Ensiferum (2001) - ein Review von quellecair

Ensiferum: Ensiferum - Cover
1
Review
26
Ratings
9.37
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Pagan/Viking Metal


quellecair Avatar
12.02.2015 08:55

Keine Ahnung, was da oben im Norden so speziell anders ist, aber irgendwie scheint es dort etwas zu haben, was Menschen dazu inspiriert grossartige Stahlmusik zu komponieren. So ist Ensiferum neben Nightwish, Sonata Arctica, Stratovarius, Lordi, Children of Bodom oder Insomnium - um nur ein paar zu nennen - ein weiteres Phänomen aus Finnland. Und während in Kürze ihr sechstes Studioalbum erscheinen wird und damit gleichzeitig auch das 20jährige Bandbestehen gefeiert werden kann, drehen wir das Rad ein paar Jahre zurück und widmen uns dem gleichnamigen Debutalbum.

Anfang 2001 erschienen, versetzte es viele Kritiker nahezu in Schwärmerei und wurde von der Metalcommunity sehr gut aufgenommen. Aber was macht dieses Album so besonders? Nun, sehr viel. Denn obwohl bereits Anfang 90er mit Bands wie Bathory, Enslaved oder Einherjer Black Metal und skandinavisch-folkloristische Elemente vermengt wurden und daraus die Bezeichnung Viking Metal entstand, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Bands aus aller Herren Länder an diese Fusion von Metal und Volksmusik heranwagten.

Und Ensiferum (lateinisch für "Schwertträger") haben in dieser Hinsicht den Nagel voll auf den Kopf getroffen. Ihre eigenwillige Art, klassischen Metal der Marke Manowar, Iron Maiden oder Judas Priest mit traditionell finnischer Folkloristik zu vereinen und mit der Aggressivität des Death und bisweilen gar Black Metal zu verstärken, schafft eine musikalische Atmosphäre, der sich kaum ein Metaller entziehen kann. So schöpfen sie nach kurzem Intro mit "Hero in a Dream" bereits aus den Vollen und pusten den Zuhörer förmlich in den Sessel: schnell, melodisch und rhythmisch trotz den Tempowechseln jederzeit präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Und Jari Mäenpää, der nach dem zweiten Album leider die Band verliess, versetzt den Melodien mit seinen gekonnten Screams und Growls eine Dynamik, die nie aufgesetzt klingt und sich perfekt ins musikalische Gefüge eingliedert, ehe dann nach zwei Minuten mit dem Einschub von heroischem Gesang zum ersten Mal so etwas wie Gänsehautfeeling aufkommt und man sich plötzlich in Gedanken am Lagerfeuer mit einem Humpen Bier in den Händen wiederfindet.

Und das ist erst der Anfang. Denn mit "Token of Time" setzen die Finnen nochmal eins drauf und führen den Siegeszug mit "Guardians of Fate" tadellos fort. Wer spätestens hier noch nicht (zumindest innerlich) in feierliche Stimmung geraten ist, der wird Folk Metal vermutlich nie verstehen. Bei "Ors Man: Väinämöinen" und "Little Dreamer" dringt man bis in die Gefilde des Black Metal ein, "Abandoned" schwelgt in der Dramatik und "Windrider" fasst nochmals alles zusammen, bevor man mit "Treacherous Gods" und "Eternal Wait" etwas gemächlicher zu Werke geht, damit es zum Schluss mit "Battle Song" und "Goblin's Dance" nochmals ordentlich auf die Mütze gibt.

11 Songs (inklusive Intro), 11 Volltreffer. Songs, die selbst nach 14 Jahren unverbraucht klingen, zum Mitsingen, Mitjohlen und Headbangen animieren und einem immer wieder in gute Stimmung zu versetzen vermögen - ja, dann ist das nicht nur grossartig, sondern eben auch zeitlos. Und auch wenn es die finnischen Schwertträger auf den nachfolgenden Alben geschafft haben, weiterhin grossartige Songs zu schreiben und damit vereinzelt sogar sich selbst zu übertreffen, so bleibt die atmosphärische Dichte und Homogenität des Debüts unerreicht.
Für mein Liebling unter den Folk Metal Alben gibt's deshalb nur eines: die volle Punktzahl.


(Original Review: http://quellecair.blogspot.ch/2015/02/hoch-oben-im-norden.html)

Punkte: 10 / 10


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