Fangen wir mal beim Aushängeschild an: “Sent To Destroy”. Interessante Wahl als Promo für das kommende Album. Zuerst einmal: ich bin großer Fan von dem Track, denn der Name ist hier definitiv Programm. Der ganze Song ist die gesamten 5 ½ Minuten ordentlich aggressiv und man bekommt hier kaum Zeit zum Luftholen. Das musikalische Grundkonzept ist eher simpel gehalten, aber melodisch genug und gleichzeitig hart genug, um den Song so zu tragen, während vor allem die Vocals von Andy LaPlegua hier wunderbar aggro rüberkommen. Das Ganze ist halt weder besonders originell, noch komplex, noch erinnerungswürdig, sondern einfach nur gut 5 Minuten unkompliziertes Arschtreten. Für mich völlig in Ordnung, allerdings kann ich schon verstehen, warum man Combichrist damals vorgeworfen hat, dass sie künstlerisch ein wenig stagniert sind - am Ende zu Unrecht, da “Today We Are All Demons” durchaus auch kreativere Tracks am Start hatte. Auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass “Sent To Destroy” jetzt kein Song ist, den man tagelang rauf und runter hören kann, da er sich doch für mich recht schnell abnutzt. Zum Glück kommen da die Remixes in's Spiel und sorgen für ein wenig Abwechslung.
Einmal hätten wir da die Version von Roter Sand. Das ganze Ding geht gute 6 Minuten und braucht leider extrem lang, um sich erstmal aufzubauen. Die ersten 30 Sekunden sind extrem minimalistisch, bis erstmal ein Beat einsetzt, der das ganze tragen soll und im Prinzip geht es erst nach 1 ½ Minuten so richtig los, obwohl währenddessen schon die Vocals mit voller Power am loslegen sind. Das klingt dann tatsächlich in dieser Kombination besser, als man es sich erwarten würde, trotzdem ist mir der Anfang zu minimalistisch. Danach gibt es allerdings ein paar ziemlich geile Momente, wenn alle musikalischen Elemente stehen. Hier und da wird das Tempo auch mal wieder raus genommen, aber dafür bleibt der Remix bis zum Schluss sehr abwechslungsreich und baut immer wieder neue Dinge ein. Insgesamt also komplett in Ordnung.
Mein Favorit bleibt aber der “Northborne Remix”, der einfach mal 6 ½ Minuten mit fetten Beats reinhaut und eigentlich permanent Vollgas gibt. Irgendwie wird das dem Song noch mehr gerecht, als der etwas sperrige Aufbau vom Roter Sand Remix. Und auch hier muss man dazu sagen, dass es nie stumpf oder langweilig wird, da es die ganze Zeit über immer wieder irgendwelche kleinen Überraschungen gibt. Sehr gute Alternative zum Original, die nicht nur clubtauglich ist, sondern die ich mir auf Dauer sogar besser anhören kann, als das Original, was doch etwas schneller langweilig wird.
Als letztes hätten wir noch den “Sacrifice Remix” für den niemand geringeres als Suicide Commando verantwortlich sind. Hier würde ich natürlich ordentliche Qualität erwarten und meine Erwartungen wurden erfüllt. Suicide Commando haben beim Remixen immer ein Talent dafür, ihren eigenen Stil so zu integrieren, dass der Remix ein wenig so klingt, als wenn Suicide Commando selbst den Song kreiert hätte, ohne dass sich das mit dem Original beißt. Und das klappt auch hier wieder wunderbar. Auch der “Sacrifice Remix” ist ordentlich tanzbar und abwechslungsreich. Der “Northborne Remix” ballert etwas mehr und macht mir persönlich ein bisschen mehr Spaß, aber der “Sacrifice Remix” ist sehr nah dran. Sehr ordentliche Bilanz also schonmal bei den Remixes zu “Sent To Destroy”.
Ganz witzig finde ich, dass man “The Kill” auf der “Frost EP” integriert hat. Auf dem Album ist das ein recht harter elektronischer Track, der eher mal ein ganz guter Filler ist. Hier kommt er in der “Instru-Mental”-Version, wobei die Vocoder-verzerrten Vocals auch hier noch aufploppen, nur dass LaPlegua nicht mehr zusätzlich noch drüber singt. Und ganz ehrlich: so gefällt mir der Song deutlich besser. Ich fand die cleanen Vocals waren für mich immer der Schwachpunkt von “The Kill”. In der Form ist das ganze ein echt stabiler Track, der musikalisch etwas komplexer wirkt als “Sent To Destroy” und damit ein bisschen Abwechslung in die “Frost EP” bringt.
Und dann hätten wir da noch die exklusive Nummer “Prince Of E-Ville”, ein vergleichsweise ruhigere Song, in dem sich LaPlegua über Poser in der Gothic-Szene lustig macht. Gefühlt spricht er hier eher, als das er singt und die Kombination aus eher ruhiger Musik und der tiefen Stimmlage erinnert mich ein wenig an “Tractor” von der “Sex, Drogen Und Industrial”-EP - allerdings mit dem großen Unterschied, dass ich “Tractor” ziemlich langweilig fand, während “Prince Of E-Ville” deutlich ausgereifter wird, die Musik mehr Druck aufbaut und ich deshalb mit zweiterem deutlich mehr anfangen kann. Hat aber bei mir ein paar Durchläufe gebraucht, bis sich “Prince Of E-Ville” bei mir im Ohr festgesetzt hat.
Auch der “Princess Remix” von Babyland gefällt mir dann direkt sehr gut und ist gar nicht mal so leicht zu beschreiben. Vocals und Samples sind zwar da, treten aber irgendwie hinter den rhythmischen Drums und hypnotischen Sounds in den Hintergrund, was dafür sorgt, dass der Remix recht gleichförmig ist, aber trotzdem für mich super funktioniert und für mich sogar das Original übertrifft.
Der “Chicago Club Mix” von Accessory ist dagegen deutlich vorhersehbarer und ungefähr das, was man bei dem Namen erwarten würde: eine absolut tanzbare Version vom Original. Genau das bekommt man hier und zwar in handwerklich sehr ordentlich umgesetzter Form - nicht mehr, nicht weniger.
Zum Schluss gibt es mit dem “Caustic Mix” noch eine Version, die leider nicht so richtig bei mir zünden konnte. Wir haben hier eine ziemlich wuchtige und beeindruckende Soundkulisse, mit der allerdings recht wenig gemacht wurde. Gefühlt klingt hier jede Minute gleich und gerade auf einer EP, bei welcher auch die längeren Remixes bis zuletzt immer wieder Abwechslung einbauen, klingt ein Remix, der sich selbst bei unter 4 Minuten Laufzeit ständig wiederholt, etwas schwach.
Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit der “Frost EP” - alle 3 Songs sind grundsätzlich erstmal gut und das, was aus ihnen gemacht wurde, ist auch ganz ordentlich. Ich weiß gar nicht, ob die EP damals unbedingt die beste Promo für “Today We Are All Demons” war, da sie zwar ganz gute Qualität auf den Tisch bringt, aber nicht so treffend das Album repräsentiert. Andererseits ist sie aber eine ganz schöne Ergänzung, wenn man das Album schon hat, es einem gefällt und man noch tiefer einsteigen möchte.
Punkte: 7 / 10