Erasement Beyond Recovery (2018) - ein Review von Heavy Flame

Erasement: Beyond Recovery - Cover
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Review
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Rating
9.00
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal Heavy Metal, Thrash Metal


Heavy Flame Avatar
17.11.2018 09:27

ERASEMENT sind wieder da! Drei Jahre nach ihrem Debüt-Album 'It Comes To Life' von 2015 hat es die Band geschafft, einen neuen Longplayer auf den Seziertisch zu wuchten. Dass die (persönlichen) Erwartungen dabei sehr hoch sind, darf man erwarten. Schliesslich ist deren Erstling ein Meisterwerk und eines der besten Platten 2015 gewesen. Achja, die Band spielt bekanntlich Thrash Metal im Stil von METALLICA, TESTAMENT und ANNIHILATOR.

Der neue Longplayer nennt sich nun 'Beyond Recovery' (2018) und wurde von den gleichen Bandmitgliedern eingespielt wie der Vorgänger. Aber war da nicht noch irgendetwas?

In der Tat, eigentlich hatte die Band vorgehabt, eine Mini-CD zu veröffentlichen. Diese Info wird später für das Review noch wichtig. Denn der Silberling dauert 36 Minuten und beinhaltet acht Songs und ein kurzes Intro und wurde (wieder einmal) ohne ein Label veröffentlicht.

In diesem Review werde ich jeden Song und jede Änderung unter die Lupe nehmen, da dieses Album schon längere Zeit in der CD-Schublade rotiert. Dass bedeutet aber auch, es wird wieder etwas ausführlicher.

Beginnen wir mit dem kurzen Gitarrenintro, wo die Überleitung zum Song 'Beyond Recovery' irgendwie nicht gut gelingt. Es gibt bestimmt einige Möglichkeiten, aber dieser abrupte Wechsel war nicht die beste Wahl.

Hört man sich nun den Song 'Beyond Recovery' an und vergleicht diesen mit alten Songs, fällt eine Änderung im Songwriting auf. Die alten Songs waren meist punchige Thrash-Granaten, die von der Härte und vom schnellen Tempo lebten und so zum abbangen animierten.

Beim aktuellen Material (dies gilt auch für den Song 'Presence Of Doom' und 'Extinction') sind die Songs ausladener, experimenteller, technischer, langsamer und nicht mehr so griffig. Ja, die Songs sind gut, bieten aber Kritikpunkte, die im Kontext mit den experimentellen Anteilen stehen. Beispiel: ERASEMENT hat einen der besten Sänger in diesem Genre, im Song 'Beyond Recovery' versucht er aber etwas zu penetrant, die Vocals hochzupeaken. Selbst nach hunderten Anläufen wirkt dieses 'Experiment' wie ein Fremdkörper. Beim Song 'Presence Of Doom' hingegen werden die Vocals kurzweilig durch den Verzerrer gezogen. Warum, Wozu? Bei 'Extinction' gibt es ab 3:09 einen Gitarrenpart, den ich so schon einmal woanders gehört habe.

Zwischenfazit:
Die ersten drei Songs sind bildlich gesehen gut als Beschallung für einen Roadmovie bei Mitternacht, aber eben nicht wie bisher die Abmoshgranaten für ein Livekonzert. Dafür fehlt es einfach an Härte und Spieltempo.

Genau dies ändert sich mit 'Black Mass'. Der Gitarrensound am Anfang schön atmosphärisch DECEASED-like, mit einer perfekten Überleitung ins Trommelfeuer und Gitarreninferno. Und woran liegt dass? Die Band zieht das Tempo an. Tolle Solis gepaart mit den nötigen Headbangfaktor. Hinzu kommen die geilen evilistischen Vocals von Kevin kombiniert mit satanistischen Backvocals. Gehts noch besser? Nein, eben nicht. Deshalb sei schon hier gesagt, dies ist der beste Song auf dem Album.

