Komara (2015) - ein Review von marty-party

Komara: Komara - Cover
1
Review
2
Ratings
8.75
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Jazz Fusion, NuJazz


marty-party Avatar
10.02.2016 00:07

KoMaRa ist eine Art Supergroup-Projekt des slowakischen Gitarristen und NuJazz-/Electronic-Tüflters David Kollar ('Ko'), King Crimsons Trommler und Electronic-Tüftlers Pat Mastelotto ('Ma') und des Trompeters, Klang-Erneuerers und Electronic-Tüftlers Paolo Raineri ('Ra'). Und hier wird - Überraschung! - ordentlich elektronikgetüftelt und klangverfremdet.
Raineris Trompete steht hier klar im Vordergrund und es ist immer wieder erstaunlich, welche Töne er seinem Instrument zu entlocken vermag. Okay, das ganze wird (wie auch die Gitarren und das Schlagzeug) durch allerhand Effektgeräte gejagt, damit auch wirklich keinerlei Wohlklang entstehen kann. Was hier aus den Boxen tönt, ist aber ganz und gar erstaunlich und kein Bisschen langweilig. Kein Album, dass man in einer fröhlichen Runde hört - aber davor warnt ja bereits das gruselige Cover.

Ich habe eine Rezension gelesen, in der behauptet wurde, dass die Musik auf der CD dem entspricht, was auf dem Cover zu sehen ist. Dem möchte ich in aller Deutlichkeit widersprechen. Die Musik von 'KoMaRa' passt für mein Empfinden als Soundtrack in einen verregneten, dialoglosen französischen Arthouse-Film, oder Ähnliches. Möglicherweise taugt sie auch als Soundtrack für einen Horrortrip (nach der Einnahme der richtigen Bewusstsein erweiternden Substanzen). Raineris Spiel verleiht dem Ganzen aber eine recht chillige Atmosphäre. Mastelotto klappert, dängelt, zirpt und fiept, wie man es schon von den ProjeKcts, den King Crimson Spin-off-Projekten kennt, und Kollar pendelt irgendwo zwischen Robert Fripp und David Torn (wobei er Torn definitiv näher ist). Ab und zu steuern Bill Munyon und Leashya Fitzpatrick-Munyon gesprochene Worte bei... fertig ist eine Melange aus NuJazz, Avant-Crossover und Industrial-Fusion (anders kann ich es nicht benennen), die eher überrascht als verstört. Melodien zum Mitpfeife wird man hier vegebens suche.
Und wer sich fragt: "Kann Pat Mastelotto eigentlich auch einfach mal straight grooven und einen Rhythmus spielen, der NICHT dauernd irgendwo zwischen dreizehn Achteln und neun Sechzehnteln changiert?", der wird feststellen: Ja, er kann!
Er macht 's nur selten.

Fazit: 'KoMaRa' am besten alleine hören. Da erspart man sich die "Iiiieeeh, was für ein ekliges Cover!"-Rufe und muss sich auch nicht dafür rechtfertigen, was man für ein komisches Zeug hört. Wem die King Crimson-ProjeKcts gefallen, dem gefällt auch 'KoMaRa'. Wäre das Projekt ein ProjeKct, dann auf jeden Fall eines der Besseren! Die Musik auf der CD wird von Raineris Trompete zusammengehalten und es überrascht immer wieder, was die drei für Sounds zu erzeugen vermögen.
Ein spannendes Album voller freakiger Soundscapes..... eklig verpackt!

Punkte: 9.5 / 10


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