" (was für eine Überraschung) und einen Remix von Combichrist - also ein ähnliches Szenario wie bei der Single zu Eiszeit. Kein Musikvideo, kein merkwürdiger Videoclip wie damals bei den Antikörper-Singles, keine komplett exklusiven Songs (Gott bewahre!), noch nicht mal irgendein Random Song vom Album oder ein ganz kleines Video von Alexx und Noel, die kurz sowas sagen wie "Ha, danke dass ihr für die Single nochmal extra Geld ausgeben habt, ihr Ficker!" - wobei mir letzteres natürlich einige Pluspunkte wert gewesen wäre.

Zum Glück hat man sich wenigstens für einen absolut ordentlichen Song entschieden. Man kann quasi überhaupt nichts gegen" Verrückt" sagen. Das Ding geht ganz gut ab ist aber gleichzeitig poppig genug, dass wirklich niemand damit überfordert sein dürfte. Die Energie, die im Refrain freigesetzt wird, ist erstaunlich und damit es nicht zu langweilig wird, gibt es sogar eine kurze Passage mit dezenten female Background Vocals. Davon, dass die gesamte Nummer live perfekt funktioniert durfte ich mich schon selbst überzeugen und hey: selbst der Text ist zumindest halbwegs originell für Eisbrecher-Verhältnisse, solange ihr keine anspruchsvolle Abhandlung von Themen wie psychischer Erkrankungen und dem Abweichen von gesellschaftlichen Normen erwartet. Ich denke das einzige, was man dem Song vorwerfen kann ist seine Gefälligkeit und dass er in wirklich allen Punkten auf Nummer sicher geht. Jedes einzelne Element ist perfekt durchgeplant und nichts daran erregt irgendwo Anstoß oder klingt zu sperrig oder speziell. Aber wenn das ganze so gut in's Ohr geht und einfach Spaß beim Hören macht, nehme ich auch gerne einen derart perfekt durchgestylten Song.

Der Song, mit dem die ganze Single steht und fällt, dürfte aber der Remix von Combichrist sein - immerhin der einzig exklusive Track. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch. Combichrist sind immerhin ziemlich verrückte Motherfucker und auch wenn ich [SITD] und deren Remixes ganz gerne mal höre, passt es für mich wie Arsch auf Eimer, dass man diesmal die Norweger von Combichrist rangelassen hat. Nun, ein wenig gebremst wurden meine Erwartungen beim Hören schon, denn richtig abgefuckten Scheiß gibt es hier nicht zu hören. Keine Ahnung, ob das eine Voraussetzung für Eisbrecher-Remixes ist, dass der eigentliche Song mit all seinen Strophen, Refrains und Vocals erhalten bleiben muss, um den interessierten NDH-Hörer bei Laune zu halten, aber ich hätte mir ein paar mehr Unterschiede zum Original gewünscht. Trotzdem ist der Combichrist Remix von "Verrückt" mit das beste, was ich bis jetzt an Eisbrecher-Remixes gehört habe. Hier und da wurde ein wenig mit dem Tempo gespielt, aber vor allem wurden nicht nur die elektronischen Elemente, sondern auch Gitarren und Drums derart hochgedreht und in den Vordergrund gestellt, dass der Remix nochmal deutlich wuchtiger klingt als das Original. Die Stärken des ursprünglichen Songs einfach noch mehr zu betonen ist zwar sehr direkt und offensichtlich, aber scheiß drauf - es ist zumindest effektiv.

Damit kann man zumindest sagen, dass wir zwei sehr geile Songs auf dieser Single haben. So kann ich jetzt auch wenig gegen das sagen, was auf der CD drauf ist. Trotzdem reicht mir das am Ende "nur" für ein gutes Ergebnis, aber nicht für ein geniales. Zwei Tracks und sonst nichts ist schon recht mager und eigentlich nur was für absolute Fans. Besonders repräsentativ für "Die Hölle Muss Warten" ist diese Single natürlich auch nicht. Selbst wenn man irgendeinen nicht ganz so langweiligen ruhigeren Song wie "Herz Aus Eis" oder "Augen Unter Null" draufgeklatscht hätte, wäre dadurch schon ein ganz kleiner Mehrwert entstanden. Trotzdem sind der Song und der Remix gut genug, um dieser Single eine gewisse Daseinsberechtigung zu geben und die Gesamtqualität nach oben zu ziehen. Ist jetzt nicht essenziell für jede Sammlung, aber auch nichts womit man etwas falsch macht.

Punkte: 7.5 / 10