Ralph Kiefer The Soul Session Two (2017) - ein Review von ulod

Ralph Kiefer: Soul Session Two, The - Cover
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Review
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8.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Soul/R&B


ulod Avatar
03.06.2018 12:41

Deutschlandfunk Kultur, Jan Tengeler über das Album:
Lässige Grooves, eingängige Arrangements und dazu überzeugende Gastsänger – auch für sein zweites Album "The Soul Session Two" vertraut Komponist Ralf Kiefer auf bewährte Zutaten. Dieses Mal konzentriert er sich aber mehr auf spirituelle und teilweise sogar meditative Klänge.

"You are everything" – Du bist alles: Ralph Kiefer lässt den indischen Gelehrten Jiddu Krishnamurti zu Wort kommen, bettet Ausschnitte einer Rede aus dem Internet in eine meditative Klanglandschaft.

"Grundsätzlich geht es darum: wir brauchen keine Gurus mehr, jeder ist sein eigener Guru, jeder soll sich seines Verstandes selbst bedienen. Jeder darf in seine Kraft kommen, das zu tun, wofür er hier ist. Für mich ist es Musik. Das Instrumental war schon fertig, aber dann fragte ich mich: wen kann ich singen lassen und dachte: Da muss was anderes hin – so ist das Stück entstanden."

Der spirituelle Charakter seiner Musik wird nicht in jedem Stück so deutlich, aber er ist meistens spürbar. Insbesondere durch die Sängerin Anaj, die bei mehreren Kompositionen zu hören ist. Sie war auch die einzige Musikerin, mit der Ralph Kiefer während der Aufnahmen direkt kommuniziert hat.

"Hört man vielleicht auch ein bisschen, weil die Tracks noch organischer sind, noch ein bisschen live eingespielter klingen, wir haben auch live eingespielt im gleichen Raum. Mit ihr arbeite ich sehr viel auch live im Duo mit Loopstation, ganz akustisch nur mit Klavier und Gitarre und mit den andern Leute, die habe ich nie persönlich zu Gesicht bekommen."
Spielt Instrumente selbst

Ralf Kiefer spielt den Großteil der Instrumente selbst ein – Bass, Gitarre, Piano und verschiedenen Perkussionsinstrumente. Dann schickt er eine Auswahl instrumentaler Stücke an die Gäste. Die singen ihre Texte nach ihren Vorstellungen ein, was Kiefer oft dazu veranlasst, die Komposition noch einmal zu verändern.

"Man könnte es bezeichnen wie ein Musiker auf den anderen reagiert auf der Bühne wie in Zeitlupe – ich höre dann schon eine zweite Stimme, die ich dann spielen muss und insofern war das eine recht organische Arbeitsweise auch mit dieser modernen Arbeitsweise von Laptop zu Laptop wie im Ping Pong System."
Mit viel Liebe zum Detail

Gäste wie Omar, der es bereits in den 1990er-Jahren als King of British Soul zu einiger Berühmtheit gebracht hat, oder die US-amerikanische Soulgröße Georgia Anne Muldrow sollen dafür sorgen, dass das Projekt The Soul Session von Ralf Kiefer die ihm gebührende Aufmerksam bekommt. Das sollte gelingen. Denn Kiefer arbeitet mit viel Liebe zum Detail. Wagt aber auch Experimente und sorgt so für das gewisse Etwas, zum Beispiel arbeitet er mit ungewöhnlichen Stimmungen. Sein Klavier etwa ist auf 432 Hertz gestimmt, so wie es in der Zeit vor Mozart üblich war, und nicht auf den heutigen Standartwert von 440 Hertz.

"Ich habe damit experimentiert und gemerkt: Okay, die Töne haben eine andere Wirkung: strahlender, reiner, stärker. Daraus entstehen Stücke mit einem anderen Klangbild, das sind auch Frequenzen, die in der Klang- und Musiktherapie Verwendung finden."

Das Resultat ist eine ungewöhnliche Dichte, die die Musik ausstrahlt, ohne jemals verstimmt zu klingen. Und so ist The Soul Session Two ein groovendes Album mit meditativem Charakter geworden, das auf der Tanzfläche genauso gut funktioniert wie auf dem heimischen Sofa.

Zitat Ende.

Und genauso ist es. Sauber Produziert und klanglich auf der Höhe der Zeit.

ulod

Punkte: 8.5 / 10