Conception State Of Deception (2020) - ein Review von iron

Conception: State Of Deception - Cover
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1 Review
3
3 Ratings
8.17
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal: Progressive Metal


iron
25.01.2021 15:05

23 Jahre nach dem letzten Album "Flow" sind (mehr oder weniger) überraschend die norwegischen Progressive-Power-Metaller wieder (im selben Line-Up) am Start. Die Pause wirkt etwas weniger lange wenn man bedenkt, dass dazwischen (1998-2010) die gesamte Kamelot-Phase von Sänger Roy Khan statt fand. Den größten Karrieresprung dürfte er sowieso in dieser Zeit gemacht haben, da Conception zu ihren aktiven Zeiten vier Alben zwischen 1991 und 1997 mit ihrem etwas sperrigen Sound eher ein Liebhaberthema waren. Anhänger von anspruchsvollem Qualitäts-Metal haben die Norweger aber sicherlich niemals vergessen. Nachgewachsene hatten es etwas schwerer, da die Album kaum noch zu bekommen waren. Hier hätte die "Noise lebt"-Kampagne eigentlich auch tätig werden müssen, um die Scheiben wieder verfügbar zu machen.
Wie klingt nun "State Of Deception"? Etwas erinnert mich das Comeback an das "The Year The Sun Died"-Album von Sanctuary, bei dem man des öfteren an Nevermore denken musste. Hier geht es mir mit Kamelot so, was aber wahrscheinlich daran liegt, dass man Khan's Stimme einfach öfter mit diesem Zusammenhang gehört hat. Wobei die etwas eigenwilligen Gesangslinien und gegen den Strich gebürsteten Songstrukturen immer schon Teil des Conception-Bandsounds waren. Etwas Kamelot-Bombast hat sich dennoch öfter eingeschlichen. Anfangs wirkt das Album sehr spröde, kühl, modern und fast schon abweisend. Es wächst aber mit jedem Durchlauf - nachdem man erstmal den missglückten Einstieg `Of Raven And Pigs` überstanden hat. Das Stück hat, mit seinem nervigen Rhythmus und der übertriebenen Moderne, etwas von Queensryche in ihrer orientierungslosen Phase. Mit `Waywardly Broken` wird man aber rasch versöhnt - auch wenn das eine der Nummern ist, die stark an unterkühlte Kamelot erinnert. `No Rewind` ist ein schwungvollerer Song bei dem Roy besonders glänzen kann und, in den Gesangslinien, etwas Musical-Flair verbreitet. Noch etwas theatralischer wird es bei der schönen Ballade `The Mansion`, die das Zeug zum Hit hat. Hier hat Amaranthe-Sängerin Elize Ryd einen Gastauftritt. Obwohl ich mich nie mit dieser Band beschäftigt hatte, habe ich aber mitbekommen, dass sie von ihrer Credibility her wohl ähnlich Kotzreiz auslösend sein soll wie z.B. Sabaton. Alles was ich sagen kann ist, dass mich ihr Stimmchen stark an Liv Kristine erinnert.
Ebenfalls massive Hitqualitäten hat dann das rockige `By The Blues`; Hammerrefrain auch!
Im getragenen, bombastischen `Is There Anybody Out There` verarbeitet Roy anscheinend seinen überstandenen Burnout und die damit zusammenhängenden Depressionen, was er mit einer glaubwürdigen und intensiven Performance unterstreicht.
Ein harter, moderner Metalsong (für die Musicalbühnen) folgt dann mit `She Dragoon`. Tolle Nummer mit packender Steigerung. Hier hat eine gewisse Aurora Amalie Heimdal einen Gastauftritt, die die Dame von vorhin richtiggehend an die Wand singt.
Den Abschluss bildet das ruhige Remaster von `Feather Moves`, das vorab schon auf einer EP veröffentlicht wurde. Leider eine etwas blasse Nummer. Ein knackiger, härterer Rausschmeißer hätte der Platte besser gestanden.
Nach anfänglichen Startschwierigkeiten ist das (etwas kurze) Album richtig gewachsen und gefällt mir inzwischen sehr gut. Schön das ihr wieder da seid!

geschrieben für DARK STEEL ZINE.

Punkte: 7 / 10