Lengsel The Kiss The Hope (2006) - ein Review von walzenstein

Lengsel: Kiss The Hope, The - Cover
1
Review
1
Rating
7.50
∅-Bew.
Typ: Album
Genre(s): Metal Black Metal, Progressive Metal


walzenstein Avatar
05.04.2018 12:18

Puh, was mischen sich die Norweger in letzter Zeit nur in ihr Ringnes-Bier?? LENGSEL, deren Debüt „Solace“ im Jahre 2000 erschien und eindeutig Black Metal war, bringen nun ihren zweiten Longplayer unter die Leute. Nach DHG und MANES, nun auch LENGSEL, die zwar dem Düsteren nicht abschwören, wohl aber dem Schwarzmetall. Und „The Kiss, The Hope“ ist wahrlich starker Tobak und sehr schwer verdaulich.

LENGSEL haben zwar noch Elemente des Black Metal im Repertoire, aber alles in allem kann man den Stil irgendwie nicht beschreiben. Man nehme SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM, TripHop-Loops, ein paar New Wave-Einsprengsel, ab und an mal psychedelische Sounds, etwas Jazz und vermischt es dann mit extremen Metal. Ein paar Momente zum Relaxen, einige beklemmende Parts, wo es einem eiskalt den Rücken runterläuft und einige Ambient-Klänge … und dann aber auch mal Blastbeats, sägende Gitarren, verwirrende Riffs und Gesänge, die einem durch Mark und Bein gehen.

Der Opener „An Anonymous Phone – Call And A Deadline” gibt schon die Richtung an, die LENGSEL auf dem Album einschlagen. Verzerrte Stimmen, geile Melodien … acht Minuten lang. Und dabei erzeugt der Song immer mehr eine melancholisch-depressive Stimmung, von Minute zu Minute. Aber dieser Track ist noch recht eingängig, im Vergleich zu „Hell Calls Hell“. Gekreische, rasende Drums, sehr progressives Gitarrenspiel – aber man hört hier den Ursprung der Norweger. „Miss S.C.“ beginnt düster, ähnlich wie AND ALSO THE TREES. Wären die verzerrten Stimmen und den Background a la DEPECHE MODE zu „Construction Time Again“-Zeiten, könnte der Anfang des Liedes durchaus von den Briten stammen. Aber nein; LENGSEL hauen mal wieder durch. Psychopathisch, strange, aber dennoch angenehm. Wieder etwas aus der Art schlägt „A Little Less To Heal“. Ist wohl einer der eingängigsten Kompositionen der Musiker, die auch noch bei EXTOL am Musizieren sind. Ein Bastard aus THE THIRD AND THE MORTAL, AND ALSO THE TREES und scheinbar NEGURA BUNGET (ja, diese Mixtur funktioniert) ist “The Warm Water Chaseway”. Mir gefällt es! Bevor es dann mit geiler Melodie weitergeht, drängt sich „Angels In America“ mit Blastbeats im Proberaum-Sound in den Vordergrund. Für mich der beste Track auf dem Album. Den Abschluss macht dann „Avec Toi“, ein beschaulich ruhiges Lied mit Akkordeon. Ungewöhnlich, aber originell.

Wer von LENGSEL eine Fortsetzung von „Solace“ erwartet, wird wohl enttäuscht sein. Wer aber offen für experimentelle, aber durchaus gekonnt umgesetzte Musik im extremen Metal steht, der kann hier durchaus Gefallen finden. Ich finde es ziemlich mutig von den Norwegern, eine solche Scheibe aufzunehmen, aber auch ziemlich geil. Vor dem Kaufen unbedingt erstmal antesten!

Punkte: 7.5 / 10