Downthesun Downthesun (2002) - ein Review von Judge Death

Downthesun: Downthesun - Cover
1
Review
5
Ratings
7.90
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Metalcore, Thrash Metal


Judge Death
04.04.2020 19:47

Die leider schon seit Ewigkeiten aufgelösten DOWNTHESUN stammten aus Des Moines in Iowa. Na, wer denkt da sofort an SLIPKNOT? Das ist sicherlich aus mehreren Gründen nicht unberechtigt, ging die Band doch musikalisch in eine vergleichbare (aber nicht gleiche!) Richtung. Ebenso hatte die freundschaftliche Betreuung der Band durch SLIPKNOT-Percussionist Shawn "Clown" Crahan auf ihr damaliges Signing bei Roadrunner garantiert einen hohen Pro-Effekt... Dennoch blieb die Band eher ein Geheimtipp; vermutlich auch deshalb, weil sie nur ein Album veröffentlicht haben.

Wie ich schon angedeutet habe, handelt es sich bei DOWNTHESUN nicht um einen Klon der beliebten Maskenmänner. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass beide Bands ohrenscheinlich härteren "Gröhl-Nu-Metal" kredenzen (wozu ich z.B. auch MUDVAYNE, alte CHIMAIRA etc. zählen würde). Diese Beschreibung wird dem Klangbild DOWNTHESUNs jedoch noch nicht gerecht. Der Teufel liegt im Detail verborgen. Wer richtig zuhört, der erkennt einen Stilmix aus Nu Metal (das Hauptfundament), Industrial Metal und - ja, tatsächlich - Deathcore. Wer Vergleiche braucht, darf sich an dieser Stelle gerne einen Hybriden aus DRY KILL LOGIC, STATIC-X, KORN und ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY vorstellen.

Ein besonderes Augenmerk auf die Vocals: DOWNTHESUN hatten zwei Sänger, die im Tag-Team ein variables stimmliches Spektrum abgedeckt haben. Growls, Hardcore-Shouts, raue sowie fragile/gefühlvolle Cleangesänge und schräge Gesangsparts mit charmanter Psychatrienote, die einem Jonathan Davis gut zu Gesicht gestanden hätten. Die Vokalakrobatik fügt sich hervorragend in DOWNTHESUNs industriell-deathigen Nu-Metal-Sound ein. Auch songstrukturell ist ein überdurchschnittlicher Facettenreichtum zu vernehmen. Das Ganze mag zwar technisch nicht übertrieben aufwendig sein, so war man dennoch bestrebt, die Songs aus variablen Parts zusammenzubauen ohne das diese ungeordnet wirken.

Ein Hurricane zieht auf: DOWNTHESUNs s/t startet mit der einzigen Single "Medicated", zu der auch ein Video verfügbar ist (siehe youtube). Hier wird direkt die Marschrichtung des Albums vorgegeben. Beginnend mit einem unbehaglichen Sample wird rasch der Dampfhammer ausgepackt. Die genannte Gesangsvariabilität wird hier schon mal ausgiebig, aber noch nicht im vollen Ausmaß, präsentiert. Die Riffs stampfen abgehackt durch die Landschaft. Doublebass ohne Ende. Im Finale gibt es kleine Blastbeat-Attacken. Als Single weise gewählt, fasst das Lied DOWNTHESUN gut zusammen.

Mit "We All Die" folgt der erste Mitgröhlsong. Man achte ebenso auf den Magengrubenbass. "Enslaved" erinnert aufgrund der Elektronika besonders an STATIC-X. Der andächtige, balladesk angestrichene Track "Lucas Toole" - eines der Highlights des Albums - erinnert mehr als jeder andere Song an DRY KILL LOGIC. Cleangesang und Growls geben sich die Klinke in die Hand. "Pure American Filth" blastet mehr als der Rest und mündet im Verlauf in einen abgefuckten, psychotischen Abgrund. "Pitiful" wird wiederum durch die schrägste Gesangslinie des Albums eingeleitet, welche schon irgendwie ungewollt witzig ist. (Funfact: der einfache Refrain wird mit einem Soundsample aus Super Metroid unterlegt, wenn ich mich nicht verhört haben sollte.) "Scapegoat" ist instrumental betrachtet der deathigste aller Songs. Mit "Listen" gibt es quasi ein "Lucas Toole" Teil 2. Die Handbremse bleibt zunächst angezogen bei "Eye Confide". Befindet sich der Song erst im selben Fahrwasser wie "Lucas Toole" und "Listen" - jedoch mit der besten und eindringlichsten Cleangesangslinie aller drei Songs - gewinnt er im letzten Drittel an Fahrt. "Jars" groovt das Album noch mal in die Höhe. DRY KILL LOGIC lassen hier erneut grüßen und im Abgang verabschiedet sich der Song mit einem urtypischen Old-School-KORN-Moment. Der gänzlich unspannende Rausschmeißer "Revelations" ist trotz diverser Stimmfetzen eher ein Instrumental, welches überwiegend aus Bassgeblubber und verzerrten Tönen besteht. Selbst wenn man den Track lediglich in der Outro-Funktion sieht, so sind 15 Minuten Spielzeit hierfür absolut überflüssig.

Insgesamt lässt sich sagen, dass DOWNTHESUN mit ihrem selbstbetitelten Album einen geheimen Diamanten im modernen Metal veröffentlicht haben. Vom Endsong mal abgesehen (für den gibt's schon aus Prinzip einen Abzug), hat jeder Track nicht nur seine Daseinsberechtigung, sondern strapaziert ordentlich die Nackenmuskulatur. Die Platte ist heavy, fett produziert und aufgrund der Mixtur auch heute noch irgendwie originell. Wer o. g. Vergleichsbands mag, sollte unbedingt mal reinhören.

Leider hat es die Band trotz einiger Folgedemos nicht auf ein Albumsequel gebracht. Schuld daran war wohl der reihenweise Ausstieg der Bandmitglieder. DOWNTHESUN fallen in die Kategorie der verschwundenen One-Album-Bands, bei denen mich echt brennend interessiert hätte, wie wohl ein zweites oder gar drittes Album geworden wäre. Andererseits hatten sie so aber auch nicht die Gelegenheit auszuwhimpen, wie viele andere. Ist vielleicht auch besser...

Punkte: 9 / 10