At The Expense Of Humanity (2015) - ein Review von iwill zähnchen

Judicator: At The Expense Of Humanity - Cover
1
Review
1
Rating
9.00
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Metal Heavy Metal, Power Metal


iwill zähnchen Avatar
07.04.2015 19:05

Das anno 2010 – von Sänger John Yelland und Gitarrist Tony Cordisco – nach einem Blind Guardian Konzert gegründete Projekt macht Nägel mit Köpfen:

Nachdem die ersten zwei Alben (King Of Rome und Sleepy Plessow) sowohl von Fans als auch Kritikern wohlwollend aufgenommen wurden, sind Judicator mit dem dritten Album als richtige Band am Start. Und nicht nur das, die Chancen sich im oberen Drittel der Champions League festzusetzen, könnten nicht günstiger stehen.

Zum einen wird At The Expense Of Humanity sicher vor allem Blind Guardian Fans munden, denen deren aktuelles Werk mal wieder zu überambitioniert ist, denn Judicator kann man musikalisch und qualitativ zwischen Somewhere Far Beyond und Nightfall In Middle Earth platzieren. Und das, ohne wie ein Abklatsch dieser Phase zu klingen, denn man geht seit jeher etwas straighter als die Krefelder zu Werke, was auch Gamma Ray Supporter hellhörig machen sollte.
Zum anderen hat man sich, ohne seiner Hauptinspiration den Rücken zu kehren, wie Sleepy Plessow schon andeutete einen eigenen Sound zugelegt. Auch wenn in Johns Stimme ein gewisses “Hansi Kürsch Timbre” vorhanden ist, so unverkennbar wie aktuell klang er bisher nicht. Man hört seiner grandiosen Leistung an, das er ständig an sich arbeitet. Judicator haben einen gereiften Sänger von Weltklasseformat, das zeigen nicht nur die dezent gesetzten Growls, vor allem sind die cleanen Vocals makellos und sehr ergreifend. Als Paradebeispiel sei hier vor allem das grandiose Duett mit Mercedes Victoria in Life Support erwähnt.

Gereifter wirkt auch das Songwriting, das man in diesem Genre einfach nicht abwechslungsreicher und spannender Gestalten kann. Neben diversen kleineren Melodic Death – Attacken schweift man gerne auch mal in 80er Progressive Sounds ab. So sind Songs wie God’s Failures, Cannibalistic Mind, Coping Mechanism nicht nur amtliche Metalsongs, sie verlieren auch nach etlichen Durchgängen nichts von ihrer Faszination.
Mit Lucid Nightmare und How Long Can You Live Forever? bekommt man obendrein noch superbe Longtracks, deren ausladende Spielzeit einem – dank erstklassiger Unterhaltung – beim Hören nicht bewusst wird.

Es ist kaum zu fassen, aber die Amis kaufen uns allmählich den Schneid ab! Letztes Jahr erklommen Noble Beast aus Minnesota den Teutonic Power Metal Thron mit ihrem selbstbetitelten Debüt, dieses Jahr legen Judicator ein Album vor, das die Band zu den ganz großen Vertretern des eigentlich deutschen Power Metals aufschliessen lässt. Und das nicht nur wegen der erstklassigen musikalischen Qualität, sondern auch wegen des textlichen Konzeptes:
At The The Expense Of Humanity ist ein Konzeptalbum über einen Kampf. Und nein werte Gralshüter des truen Metals, hier geht es nicht um Drachen und Schwerter oder Hobbits und Orks. Ihr müsst dieses Album also nicht heimlich im Keller hören. Hier wird der Kampf von Johns Bruder gegen den Krebs beschrieben, den er letzten Endes verlor. Zudem wird die Geschichte von seiner Familie während dieser Zeit sowie seine daraus resultierenden persönlichen, existentiellen und philosophischen Dilemma. Ein Offenbarungseid, bei dem so mancher sicher feuchte Augen bekommen wird!

Musikalisch erstklassig und konzeptionell mitreizend liefern Judicator hier jetzt schon eines der Highlights des immer noch jungen Jahres ab. Mehr Hörproben gibt es auf dem YouTube Channel und der Bandcampseite der Band (Links siehe unten), dort könnt ihr auch das Album ergattern.

Review erschienen bei metalunderground.at: http://www.metalunderground.at/?p=44177

Punkte: 9 / 10


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