Destruction Cracked Brain (1990) - ein Review von blackening

Destruction: Cracked Brain - Cover
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1 Review
19
19 Ratings
7.74
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Thrash Metal


blackening
28.05.2017 12:45

Für mich wird Thrash Metal erst in seinem Endstadium 1987-1992 WIRKLICH spannend. Sich gleichermaßen von seinen NWOBHM-Wurzeln lösend wie sich neuen Einflüssen wie New York Hardcore, Prog oder Black Metal öffnend, kamen meiner Meinung nach die mit Abstand besten Alben des Genres zu dieser Zeit raus. Der Markt war sehr übersättigt, und die wenigsten dieser Bands konnten Erfolge verbuchen ( zb Demolition Hammer, ARG, Forced Entry, Exhorder), aber die Qualität der Alben war enorm. Auch hatte sich das spielerische Niveau ENORM gesteigert. So auch im von mir sonst als roh, primitiv und unreif gewerteten ( und damit für mich uninteressanten) Teutonen-Thrash. Selbst Destruction, die sonst wirklich GAR NICHT mein Fall sind, haben zu der Zeit fast schon Tech Thrash gemacht, wie ich erst neulich zu meiner Freude erfahren habe. Soweit ich weiß, gab es ab 1987 Änderungen im Lineup, ein neuer 2. Gitarrist und später sogar ein neuer Sänger. Vergleicht man die Urversion von Mad Butcher auf dem Debüt mit der 1987er-Version, kann man diesen Quantensprung gleich hören:Das Riff wird nicht nur zum ersten Mal sauber und akkurat gespielt, nein es wird sogar eine anspruchsvolle Harmonie daraus. Und Zack, gefällt mir das Ding.

Der Gipfel ihrer technischen Entwicklung ist Cracked Brain. Von Fans meist eher nicht gemocht weil a) nicht primitiv genug und b) Schmier nicht an den Vocals ist. Der Kontrast zum sonstigen Stil ist auch enorm: Tempowechsel, gute Gitarrenarbeit, die Songs bestehen aus verschiedenen Sektionen statt aus 3 Riffs, textlich geht es nicht mehr um Höllenbestien, eher um die innere Psyche. That's how I like my Thrash.
Lediglich Drums und Bass sind mehr oder weniger Standard und für meinen Geschmack etwas zu gleichförmig.
Die Produktion ist ziemlich gut, lediglich der Bass ist mir zu leise.
Für viele am wichtigsten: wie ist der Gesang?? Offen gesagt, nicht so weit weg von Schmier. Man hat sich den Sänger von Poltergeist geholt, der gut zum Stil passt. Der Gesang ist selten im Fokus, nur im Chorus liefert er den "Wiedererkennungswert" des Songs. Eine Komposotionsweise, mit der ich nicht so viel anfangen kann, ich hab lieber einpräsame Riffs statt einprägsamem Gesang, aber hier als Kontrast zu den relativ komplexen Instrumentalparts funktioniert es ziemlich gut.

Besonders gut gefallen mir der Titelsong,Ripping You Off Blind,Die A Day Before You Are Born und No Need To Justify. Auch cool ist das " My Sharona" Cover.

ich versteh, dass die meisten Deutschthrashfans diese Phase der Band nicht so mögen, wer aber wie ich eher auf Sachen wie Späte Dark Angel oder Devastation steht, sollte Destruction bei folgenden Werken noch mal dringend ne Chance geben:
Mad Butcher EP, Release From Agony und besonders diesem Werk hier.
Schade, dass sie seit der Reunion mit Sänger Schmier wieder eher die primitive Schiene fahren...

Punkte: 8.5 / 10