Postmortem (2015) - ein Review von Akhanarit

Eigensinn: Postmortem - Cover
1
Review
1
Rating
6.00
∅-Bewertung
Typ: Single/EP
Genre(s): Metal Industrial Metal


Akhanarit Avatar
27.07.2015 17:56

Mit dem Debütalbum "Die Wahrheit" von 2009 konnten EIGENSINN aus Stuttgart und Heilbronn erste Dark Rock-Fans auf ihre Seite ziehen, was 2013 dann mit der EP "Endorphine" auch scheinbar so fortgeführt werden sollte, doch es hat gar den Anschein, dass EIGENSINN nun, 2 Jahre später, nicht mehr so ganz zufrieden mit dem Ergebnis waren. Jetzt kommt nämlich mit "Postmortem" eine weitere EP ans Tageslicht, die neben 3 neuen Stücken auch die Neuaufnahmen zu 'Raus', 'Marathon' und 'Kinder Des Zorns' enthält und die von Kai Stahlenberg aus den Kohlekeller Studios (HÄMATOM, CREMATORY, POWERWOLF) produziert wurde. Damit nimmt quasi älteres Material die Hälfte dieser Veröffentlichung ein, was in euch nun entweder einen Kaufgrund oder aber genau das Gegenteil erwecken wird. Die Debatten darüber, welche Versionen nun besser sind, könnt eh nur ihr selber entscheiden und daher schauen wir uns doch lieber mal das neue Futter etwas genauer an.

Der erste neue Track ist titelgebend für diese EP und Sängerin Nemesis schafft es mühelos, eindrucksvoll in dieser musikalischen Wildwasserfahrt erste Akzente zu setzen. Stimmgewaltig ist sie ja, das kann man gar nicht anders sagen. Mit dem Thema Liebe und Verführung eröffnet sich so eine EP eh immer auf Nummer sicher und wer mit der eigenwilligen Stimmfärbung keine Probleme hat, kann sich über ein paar nette Hooklines freuen. So richtig hängen bleibt der Track jedoch nicht. Nach dem unspannenden 'Raus' gibt es dann EIGENSINNs Abrechnung in Form von 'S.O.A.B.'. Warum es manchen immer noch so schwer fällt, ein "son of a bitch" in die Welt zu rufen ist mir zwar etwas schleierhaft, doch vielleicht war man ja einfach ein wenig schreibfaul an dem Tag. Dafür sprüht die Band hier vor allem vor Energie und wären da nicht die Integration dieses unsäglichen Vater Unsers, welches als Spoken Word-Einlage dargeboten wird, sowie das mehr als peinliche Nananana-Ende, wäre die Nummer sogar recht ansprechend. RAMMSTEIN-Fans werden vielleicht mit 'Marathon' eher warm, da hier die Industrial-Fundamente besonders schön zum Tragen kommen, während Freunde großer Melodien eher zu 'Kinder Des Zorns' greifen werden. Schade, dass die Frontfrau bei den epischen Momenten immer so gepresst und überanstrengt klingt. Es fehlt der Gesangsperformance an etwas Leichtigkeit und wirkt zu aufgesetzt, als dass es wirklich fesselnd wäre. An den Drums findet sich übrigens auch ein neues Gesicht, denn "Ole, das Tier" gibt hier seinen Einstand bei EIGENSINN und macht seine Sache gar nicht mal schlecht, wenn auch noch ein bisschen zurückhaltend. Doch nun zum Endspurt! Auch 'Verdammt', der Abschluss von "Postmortem" plätschert mitsamt aller elektronischen Spielereien eher dröge vor sich hin, während man dem Hörer mit dem schrillen Keyboard auf die Nerven gehen will. Es wirkt fast so, als hätte sich die Band da ein wenig in sich selbst verloren.

"Postmortem" wird also in erster Linie eines: die Lager spalten. Mir selbst macht die Scheibe ehrlichgesagt keinen Spaß, verfehlt sie doch meinen Musikgeschmack um Haaresbreite, allerdings muss ich fairerweise auch zugeben, dass EIGENSINN wirklich ein paar nette Riffs und Chöre auffahren können, auch wenn diese nicht über ein Mittelmaß hinausreichen können. Wenn man die gleiche Leistung jetzt noch mit etwas Lockerheit garnieren würde, wäre das schon die halbe Miete. Den Rest macht dann das Wichtigste überhaupt: Präsenz!

http://bleeding4metal.de/?show=review_de&id=7047

Punkte: 6 / 10


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