Direkt danach 'The Reapers Realm', der im Kontext ein Zwischending von den ersten drei Songs und 'Black Mass' ist. Aber eben in geil. Der Song ist nämlich ein leicht thrashiger Heavy Metal Song, der im Refrain ganz krass an RAGE zu 'Black In Mind' Zeiten erinnert. Er ist aber mit knapp über 3 Minuten zu kurz! Da wäre mehr drin gewesen.

Song 'Lucille' erreicht nicht den Bangfaktor von 'Black Mass', kommt auf CD aber besser an als erwartet. Ein wenig technisch im Songwriting mit tollen Gitarrensound. An einigen Stellen wirkt das Schlagzeug drucklos und pappig. Auch die Gesangslinie ist etwas anders als gewohnt.

Wir müssen ein weiteres Zwischenfazit ziehen. Die letztgenannten drei Songs gefallen deutlich besser als die ersten drei Songs. Die sind schneller, prägnanter und dadurch härter. Und da sieht man auch, wo die Stärken von ERASEMENT liegen. Normalerweise wäre mit der CD hier auch Ende mit knapp 26 Minuten. Wo wir dann auf dem Level einer Mini-CD wären.

Aber die Band hat sich entschieden, dieses Album etwas zu pimpen. Die gewählten Songs dafür sind von 2014 und waren bisher nur im Netz zuhören. Diese Entscheidung der Band war aber absolut richtig. Diese sind nicht nur Top, sondern im Kontext der gesamten CD lässt sich nun super verdeutlichen, warum ERASEMENT mehr auf das Songwriting im Stile von 'It Comes To Life' setzen sollte.

'Until You Die' ist ein 6-minütiges Thrash Metal Epos. Der Song ist nur ein wenig technisch, zieht aber immer wieder das Gaspedal an, um punktuell für Aufmerksamkeit zu sorgen. Und die Vocals sind wieder auf höchstem Niveau, wie ich es von der Band erwarte. Alles super, alles Top, absolut meisterlich. Erinnert ein wenig an METALLICA.

Und würde es 'Black Mass' nicht geben, wäre 'Destruction, Violence and Pain' kurz 'D.V.P.' mein Favorit auf dem Album. Dieser Basspart am Anfang (gerne mal mehr!) und dann dieses Gitarrengewitter mit der darauf folgenden Gitarrenmelodie ist einfach nur geil. Kurz das Tempo auf Abmoshfaktor gestellt, mit geilen Solis garniert, beweist, ERASEMENT sind in einer Liga, wo fast keiner hinkommt. Die Vocals und die Backvocals passen perfekt. Danke, das die Band diesen Song auf eine CD gebannt hat.

Nach 37 Minuten nun das Fazit: Die Band hat mit ihrem Debüt-Album die Messlatte ganz oben gesetzt. Punkt. Und nur wenige Bands erreichen dann bei ihrem zweiten Album dieses Niveau. Auch ERASEMENT leider nicht. Dennoch ist 'Beyond Recovery' ein sehr gutes Album geworden und wird im Thrash Metal Genre im Jahr 2018 für mich eines der besten Alben sein. Aus Deutschland vielleicht sogar das Beste!

Aber wir kaufen nicht nur die Musik, sondern auch ein Produkt. Die Produktion ist wieder einmal perfekt passend zu ERASEMENT abgestimmt worden. Das gilt auch für die beiden älteren Songs, die vom Sound her gleich sind. Das Covermotiv mag thematisch passend sein, ein tolles Cover ist es aber für mich nicht. Und leider sind auch die Songtexte nicht dabei. Aber warum findet sich kein Label für diese tolle Band?!?

Listen sind toll, daher die Songs einmal in der Reihenfolge, wie sie mir gefällt:

1. Black Mass (DER Hit)
2. D.V.P.
3. The Reapers Realm
4. Until You Die
5. Lucille
6. Extinction
7. Presence of Doom
8. Beyond Recovery

Für mich sind 9 Punkte sicher gesetzt. Die würde es auch geben, wenn die Band 'Beyond Recovery' als Mini-CD veröffentlicht hätte. Und deshalb ist dieses Album für Thrash Metaler ein Sammlertip!

Punkte: 9 / 10