The Endless River (2014) - ein Review von Lord

Pink Floyd: Endless River, The - Cover
3
Reviews
46
Ratings
7.43
∅-Bewertung
Typ: Album
Genre(s): Rock Progressive Rock, Art Rock


Lord Avatar
09.11.2014 10:29

Es ist ja im Prinzip kein regulär neues Album der Progressiv-Rock Legende, was uns hier als "neu" vorgesetzt wird - das Album basiert auf Aufnahmen/Sessions zum 1994er "Division bell" Album und ist in erster Linie als Vermächtnis des mächtigen Rick Wright gedacht, der leider 2008 von uns ging.
Gilmour und Mason erkannten die Qualität der (teilweise) Songschnpisel und komplettierten diese zu einem Album - es wird das letzte von Pink Floyd sein und Herr Gilmour denkt - im Gegensatz zu Kollege Mason - nicht daran, mit der Band nochmal zu touren und konzentriert sich wieder auf sein Solo-Ding. Das mal zum Drumherum.

Klar, richtig schlecht ist wohl kein Album, bei welchem diese Herren die Finger im Spiel haben. Aber ist das wirklich Pink Floyd?
Es ist weder ein neues Album, noch ist es die komplette Band - denn Roger Waters, seines Zeichens Initiator der "Meisterwerke" "The wall" (buh) oder "Animals" (great) und seit jeher treibende Kraft und Texter der Band - geht seit 1985 eigene Wege und ist auch hierbei nicht involviert. Und dieses watersche Element des schrägen, des misstrauischen und gestörten fehlt dem Album - wie auch allen anderen Alben unter Gilmours Führung - extrem. Die Platte wirkt brav und harmlos. Schön, klar - aber irgendwie auch etwas beliebig. Handkehrum muss man sagen, dass die Floyd-Scheiben, bei denen hauptsächlich Waters seine Konzepte durch brachte ("The wall" und "The final cut") und die "Anderen" nur noch als austauschbare Mitmusiker fungierten ebenfalls nicht vollkommen sind. Für ein PERFEKTES Pink Floyd Album braucht es Waters UND Gilmour. Der eine exzentrisch, der andere dienlich - der eine psychedelisch, der andere melancholisch. So ist alles im Gleichgewicht. Das ist auf "The endless river" nicht der Fall... So kann man sagen, dass das letzte "echte" Pink Floyd Album 1977 erschien: "Animals". Auch wenn offiziell dies hier das Letzte sein soll, 37 Jahre später.

"The endless river" besteht aus 18 Songs, davon 17 rein instrumental - einzig der letzte Track "Louder than words" wurde komplett mit Lyriks versehen - verfasst von Gilmours Frau. Gilmour selber sagt, dass er lieber die Musik für sich sprechen lässt, da er textlich nicht sonderlich begabt sei. Nun gut, dafür ist er an der Klampfe für mich einer der Allerbesten - auch auf "The endless river": Er setzt sein Solospiel stets songdienlich ein, will sich nicht durch Virtuosität in den Vordergrund spielen und versucht nicht höher zu pinkeln als die Konkurrenz. Das macht die Platte sehr angenehm zu hören.

Für mich Kritikpunkte ist die butterweiche "Ohne Ecken und Kanten"-Produktion: Dadurch, dass fast alles rein instrumental ist, wirkt das Album schon fast wie ein MeditationsAlbum. Pink Floyd konnten schon immer instrumental sein - siehe zum Beispiel der 25 Minuten Track "Atom heart mother" - aber Niemand würde grad diesem Stück meditativen Charakter attestieren. Insofern wirkt "The endless river" zwar schön, jedoch auch etwas zahnlos. Oder zumindest harmols.

Die Band bringt immer wieder gekonnt alte Trademarks ein, die an Glanztaten erinnern: Sei es bei "It's what we do", das bei "Shine on you crazy diamond" angelehnt ist, oder bei "Anisina", bei dem man sofort an "Us and them" denkt. Auch fehlt das klassische "dgdgdgdg"-Riff nicht, das Gilmour hauptsächlich auf "The wall" bei Songs wie eben "The wall" oder "Run like hell" beisteuerte - hier zu hören in "Allons-Y (1)". So gesehen wurde ja vieles richtig gemacht.
Bereits auf dem "The wall" Album von 1979 störten/stören mich diese vielen Sequenzen - keine wirkliche Songs, sondern so zusammenhängende 2 Minuten Cuts. Bei "The wall" mochte das im Konzeptcharakter noch passend sein - auf "The endless river" geht das zwar auch ok, weil die Stücke nahtlos ineinander über gehen, jedoch wirkt für mich alles etwas bruchteilhaft und unfertig. Dauernd wechselt die Richtung aber man bleibt dennoch bei diesem pseudosphärischen Meditationsgeplänkel.

Der einzige Vocaltrack - "Louder than words" - finde ich, trotz Gilmours noch immer wunderschönen Stimme, ein bisschen nichtssagend und langweilig - oder sagen wir seicht. Zu sehr auf Dur, zu wenig Moll. Aber das ist - wie immer - Geschmacksache. Etwas popig. Zu popig. Halt typisch Gilmour-Floyd, wie er es seit 1987 ("A momentary lapse of reason") mit der Band macht.

Alles in allem nett... Mehr aber nicht. Kein Vergleich zu den Meisterwerken der Band (nach meinem Geschmack aufgenommen zwischen 1970 und 1977 - "Atom heart mother" bis und mit "Animals"). Und dieses "nett" ist gleichzeitig auch grosse Kritik, denn ein Pink Floyd Album soll nicht nett sein. Es soll verstörend wirken, bedrohlich oder losgelöst von allem irdischen. Aber nicht nett.

Ich hätte mir erhofft, dass man vielleicht noch etwas mehr Zeit investiert, dass Gilmour noch den einen oder anderen Text beigesteuert hätte - so dass es sich etwas mehr nach einem kompletten Album und nicht nach einer Ansammlung von Bruchstücken/Ideen angehört hätte. Man muss dem Album jedoch zugute halten, dass es - trotz der eben grad angebrachten Kritik - wie aus einem Guss klingt und man es sich am besten auch so anhört.. Nur eben; es ist halt sehr brav geworden und "schockt" nicht mehr - man nehme das krasse Instrumental ab "Dark side of the moon" von 1973 "The great gig in the sky", das einem eine endlose Gänsehaut beschert. Das war shocking auf seine Weise, intensiv, fesselnd. Sowas gibt es zu keiner Sekunde auf "The endless river".

Mit goodwill 7 Punkte.

Punkte: 7 / 10


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Tracklist:

  1. Things Left Unsaid
  2. It's What We Do
  3. Ebb And Flow
  4. Sum
  5. Skins
  6. Unsung
  7. Anisina
  8. The Lost Art Of Conversation
  9. On Noodle Street
  10. Night Light
  11. Allons-y [Part 1]
  12. Autumn '68
  13. Allons-y [Part 2]
  14. Talkin' Hawkin'
  15. Calling
  16. Eyes To Pearls
  17. Surfacing
  18. Louder Than Words

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